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Anke Vander-Vreken zeigt wie modern ein Handwerk aufgestellt sein kann

Von: Thorsten Karbach
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Es geht um mehr als Räume streichen: Anke Vander-Vreken (von links), Robert Hansel und Ronny Vander-Vreken verstehen sich als Gestalter. Die Malermeisterin ist damit für viele ein Vorbild.

Eschweiler. Malermeisterin Anke Vander-Vreken passt ins Bild eines Handwerks im Umbruch. Als Meisterdesignerin hat sie die Akademie des Handwerks Gut Rosenberg abgeschlossen, nun gibt sie dort als Dozentin ihr Wissen weiter. Vor zehn Jahren wurde sie mit dem zweiten Platz beim „Vision“-Preis für Unternehmerinnen der Gründerregion Aachen ausgezeichnet, vor fünf Jahren gründete sie ihren zweiten Betrieb.

Heute muss sie zugeben, dass sie sich eine derartige Zukunft so nicht ausmalen konnte. Keine Frage, die Frau hat Vorbildcharakter. Sie weiß aber auch, dass ihr noch – allzu – wenige folgen. „Gute Handwerksleistung kann man von jedem Betrieb erwarten. Gute Gestaltung ist etwas Besonderes, aber das muss unser Handwerk sein“, sagt sie.

Die Maler und Lackierer bilden ein starkes Stück Handwerk in der Region. Zum Stichtag 30. Juni 2013 zählte der Kammerbezirk 774 Betriebe – darunter waren 28 neue. 27 hatten wiederum aufgegeben. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 42.000 Firmen. Stärker vertreten waren im vergangenen Sommer in der Region nur die Friseure (1352 Betriebe), die Elektrotechniker (907) und die Kraftfahrzeugtechniker (864).

Trotz dieser Präsenz haftet dem Maler- und Lackiererhandwerk ein (meist) falsches Bild an: eines, das sich aus Raufaser, Rolle, Pinsel und weißer Farbe zusammensetzt. „Dabei kann dieses Handwerk sehr viel weiter gehen“, sagt Nicole Tomys, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Aachen.

Anke Vander-Vreken zeigt dies: 1999 hat sie mit Robert Hansel ihre erste Firma „Farbe Licht Raum“ gegründet. Der Name verrät unmissverständlich, dass es um mehr geht. Es geht um Raumgestaltung – mittels Farben, Licht, Böden, aber auch Möbeln. Baubegleitung ist ebenso inbegriffen. Die Handwerksakademie habe ihr geholfen, den Blick für all das zu öffnen. Dort hat sie gelernt, mit anderen Gewerken Hand in Hand zu arbeiten – und die Chancen der entstehenden Synergien erkannt. Ihr Kompagnon Robert Hansel ist Tischler, Anke Vander-Vreken zudem gestaltungstechnische Assistentin.

Und so fügen sich die Professionen zusammen – idealerweise zu einem stimmigen Raumbild. Innenarchitektur trifft auf Handwerk. „Es macht unheimlich Spaß“, sagt die Unternehmerin. „Diese Abdeckung der gesamten Raumgestaltung ist in ihrer Konsequenz einzigartig“, erklärt Matthias Heilig, Chefredakteur der auflagenstärksten deutschen Fachzeitschrift „Die Mappe“, die Anke Vander-Vreken jetzt als „Malerin des Jahres“ auszeichnete.

Als Anke Vander-Vreken vor zehn Jahren mit dem Unternehmerinnen-Preis – der mittlerweile „Vision-plus“ heißt – ausgezeichnet wurde, war das Maler- und Lackiererhandwerk mehr denn je im Aufschwung. Aus 720 Betrieben am 1. Januar wurden bis zum 30. Juni 748, 74 neue wurden eröffnet, 46 geschlossen. Im Juni 2005 waren es dann bereits 764 Betriebe; als sie 2009 ihre zweite Firma, die Vander Vreken Malerwerkstätte GmbH gründete, waren es 768.

Der Wille, einen Betrieb zu eröffnen, ist weiterhin groß, der Konkurrenzdruck aber noch größer. Man muss sich also entsprechend aufstellen. Anke Vander-Vreken hat sich auf Gut Merzbrück in Eschweiler zwei unterschiedliche Standbeine aufgebaut: „Farbe Licht Raum“ ist der kreative Gestalter, die Vander Vreken Malerwerkstätte mit Ronny Vander-Vreken an der Spitze eher ein klassischer Betrieb samt besonderer Techniken, der mittlerweile zwei Meister, einen Lehrling und vier Gesellen hat.

Als Dozentin sieht Anke Vander-Vreken seit 2009, dass ihrem starken Handwerk aber noch der Mut fehlt, sich kreativer aufzustellen. Selten bis nie unterrichtet sie hier andere Maler und Lackierer. Im neuen Studiengang kommen zwei von 30 aus diesem Gewerk. Das ist fast schon ein Rekordergebnis. „Die Malerbetriebe haben leider ein sehr eingeschränktes Bild von sich selbst und sehen ihre Entwicklungsmöglichkeiten nicht“, erläutert der Leiter der Akademie, Wolfgang Kohl.

Anke Vander-Vreken hat sie frühzeitig gesehen. „Ich arbeite gerne experimentell, bin offen und kreativ und weiß doch immer, dass alles zueinander passen muss. Farbeinsatz ist nie willkürlich“, sagt sie. Und dann fügt sie hinzu: „Farbe ist immer noch meine Leidenschaft.“ Das passt natürlich bestens ins Bild einer Malerin.

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