AMK mischt trotz der Wirtschaftskrise kräftig mit

Von: Berthold Strauch
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Eine Stütze des Unternehmens: Schweißer Siegmund Majewski arbeitet schon seit 34 Jahren für AMK. Foto: Berthold Strauch

Aachen. Josef Vinbrüx ist der Typ Unternehmer, den man in der aktuellen Wirtschaftskrise selten trifft - auch wenn im Moment ein kleiner Silberstreif aufzuziehen scheint. Wenn Vinbrüx, Chef der traditionsreichen Aachener Misch- und Knetmaschinenfabrik Peter Küpper (AMK), seine Auftragslage beschreibt, geht seine Hand symbolisch Richtung Mund.

„Bis Oberkante Unterlippe” sei AMK ausgelastet, kann Vinbrüx schon seit Monaten behaupten, und das auch noch bis weit ins nächste Jahr hinein - ein „glückliches Gefühl”, wie er bekennt: „Wirtschaftskrise? Davon haben wir fast nichts mitbekommen!” Da spielt natürlich auch Kurzarbeit keine Rolle - im Gegenteil: „Wir fahren sogar Überstunden.”

Gibt´s so etwas wirklich? Und das ausgerechnet im deutschen Maschinenbau, der andernorts so schwer darniederliegt? Aber ja! Der 54-jährige nennt dazu ein Stichwort: „China”. Der fernöstliche Riesenmarkt, der den Deutschen gerade den Titel eines Exportweltmeisters streitig macht, zählt auch zu den Großimporteuren - und steht bei AMK ganz oben auf der Kundenliste. Kein Wunder, kann sich AMK doch als „weltweit führender Hersteller” der Misch- und Knetbranche rühmen.

Gerade erst hat sich Vinbrüx wieder über ein stattliches Geschäft mit dem Reich der Mitte freuen können. Und dieser Auftrag eines Unternehmens aus der Nähe der Hafenstadt Shanghai zählt zu einem Segment, das noch schier ungeahnte Wachstumsraten verspricht - dem Umweltschutz. China hat auf diesem Gebiet bekanntlich noch viel nachzuholen, um europäische Standards einhalten zu können.

Die Aachener Maschinenfabrik hat eine zusätzliche Produktsparte aufgebaut, die Herstellung von Katalysatoren. Diese technische Keramik hat aber allenfalls das chemischen Grundprinzip mit den Kats gemeinsam, die von den Autos her bekannt sind. Bei AMK und der ECT Händle aus Mühlacker bei Pforzheim spielt sich dies in wesentlich größeren Dimensionen ab.

Während AMK die Grundmasse knetet, ein Gemisch von Aluminiumoxid und Bindemitteln, presst ECT auf Extrudern daraus die Katalysatoren und brennt sie. Die Teile werden in Denox- oder Entstickungsanlagen von chinesischen Kohlekraftwerken zur Rauchgasreinigung eingesetzt - und das gleich „tonnenweise” in jeder einzelnen Stromfabrik, erzählt Vinbrüx. Bis 2013 müssten sämtliche Kohlekraftwerke des Landes entsprechend umgerüstet werden. Da bleibt auch für AMK genug zu tun. Stark vertreten sind die Aachener ferner auf dem indischen Markt. Ein weiteres Einsatzgebiet der Reinigungssysteme sind Schiffsmotoren und Diesellokomotiven, wo Partikelfilter zur Auflage gemacht werden.

Der einst größte AMK-Auslandsmarkt waren die USA, wo der Absatz seit dem Terroranschlag vom 11. September 2001 „regelrecht tot” sei - aus Vinbrüx´ Sicht eine Folge der mangelnden Unterstützung der deutschen Regierung für die Amerikaner. Mit dem Wechsel zu Präsident Barack Obama hofft der Unternehmer wieder auf bessere Geschäfte mit seinen Misch- und Knetmaschinen: „Wir reaktivieren gerade die alten Kontakte.”

Ansonsten sind die Aachener auf allen Kontinenten der Welt vertreten, sehr stark zum Beispiel in Mexiko. Die Exportquote beträgt mehr als 70 Prozent.

Und wo gibt es heute weitere Anwendungen? Etwa für Dichtungsmassen, Klebstoffe und Farben. Josef Vinbrüx, der mit seinem Bruder Peter die Geschäfte führt: „Sie säßen nackt da, wenn es keine Kneter gäbe!” Dabei verweist er etwa auf die Herstellung von Stoffen, Schuhen oder Knöpfen.

Eine Facette der Produktionspalette, die gleichfalls gut läuft, sind Vakuumanlagen. Sie trocknen in der pharmazeutischen Industrie Wirkstoffe. Hochpräzises, sauberes Fertigen ist dabei stets die Grundbedingung - auf den Hundertstel-Millimeter genau.

Das Unternehmen hat auch in der Heimat einen klingenden Namen

Auch auf dem Heimatmarkt ist AMK gefragt. So setzen zum Beispiel die Stolberger Dalli-Werke die Kneter und Mischer zur Seifenherstellung ein. Gleichfalls die Printen- und Plätzchenbäckerei Kinkartz in Würselen arbeitet mit AMK-Lebensmittel-Maschinen.

Übrigens: In der Anfangsphase der 1892 von Peter Küpper gegründeten Firma stand die Herstellung von Teigknetmaschinen für kleine Bäckereien - bis zum Jahre 1950.

AMK zählt derzeit 35 Mitarbeiter am Stammsitz an der Vaalser Straße in Aachen. Hier war einst ein reines Gewerbegebiet - AMK ist dort seit rund 100 Jahren präsent -, das jetzt von Wohnbebauung umgeben ist. Geschäftsführer Josef Vinbrüx verweist gerne auf die dennoch bestehende „gute Nachbarschaft”.

Trotz der guten Auslastung des Unternehmens sind Neueinstellungen derzeit kein Thema. Auftragsspitzen der Fabrik werden bewusst durch die Vergabe von Fertigungskomponenten an Firmen in der Region ausgeglichen, um ganz flexibel reagieren zu können.
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