Aachen - Anleger setzen Jagdfeld unter Druck

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Anleger setzen Jagdfeld unter Druck

Von: Marlon Gego
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Das Hotel Adlon in Berlin, das
Das Hotel Adlon in Berlin, das den 4300 Investoren des Fundus-Fonds 31 gehört: Viele von ihnen wollen den Aachener Unternehmer Anno August Jagdfeld noch im Juni als Geschäftsführer loswerden. Foto: dpa

Aachen. Wenn es nach Thomas Fritsch geht, wird der Aachener Unternehmer Anno August Jagdfeld spätestens Mitte Juni im Hotel Adlon in Berlin nichts mehr zu sagen haben.

Das Adlon ist eines der bedeutendsten, besten und geschichtsträchtigsten Hotels der Republik, und Jagdfeld einer der größten Immobilienunternehmer Deutschlands. Doch weil die Investoren unzufrieden mit ihm sind und auch das von ihm geführte Grand Hotel in Heiligendamm vor der Insolvenz steht, steckt Jagdfeld in größten Schwierigkeiten: Neue Investoren findet er kaum noch.

Jagdfeld, 64, ist Geschäftsführer der Dürener Fundus-Gruppe und des Fundus-Fonds 31, dessen 4300 Anteilseigner das Hotel Adlon 1994 für 380 Millionen Euro gekauft, renoviert und ausgebaut haben. Bei einer außerplanmäßigen Versammlung aller Investoren will nun der Berliner Notar und Rechtsanwalt Thomas Fritsch Jagdfeld als Geschäftsführer des Fonds absetzen. Der Grund: Der Fundus-Fonds 31 hat bislang so gut wie keine Rendite abgeworfen.

Dem Fonds verpflichtet?

Viele der 4300 Anleger glaubten, Jagdfeld vertrete nicht in erster Linie ihre Interessen, wozu er als Geschäftsführer des Fonds eigentlich verpflichtet sei, sondern eher seine eigenen und die seiner Familie, die über ein Firmengeflecht fast alle Bereiche des Hotels kontrolliere und an ihnen verdiene. Obwohl die wirtschaftliche Entwicklung des Adlon keinen so schlechten Verlauf genommen hat, verzichtet Jagdfeld seit 2008 etwa auf eine jährliche Pachtzinszahlung der Adlon Holding GmbH (Geschäftsführer: Jagdfelds Sohn Julius) in Höhe von 2,3 Millionen Euro an den Fonds. Fritsch glaubt, dass von den 380 Millionen Euro, die ins Adlon investiert wurden, etwa ein Viertel in die Taschen der Familie Jagdfeld geflossen ist, also 95 Millionen Euro.

Fritsch und die 160 Anleger, die er vertritt, erstritten vor Gericht das Recht auf Einsicht in die Namensliste der 4300 Investoren, die in letzter Instanz das Oberlandesgericht Köln im Februar billigte. Seitdem organisieren sich die Anleger. Fritsch hat mittlerweile die Vollmacht fast der Hälfte aller Investoren des Fundus-Fonds 31, und täglich, sagt er, würden es mehr. In zwei Wochen möchte er eine außerplanmäßige Versammlung aller Anleger ansetzen, die, wie Fritsch glaubt, bis Mitte Juni stattfinden solle. Das Prestige-Objekt Adlon solle dann der Kontrolle Jagdfelds entzogen werden - und erhebliche Gelder nicht mehr in erster Linie den Jagdfelds, sondern den Anlegern zugutekommen.

Diese Hoffnung haben die Investoren von Jagdfelds Fundus-Fonds 34, dem das Grand Hotel in Heiligendamm gehört, so gut wie aufgegeben. Seitdem die 1900 Investoren dieses Fonds im März in Aachen der Kapitalerhöhung mangels Alternativen zustimmten, hat sich nichts getan, was sie entspannter in die Zukunft blicken lassen könnte. Ihr eingesetztes Kapital ist statt 127 Millionen Euro nur noch 12,7 Millionen wert, zum Begleichen von Verbindlichkeiten in Höhe von 26 Millionen Euro und dringend nötiger Investitionen in Höhe von 6,6 Millionen sucht Jagdfeld händeringend nach neuen Investoren, die ihm die benötigten 32,6 Millionen Euro anvertrauen sollen. „Die Aktivitäten, die Kapitalerhöhung unter Alt- wie Neuzeichnern zu platzieren, sind bereits angelaufen”, lässt Jagdfeld ausrichten. Das ist, da der Beschluss der Kapitalerhöhung fast zwei Monate her ist, nicht viel.

Jagdfelds Vertrauenswürdigkeit scheint schwer angeknackst. Zwar hat die größte Gläubiger-Bank, die Hypovereinsbank, die Fälligkeit zweier im Mai bzw. im November zu bedienenden Kredite über insgesamt fast 15 Millionen Euro noch einmal bis Jahresende aufgeschoben; doch niemand glaubt mehr daran, dass Jagdfeld das Geld wird auftreiben können. Auch die Banken glauben das nicht, wie ein Brancheninsider unserer Zeitung sagte. Zu viele Totalverluste habe Jagdfeld seinen Investoren zugemutet, die ihm selbst allerdings nie geschadet hätten. Jagdfeld investiert nicht in seine eigenen Fonds.

2002 hatte Anno August Jagdfeld auf Anfrage des „Spiegel” mitgeteilt, seit 1975 hätten ihm 50.000 Investoren etwa fünf Milliarden Euro anvertraut. Im August 2010 ließ er auf Anfrage unserer Zeitung dieselben Zahlen mitteilen - ein Beleg dafür, dass Jagdfeld in den acht Jahren zwischen beiden Anfragen kaum neue Investoren für seine Projekte begeistern konnte. Bleibt dies so, wird das Grand Hotel an der Ostsee im Jahr 2012 mit hoher Wahrscheinlichkeit Insolvenz anmelden müssen. Die 1900 Investoren des Fundus-Fonds 34 können dann nur noch hoffen, durch den wohl unvermeidbaren Verkauf des Hotels wenigstens einen geringen Teil ihrer Investitionen zurückzuerhalten.
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