Aachen - Arbeitsagentur bringt Unternehmen und Flüchtlinge an einen Tisch

Arbeitsagentur bringt Unternehmen und Flüchtlinge an einen Tisch

Von: pep
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Gute Erfahrungen bei Frauenrath: Gabriele Bautz von dem Heinsberger Bauunternehmen und der Auszubildende Gabriel Ojibo. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es bewegt sich etwas – aus der Not am Lehrstellenmarkt geboren, aber auch aus der Einsicht, „dass wir nicht nur Integration rufen können und die geflüchteten Menschen dann alleine lassen“, sagt Doris Schillings, Geschäftsführerin bei der Agentur für Arbeit Aachen-Düren.

Deshalb luden sie und ihr Team, das sich um die Integration von jungen Asylbewerbern und deren Vermittlung an Ausbildungsbetriebe kümmert, am Donnerstag erstmals zu einem offenen Kennenlerntag ein. Bei dem konnten rund hundert Ausbildungsplatzbewerber, die nach ihrer Flucht in der hiesigen Region leben, und ein gutes Dutzend Firmen aus den Kreisen Heinsberg und Düren sowie der Städteregion Aachen Kontakt aufnehmen.

Und das war durchaus erfolgreich. Sarah Lehmann von der Geilenkirchener KSK Industrielackierungen ist jedenfalls sehr positiv überrascht: „Ich habe eben mit einem fertig ausgebildeten Industriemechaniker aus dem Libanon und einem jungen Mann aus Somalia mit Bachelor-Abschluss in Chemie und Physik gesprochen.“ Mit beiden werde sie nächste Woche telefonieren. „Denen können wir womöglich sogar reguläre Beschäftigung anbieten.“ KSK hat bereits gute Erfahrungen. „Unsere rund 350 Beschäftigten kommen aus 21 Nationen“, sagt Lehmann.

Immer geht es um die Sprache

Das Heinsberger Bauunternehmen Frauenrath mit seinen mehr als 400 Arbeitnehmern (darunter 38 Lehrlinge) sucht aktuell noch drei Auszubildende für den Straßenbau und ein bis zwei für den Garten- und Landschaftsbau. Neben Gabriele Bautz, die in der Aachener Zentrale der Arbeitsagentur an diesem Nachmittag die Kontakte für Frauenrath knüpft, steht Gabriel Ojibo. Der 30-Jährige aus Nigeria lebt mit Frau und einem Kind seit vier Jahren in Deutschland und absolviert seit eineinhalb Jahren seine Ausbildung bei Frauenrath. Er sei in der Firma sehr zufrieden, sagt er. „Ich habe keine Probleme. Ich bin sofort akzeptiert worden.“ Zwar hadert er noch mit seinem Deutsch, dabei kann er sogar Schreibfehler auf dem Block des Journalisten korrigieren.

Ojibo ist der erste Migrant bei Frauenrath; es sollen mehr werden. Bautz verschweigt die Probleme nicht. Die betreffen in erster Linie – und nicht nur in diesem Betrieb – die Sprache. „Und es ist schwierig, passende Sprachkurse zu den für unseren Betriebsalltag richtigen Zeiten zu finden.“ Der Einstieg für Asylbewerber sei nicht leicht. „Wir müssen immer erst erklären, was eine Wasserwaage oder eine Schüppe ist.“ Pünktlich zu sein, sei für manche eine große Herausforderung. Bautz hat am Donnerstag mit drei jungen Leuten gesprochen, denen sie gerne ein Praktikum anbieten möchte, um sie näher kennenzulernen. Da ergibt sich das nächste Problem: Sie wohnen in Aachen und dürfen bei ihrem Aufenthaltsstatus nicht nach Geilenkirchen umziehen. Bautz will versuchen, eine Fahrgemeinschaft zu organisieren.

Axel Köhnke, der in der Agentur den „Integration Point“ leitet, zieht daraus die Konsequenz, dass die nächsten Kontaktbörsen direkt nur für Heinsberg, Düren und Aachen organisiert werden, zumal mehrere Arbeitgeber das angeregt haben. Er und Schillings sind mit dem Echo bei Betrieben und Bewerbern auf diesen ersten Kontakttag sehr zufrieden. „Es gibt immer noch Firmen, die den idealen Auszubildenden suchen. Das wird aber immer schwieriger“, sagt Schillings. Sie hat festgestellt, dass heute „der längere Weg nötig ist“, wie sie das nennt: Die Unternehmen müssen sich mehr als früher um ihre Auszubildenden kümmern.

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