Aachen - Aixtron-Aktionäre kritisieren „Spottpreis“

Aixtron-Aktionäre kritisieren „Spottpreis“

Von: Hermann-Josef Delonge
Letzte Aktualisierung:
12266148.jpg
Die Aixtron-Hauptversammlung stand ganz im Zeichen des Übernahmeangebots aus China. Foto: Harald Krömer

Aachen. Man darf getrost davon ausgehen, dass die meisten der Aixtron-Aktionäre, die am Mittwoch zur Hauptversammlung des Herzogenrather Chipanlagenbauers nach Aachen gekommen waren, Verluste machen werden, wenn sie dem Übernahmeangebot des chinesischen Investmentfonds Fujian Grand Chip Investment (FGC) zustimmen.

Der Fonds will sechs Euro pro Aktie in bar anbieten. Der Deal kommt zustande, wenn 60 Prozent der Aktien, die sich zu 93 Prozent in Streubesitz befinden, den Besitzer wechseln. Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stellte die für die Aktionäre entscheidende Frage: „Wer würde mit sechs Euro noch Gewinn machen?“ Eine sehr übersichtliche Zahl von Aktionären – knapp 36 Prozent des Grundkapitals waren vertreten – meldete sich.

Entsprechend gereizt waren die Wortmeldungen während der Aussprache zum Bericht des Aixtron-Vorstands. „Der Investor will doch nur das Know-how kaufen, und das zu einem Spottpreis“, sagte ein Kleinaktionär aus Dortmund. Sein Appell an die Anleger: „Lehnen Sie den Verkauf zu so einem Schleuderpreis ab.“ Auch Daniel Vos von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger fragte nach, ob der Verkaufspreis nicht unter Wert liege. Und Hechtfischer ätzte: „Aixtron braucht keinen neuen Großaktionär, ein funktionierendes Geschäftsmodell würde schon reichen.“

Die Offerte aus China, die Ende Juni/Anfang Juli konkret vorliegen soll, liegt weit über dem Schlusskurs der vergangenen Woche, ist aber weit entfernt von einstigen Höchstständen – und wohl auch von dem Wert, zu dem viele Aktionäre gekauft haben. Trotzdem warb die Unternehmensspitze eindringlich für die Annahme der Offerte. Vorstandschef Martin Goetzeler betonte, FGC werde den Zugang zum chinesischen Markt erleichtern und dadurch enorme Chancen ermöglichen.

Aufsichtsratschef und Firmengründer Kim Schindelhauer wurde sogar emotional: „Wir haben darum gerungen, das Unternehmen wieder profitabel zu machen.“ Doch seit 2011 habe Aixtron keinen Gewinn mehr verbucht und keine Dividende mehr gezahlt – was auch für 2015 so sein soll. „Das kann doch nicht richtig sein!“ Zudem sei die Kasse mit 180 Millionen Euro viel zu klein, gerade vor dem Hintergrund der jährlich nötigen Forschungskosten von 50 bis 60 Millionen Euro: „Das ist Kindergarten im Vergleich zur Konkurrenz.“ Die fast einhellige Meinung der Analysten sei, dass das Angebot „angemessen und fair“ sei.

Schindelhauer verteidigte die Suche nach einem Käufer so: „Wir sind nicht nur unseren Anlegern verpflichtet, sondern haben auch Verantwortung nicht zuletzt für unsere Mitarbeiter. Aixtron muss weitergehen.“ Goetzeler formuliert es so: „Ich sehe das Angebot des Fonds auch als Möglichkeit, Arbeitsplätze in Deutschland und den europäischen Forschungsstandorten zu sichern.“ Dazu gehöre auch, dass der Rechts- und Firmensitz in Herzogenrath bleiben soll und dass „schwarz auf weiß“ vereinbart worden sei, dass kein Know-how abfließen soll.

Aixtron produziert Depositionsanlagen für die Halbleiterindustrie, vor allem Chipanlagen zur Herstellung von Leuchtdioden (LED), die in der Unterhaltungselektronik, Automobilindustrie und bei industrieller Beleuchtung zum Einsatz kommen, versucht jedoch derzeit, mit einer Diversifizierung die Stagnation auf dem Markt abfedern zu können. Die Früchte dessen werden allerdings erst in einigen Jahren zu ernten sein. Das Unternehmen steckt seit 2012 in tiefroten Zahlen. 2015 gab es trotz Einsparungen bei Umsatzerlösen von 197,8 Millionen Euro einen Nettoverlust von 29,2 Millionen Euro. Auch, weil der chinesische Leuchtdiodenhersteller San‘an Optoelectronics einen Großauftrag über 50 Anlagen auf drei Maschinen zusammengestrichen hatte – was ebenfalls zu kritischen Nachfragen der Aktionäre führte. Vorstand und Aufsichtsrat wurden trotzdem für das Geschäftsjahr 2015 entlastet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert