Ausbildung in der Region: Hier mehr Stellen, dort weniger Bewerber

Von: Christina Handschuhmacher
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Dringend gesucht, auch in der Region: Auszubildende. Foto: dpa

Aachen. Erneut mehr gemeldete Ausbildungsstellen, weniger Bewerber und deutlich weniger Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag: Das ist die Quintessenz der Zahlen zum Ausbildungsjahr 2014, die die Bundesagentur für Arbeit (BA), die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer (HWK) am Donnerstag im Fotohaus Preim in Aachen vorgestellt haben.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Ausbildungsmarkt in der Region:

Wie hat sich die Ausbildungssituation in der Region entwickelt?

Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich gestiegen. Zwischen 1. Oktober 2014 und 30. September 2015 wurden der Arbeitsagentur Aachen-Düren 6536 Ausbildungsstellen gemeldet. Das sind 276 mehr als im Vorjahr (plus 4,4 Prozent). Zeitgleich ist die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz um 424 auf 8286 Jugendliche zurückgegangen (minus 4,9 Prozent). Der Grund: Es gibt immer weniger Schulabgänger.

An dieser Stelle zeigt sich wieder der viel zitierte demografische Wandel. Gabriele Hilgers, Leiterin der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, betont dann auch: „Diese Entwicklung werden wir nicht stoppen können.“ Deshalb sei es wichtig, dass die Betriebe „unternehmerischen Weitblick“ zeigten und durch Ausbildung die Fachkräfte von morgen sicherten. Ein positiver Aspekt: Die Zahl der unversorgten Bewerber nimmt deutlich ab. Am Stichtag 30. September 2015 waren nur noch 281 Bewerber ohne Ausbildungsplatz oder eine sonstige Alternative wie eine weiterführende Qualifikationsmaßnahme.

Welche Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt bereitet Sorgen?

Die Diskrepanz zwischen Ausbildungsplätzen auf der einen Seite und Bewerbern auf der anderen Seite ist in der Praxis immer noch groß. Mal haben die angehenden Azubis in den Augen der Arbeitgeber zu schlechte Schulabschlüsse, mal entsprechen die Berufe mit noch freien Lehrstellen nicht den Wünschen der Auszubildenden. Hinzu kommt die immer weiter sinkende Zahl potenzieller Azubis: „Die Betriebe werden sich von der ‚Bestenauslese‘ verabschieden und auf eine „Suche nach ‚Geeigneten‘ umstellen müssen“, meint Hilger.

Was wird getan, um diese Diskrepanz zu vermindern?

Mit der Initiative „Ausbildung hat Vorfahrt“ setzt die Arbeitsagentur auf Ausbildungsplatz-Akquisiteure, die Betriebe gezielt auf die Möglichkeiten einer Ausbildung für benachteiligte Jugendliche hinweisen und dabei unterstützen. Zudem wurde die „assistierte Ausbildung“ ausgeweitet: Nicht mehr nur Jugendliche mit Lernschwierigkeiten oder aus sozial schwachen Familien, sondern alle Jugendlichen haben bei Bedarf Anspruch auf Hilfestellung in ihrer Ausbildung, etwa in Form von Sprachförderprogrammen oder sozialpädagogischer Unterstützung. Bei den gut qualifizierten Azubis gilt es hingegen oft, Überzeugungsarbeit zu leisten, weiß Gisbert Kurlfinke, Ausbildungsberater bei der IHK. „Nicht alle Abiturienten werden an der Uni glücklich. Mit einer dualen Ausbildung erreichen sie das gleiche Qualifikationsniveau wie ein Student mit einem Bachelorabschluss.“

Wie sind die Ausbildungsperspektiven für jugendliche Flüchtlinge?

Der Zuzug von Flüchtlingen spiegelt sich auch auf dem Ausbildungsmarkt wider – bislang allerdings noch in geringem Ausmaß. Gabriele Hilgers nennt ein Beispiel: Youssef, 22 Jahre alt und aus Afghanistan, hat nach seiner Ankunft in Deutschland die mittlere Reife nachgeholt und macht nun eine Ausbildung zum Informationselektroniker in der Region. Auch die beiden Kammern haben die Flüchtlinge als potenzielle Azubis im Blick. IHK und HWK haben beide jeweils einen eigenen Koordinator für die Ausbildung von Flüchtlingen. „Wir haben 60 Azubis, die aus den derzeitigen Krisenregionen stammen“, sagt HWK-Geschäftsführer Georg Stoffels.

„Viele von ihnen hat es ins Bäckerhandwerk gezogen.“ Stoffels kritisiert jedoch, dass es für noch nicht anerkannte jugendliche Flüchtlinge keine gesicherte Aufenthaltserlaubnis für die gesamte Ausbildungsdauer gibt. So würde den Firmen die nötige Planungssicherheit fehlen. Die Bereitschaft, Flüchtlinge auszubilden, sei jedenfalls vorhanden, sagt auch Kurlfinke: „Im Sommer haben sich bei uns spontan mehrere Unternehmen gemeldet, die 50 Praktikumsplätze speziell für Flüchtlinge angeboten haben. Allerdings müssten die Flüchtlinge erst Deutsch lernen und einen entsprechenden Schulabschluss machen. Hilgers Fazit: „Die Integration der Flüchtlinge ist ein guter Weg, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen.“

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