Düsseldorf - Air Berlin: Keine Einigung, aber Schuldzuweisungen

Air Berlin: Keine Einigung, aber Schuldzuweisungen

Von: Florian Rinke
Letzte Aktualisierung:
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Ab Samstag bleiben die Maschinen der insolventen Air Berlin endgültig am Boden. Foto: dpa

Düsseldorf. In den nächsten Tagen dürften die Diskussionen bei Air Berlin an Intensität zunehmen: Wer wird entlassen? Wer freigestellt? Und für wen finden wir kurzfristig doch noch eine Lösung? Natürlich wussten die Mitarbeiter, dass es nach der Insolvenz der Fluggesellschaft um ihre Existenz gehen würde.

Bis zuletzt hofften jedoch viele, dass eine Transfergesellschaft die Arbeitslosigkeit zumindest verzögern könnte. Doch daraus wird nichts.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich die Landesregierungen von NRW, Berlin und Bayern, der Bund und die Unternehmen Lufthansa und Air Berlin nicht auf eine solche Transfergesellschaft für rund 4000 Beschäftigte einigen konnten.

NRW-Arbeitsminister „wütend“

Die Verantwortlichen schieben sich nun gegenseitig den Schwarzen Peter zu. In einer Pressemitteilung von Air Berlin hieß es, es habe Absagen von Bayern, NRW und dem Bund bezüglich der Kofinanzierung gegeben.

Dem widerspricht man jedoch entschieden in NRW. Das Land hatte zugesichert, die Kosten für die Verwaltung und das Coaching zu übernehmen, die Bundesagentur für Arbeit hätte nach dem NRW-Modell dann das Kurzarbeitergeld gezahlt und die Unternehmen Lufthansa und Air Berlin unter anderem die Sozialversicherungsbeiträge der Beschäftigten.

Die Lufthansa lehnte eine finanzielle Beteiligung allerdings ab, Air Berlin stellte zehn Millionen Euro in Aussicht. Insgesamt wurden nach ersten Berechnungen jedoch 50 Millionen Euro für eine Transfergesellschaft benötigt.

„Das Verhalten von Air Berlin und Lufthansa macht mich regelrecht wütend“, sagt NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU): „Die Lufthansa sichert sich mit Flugzeugen, Technik und Start- und Landeerlaubnissen große Filetstücke von Air Berlin. Doch die Beschäftigten lässt sie im Regen stehen. Das ist nicht das, was ich unter sozialer Verantwortung verstehe.“

Arbeitnehmervertreter sehen eine Mitschuld bei der Politik: „Es ist völlig unverständlich, dass sich Erwerber und die Politik nicht dazu bereitgefunden haben, den Beschäftigten von Air Berlin unter die Arme zu greifen, weil sie keinen ausreichenden Beitrag für eine Auffanggesellschaft leisten wollen“, sagte Christine Behle, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi.

Auch Jörg Herling, Betriebsratschef für den Bereich Technik in Düsseldorf, sagt: „Die Mitarbeiter werden nicht nur vom Arbeitgeber, sondern auch von der Politik enttäuscht.“ Er kritisiert, dass man den Beschäftigten die Perspektive nehme: „Durch eine Transfergesellschaft hätten die Leute etwas mehr Zeit gehabt, sich auf das Leben nach Air Berlin vorzubereiten.“

Hoffnung auf „Berliner Lösung“

Für einen Teil der Beschäftigten wird es diese Möglichkeit dennoch geben. Geplant ist eine Art „Berliner Lösung“. Von dieser würden überwiegend rund 1200 Mitarbeiter aus der Verwaltung profitieren, die größtenteils in Berlin sitzen. Weil 300 Verwaltungsmitarbeiter noch in Düsseldorf angesiedelt sind, würde jedoch auch ein Teil der NRW-Belegschaft profitieren. Eine Sonderlösung wie in Berlin sei in NRW nicht geplant, sagte ein Sprecher des NRW-Arbeitsministeriums.

Rund zehn Millionen Euro stellte Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) dafür in Aussicht. Nun sei Air Berlin am Zuge und müsse sich zusammen mit Belegschaftsvertretern auf einen Sozialplan einigen – dies ist die Voraussetzung für eine Transfergesellschaft. Air Berlin soll rund 3,8 Millionen Euro beisteuern. „Wir arbeiten weiter daran, so viele Arbeitsplätze wie möglich in sichere Häfen zu bringen“, sagte ein Air-Berlin-Sprecher, der jedoch auch klarstellte: „Das Thema Transfergesellschaft ist für die Bereiche Kabine und Cockpit vom Tisch.“

Die Personalvertretung der Flugbegleiter von Air Berlin geht daher nun juristisch gegen die in wenigen Tagen drohenden Entlassungen vor. In einem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung fordert sie, Kündigungen zu verbieten, weil es mit dem Arbeitgeber keine Verhandlungen über einen Sozialplan gegeben habe. Das Gericht wird darüber am 2. November beraten.

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