Aixtron: Obama untersagt Übernahme

Von: hjd/dpa/afp
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Die chinesische Seite hatte bis zuletzt für die Übernahme geworben. Foto: aixtron

Washington/Herzogenrath. Die Entscheidung kam nicht mehr überraschend, doch im Detail wirft sie einige Fragen auf: US-Präsident Barack Obama hat die Übernahme des Herzogenrather Chipanlagenbauers Aixtron durch einen chinesischen Investor aus Sicherheitsgründen untersagt.

Obama habe eine entsprechende Anordnung erlassen, teilte das Finanzministerium in Washington mit.

Die chinesische Fujian Grand Chip Investment wollte den Aktionären gut 670 Millionen Euro für das seit einiger Zeit kriselnde Unternehmen zahlen. Aixtron hätte so einen finanzkräftigen Partner gewonnen, um Geld für Forschung und Entwicklung sowie eine Auslandsexpansion zu erhalten. Zudem erhoffte man sich Zugang zum milliardenschweren chinesischen Markt, auf dem sich auch amerikanische Konkurrenten tummeln.

Die Entscheidung Obamas bezieht sich allerdings nur auf das US-Geschäft von Aixtron. Das Unternehmen hat eine Tochter im kalifornischen Silicon Valley, genauer: in Sunnyvale. Was das Veto des US-Präsidenten für den Verkauf des Gesamtgeschäfts von Aixtron bedeutet, ist noch offen.

Dies muss wohl nun zunächst juristisch geprüft werden. Ob die Chinesen das Unternehmen auch ohne das amerikanische Geschäft kaufen würden, ist allerdings fraglich. Dieses macht 20 Prozent des Gesamtumsatzes von Aixtron aus. Und es geht dabei wohl auch um das amerikanische Know-how.

Die amerikanische Seite begründete die Entscheidung mit der nationalen Sicherheit der USA. Das Fachwissen und die Erfahrung von Aixtron könne auch für Militärtechnik verwendet werden. Bereits das Komitee für Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten (CFIUS) hatte zuvor empfohlen, die Übernahme zu verbieten –allerdings komplett.

In diesem Punkt weicht Obamas Votum von dieser Empfehlung ab. Der Ausschuss prüft Investitionen in den USA unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit. Dabei reicht es aus, dass ein von einer Übernahme betroffenes Unternehmen einen Standort in den USA hat. Was bei Aixtron der Fall ist.

Aixtron gab am Samstag bekannt, die Verfügung Obamas beschränke sich auf das US-Geschäft von Aixtron und untersage nicht den Erwerb von Aixtron-Aktien durch den chinesischen Investor. Die Bieterin und Aixtron untersuchten derzeit mit Blick auf das Übernahmeangebot die Auswirkungen der Verfügung des US-Präsidenten. Aixtron werde sich dabei mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht abstimmen.

Die geplante Übernahme hatte zuletzt auch aus Deutschland Gegenwind bekommen: Mitten im laufenden Angebotsverfahren hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Oktober eine Unbedenklichkeitsbescheinigung zurückgezogen und eine intensive neue Prüfung angekündigt. Diese laufe unabhängig von der US-Entscheidung weiter, betonte ein Sprecher des Ministeriums. Ob sich die Bundesregierung über das US-Veto hinwegsetzen kann und will, ist offen.

Aixtron beschäftigt weltweit etwa 750 Mitarbeiter. In den USA sind es rund 100, am Standort Herzogenrath gut 400. Sollte die Übernahme komplett scheitern, müsste sich der Spezialmaschinenbauer neu orientieren. Ein Umbau wäre wohl unvermeidlich. Ob das auch Folgen für Arbeitsplätze haben würde, ist offen, aber nicht unwahrscheinlich.

Laut Bloomberg ist es erst das dritte Mal seit 1990, dass ein US-Präsident eine Firmenübernahme durch einen ausländischen Investor wegen Sicherheitsbedenken verhindert. Obama selbst hatte 2012 der chinesisch kontrollierten Ralls Corp. Den Kauf von Windfarmen in Oregon untersagt, die in der Nähe von US-Militärinstallationen stehen.

Präsident George Bush hatte 1990 des Verkauf des US-Flugzeugteilbauers Mamco Manufactoring an Chinesen verboten. Der Verkauf der Philips-Sparte Lumileds nach China war im Januar dieses Jahres bereits nach der Einschätzung von CFIUS vom Tisch.


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