Alsdorfer Hersteller Cinram baut neue Produktion auf

Von: Berthold Strauch
Letzte Aktualisierung:
bluraybild
Die Blu-ray-Zukunft nimmt Gestalt an: Bei Cinram wird gerade die erste Produktionsmaschine für das neue Speicherformat aufgebaut. Zwei Millionen Exemplare sind dieses Jahr angepeilt. Foto: Berthold Strauch

Alsdorf. Für den glänzend verkauften Filmträger DVD könnte schon bald der Abspann laufen. Denn das Neue ist der Feind des Guten, Bewährten: Ein grandiose Alternative für diese Silberlinge steht in den Startlöchern - die Blu-ray-Disc.

Ein regionales Unternehmen will sich an die Spitze der Bewegung setzen: der Alsdorfer CD- und DVD-Hersteller Cinram.

Im Augenblick wird in den riesigen Produktionshallen die erste von zwei Spritzgussmaschinen montiert, die die jüngste Generation der optischen Speichermedien produzieren wird. Eine Blu-ray überzeugt mit gestochen scharfer, brillanter Bildauflösung und bester Tonqualität. Alle namhaften großen US-Filmstudios - Warner Brothers, Fox und die Universal-Studios - setzen auf das neue Format und bescheren der kanadischen Konzernmutter von Cinram ein wachsendes Geschäft.

Bis die frisch montierten Maschinen auf Hochtouren laufen, werden die Blu-rays nach Alsdorf importiert und dort weiterverarbeitet. Waren es letztes Jahr eine Million Exemplare, die die Distribution durchliefen, rechnet der neue Geschäftsführer Frank Hartwig 2009 bereits mit der doppelten Menge Discs, die an den Handel ausgeliefert werden. Für die beiden Maschinen investiert Cinram vier Millionen Euro.

Die Blu-ray wird nicht das Ende der Entwicklung sein - die dürfte unaufhaltsam fortschreiten. Interessante Zukunftsmusik steckt bereits in der Pipeline, lässt Hartwig erkennen. Dabei verweist der 48-Jährige auf eine Erweiterung zum Drei-D-Format, woran bereits geforscht werde. Dies bedeute „ein Quantensprung”, schwärmt der Betriebswirt und Wirtschaftsinformatiker.

Die Speicherkapazität erreicht dann Tera-Dimensionen. Das entspricht einer tausendfachen Steigerung gegenüber den Blu-rays (Gigabyte, eine Milliarde Byte, 109). Terabyte bedeutet eine Billion Byte (1012).

Doch nicht allein diese Perspektive sorgt bei Frank Hartwig für gute Laune. Dazu tragen auch die Erfolge beim Aufarbeiten eines wenig erfreulichen Firmenkapitels bei, das sein Vorgänger John Fitzgerald zu verantworten hatte. Der musste kurzfristig seinen Stuhl räumen. Im Herbst 2007 wurde ein Joint-venture zwischen Cinram und dem US-Handyhersteller Motorola beschlossen. Die neue Tochtergesellschaft Cinram Wireless (CW) sollte die Konfiguration und Distribution der Mobiltelefone übernehmen. Binnen kürzester Zeit explodierte die CW-Belegschaft am kräftig erweiterten Standort im Hoengener Industriepark auf 900 Mitarbeiter.

Doch so kometenhaft, wie die Drahtlos-Sparte nach oben geschossen war, folgte bereits nach Jahresfrist der bittere Absturz. Der Partner Motorola hatte massive Absatzprobleme - und verlagerte dieses Geschäftsvolumen fast komplett nach Asien. Riesige Flächen drohten plötzlich leerzustehen - von den mehr als 700 Mitarbeitern ganz zu schweigen, die ihren Job verloren.

Doch nun also ein Hoffnungssignal, das Geschäftsführer Hartwig erstmals öffentlich präsentiert: Anfang Juli wird die Motorola Logistik GmbH gegründet. Die neue Firma übernimmt in Eigenregie - ohne Cinram-Beteiligung, aber als deren Untermieter - das Auftragsvolumen der Motorola-Funkgeräte. 120 CW-Beschäftigte werden übernommen.

Auch die übrigen Flächen in dem riesigen Komplex nahe der Autobahn 44 bleiben nicht ungenutzt. Hier konzentriert Cinram die Außenlager, die bislang aus Kapazitätsgründen nicht auf Werksgelände unterzubringen waren. Und als neuer Cinram-Zweig wird eine Handverpackung für „komplizierte” CD- und DVD-Hüllen oder Marketing-Gags wie das Beifügen von T-Shirts und anderen Gaben aufgebaut. Diese Aufträge erledigen jetzt noch externe Dienstleister auf eigene Rechnung. 80 Arbeitsplätze sind in der Anfangsphase vorgesehen.

Alsdorfs größter Arbeitgeber rechnet mit neun Prozent minus

Trotz des misslungenen Abenteuers mit dem amerikanischen Handy-Hersteller Motorola und der Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise: Cinram ist und bleibt mit circa 1600 Arbeitsplätzen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Stadt Alsdorf - als deren größter Arbeitgeber - und der Region.

Der neue Geschäftsführer Frank Hartwig stellte im Gespräch mit unserer Zeitung die wichtigsten Geschäftszahlen für 2008 und die Erwartungen für 2009 vor. Dabei rechnet der dynamische Manager mit einem Rückgang von durchschnittlich neun Prozent.

Im vergangenen Jahr fertigte Cinram in seiner Produktionsstätte an der Max-Planck-Straße 392 Millionen DVDs. Dieses Jahr werden „nur” noch 363 Millionen Exemplare angepeilt.

Bei den Musikscheiben lautet die Bilanz für 2008 insgesamt 66 Millionen CDs. Das Budget des High-Tech-Unternehmens für 2009 geht vom einem Rückgang auf 60 Millionen CDs aus.

Der Umsatz hat im letzten Jahr 335 Millionen Euro betragen. Und 2009 geht die Budgetplanung lediglich noch von etwa 300 Millionen Euro aus.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert