Arbeiten bis 69? Experten sehen dazu keine Alternative

Von: Rolf Hohl
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Geben düstere Prognosen: Stephan A. Kufferath-Kassner und Bernd Raffelhüschen. Foto: Hohl

Düren. Eigentlich, so der Tenor, gehe es Deutschland gut. Bei der Jahreshauptversammlung der Vereinigten Industrieverbände von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung (VIV) auf Schloss Burgau verharrte der Fokus jedoch auf der Kritik an den sozialen Sicherungssystemen.

Auch die im internationalen Vergleich hohen Beitrags- und Steuerlasten nahm der VIV-Vorsitzende Stephan A. Kufferath-Kassner unter Beschuss.

„Die politischen Parteien haben erkannt, dass hier gehandelt werden muss“, sagte er. Keinesfalls dürften die hohen Sozialabgaben noch weiter steigen. Andererseits erwarte er bezüglich der Reform des Rentensystems keine allzu konkreten Vorschläge der großen Parteien. „Am Ende wird man nicht darum herumkommen, zumindest an der Schraube der Lebensarbeitszeit zu drehen, sonst werden die Beitragszahler hoffnungslos überfordert“, so Kufferath-Kassner.

Im Bereich der Bildung plädierte er dafür, das G8-System zu verbessern. Man müsse deutlich machen, dass nicht jeder Mensch „zum Abitur geprügelt werden muss“. Und zur EU warf er den nationalen Regierungen vor, keine konstruktiven Verbesserungsvorschläge gemacht zu haben. „Ich verstehe auch nicht, weshalb die Freizügigkeit innerhalb der EU so unabdingbar sein soll, wie die Bundesregierung behauptet“, sagte er.

Gastredner war denn nicht zufällig der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg. Dieser ist Direktor des wirtschaftsliberalen Forschungszentrums Generationenverträge und kritisiert seit Jahren insbesondere die Finanzierung des Rentensystems. Dieses stehe nach seiner Analyse ohne tiefgreifende Reformen vor dem Kollaps, da „die demografischen Grundbedingungen nicht mehr erfüllt sind“.

Bis 2030, so rechnete Raffelhüschen vor, werde das Renteneintrittsalter auf 68 bis 69 Jahre ansteigen. Bei den Beitragssätzen zur gesetzlichen Krankenversicherungen ergebe sich durch den wachsenden Kostendruck bis 2050 eine Deckungslücke von acht Prozent. Lösungen dafür wären etwa ein allgemeiner Selbstbehalt von rund 1000 Euro für ambulante Leistungen und Medikamente oder die Ausgliederung von Leistungen, die auf selbstverschuldete Risiken zurückzuführen sind.

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