Aachen - Abiomed Europe: Lebensretter aus dem Aachener Reinraum

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Abiomed Europe: Lebensretter aus dem Aachener Reinraum

Von: Alexander Barth
Letzte Aktualisierung:
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Spitzentechnologie für Herzpatienten: Techniker und Ingenieure arbeiten in Aachen an der Entwicklung und in der Produktion für die Herzpumpe Impella. Foto: Alexander Barth
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Die Zahl der Mitarbeiter von Abiomed Europe soll weiter steigen. Foto: Alexander Barth

Aachen. Gerhard Ebinger ist weit gefahren, um zu sehen, wo das kleine Wunderwerk herkommt, das sein Leben nach einem Herzinfarkt rettete. 270 Kilometer sind es von seinem Wohnort Marburg bis nach Aachen, Ebinger ist Herzpatient und vor nicht allzu langer Zeit „dem Tod von der Schippe gesprungen“, wie er sagt.

Und er ist überzeugt davon, dass ihm ein Aachener Erzeugnis das Leben gerettet hat. „Ich wollte sehen, wo das gute Stück herkommt“, sagt Ebinger über seine Reise zum Medizingeräte-Hersteller Abiomed, der seine Europa-Zentrale im Aachener Westen hat. Dort am Neuenhofer Weg werden hochleistungsfähige Herzpumpen gefertigt, die weltweit Leben retten – wie das des Mannes aus Marburg.

Die Abiomed Europe GmbH, Tochter der 1981 in den USA gegründeten Abiomed-Gruppe, darf sich rühmen, die kleinste Herzpumpe der Welt herzustellen. Das Modell „Impella 2.5“ ist der Stolz des Hauses und Highlight im Sortiment hochleistungsfähiger Gesundheitstechnik aus dem Hause Abiomed. Die Technik ist eine Entwicklung der Aachener CardioSystems AG, die sich im Jahr 2005 der Abiomed Gruppe angeschlossen hat.

Regelmäßig Besuch von Patienten

Mit dem Sortiment der Impella-Reihe zählt man heute zu den Weltmarktführern in Sachen herz- und kreislauffördernde Medizintechnik. „Jede Stunde wird irgendwo auf der Welt einem Patienten eine unserer Pumpen eingesetzt“, erklärt Dirk Michels. Der Geschäftsführer von Abiomed Europe empfängt regelmäßig Patienten wie Gerhard Ebinger, die mit einem der Geräte des Hauses behandelt wurden. Michels führt die Gäste in die Produktionsstätten, erklärt ihnen die Funktionsweise der Herzpumpen und bringt sie mit dem Personal in Kontakt.

Transparenz als Firmenphilosophie – ein in den USA erprobtes Konzept, das auch im Fall Abiomed von Anklang gefunden hat. „Immer wieder wünschen sich Patienten, uns zu besuchen, um zu sehen, wie wir arbeiten“, sagt Michels. „Es scheint, als ob da eine besondere Beziehung entsteht.“

Gerhard Ebinger beschreibt seine Beweggründe für den Besuch in Aachen eher knapp: „Dankbarkeit und Neugier. Ich wollte wissen: wie arbeiten die?“ Diese und viele andere Fragen werden unter anderem bei einem Besuch in den Laboren und Produktionsräumen beantwortet. Vorher demonstriert der Geschäftsführer die Funktionsweise der Herzpumpe so anschaulich, wie es eben geht: Er taucht das schlauchartige Gerät, an dessen Ende sich ein winziger Motor sowie der Ein- und Auslass für das Blut des Patienten befinden, in ein Wassergefäß. Der Motor treibt eine sogenannte Mikroaxialpumpe an.

Michels schaltet über einen Terminal den Motor ein, sofort gerät das Wasser in Bewegung und blubbert, als stünde das Gefäß auf einer Kochplatte. Der Geschäftsführer liefert Erklärungen: „Die Pumpe wird über die Leiste bis in das Herz geführt. Dies geschieht über einen kleinen Einlass, es sind keine großen Schnitte nötig. Dort befördert sie dann konstant bis zu fünf Liter Blut pro Minute durch den Körper.“

Wie lange, das kommt auf die Erkrankung und auf die Ausführung an. Das Herz wird jedenfalls entlastet, eine schnelle Regeneration ist das Ziel“, sagt Michels. Ein Besucher, ebenfalls Patient und mit einem Impella-Modell behandelt, erzählt, bei ihm habe die echte Pumpe nicht mehr mitgemacht, „da ist man doch froh, dass es die Technik gibt.“ Auch außerhalb der Notfallmedizin werden die Pumpen eingesetzt, zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen und komplexen Herzkathetereingriffen. Die ersten Versionen des kleinen Wunderwerks kamen um die Jahrtausendwende zum Einsatz. „Die Unikliniken Aachen und Leipzig waren von Anfang an dabei“, sagt Geschäftsführer Michels.

18 000 Herzkatheter-Pumpen haben den Aachener Produktionsstandort im Jahr 2015 verlassen. Die Kernmärkte der Abiomed Europe liegen neben Deutschland in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien. Am Firmenstandort Aachen sind derzeit 210 Mitarbeiter beschäftigt. Die Zeichen stehen auf Wachstum am Neuenhofer Weg. In diesem Jahr wird bereits der Absatz von 25 000 der lebensrettenden Geräte angepeilt. Deshalb wird gerade der Produktionsbereich auf eine Fläche von bald 2500 Quadratmetern erweitert. Auch der sogenannte Reinraum, unerlässlich für die sterile Verarbeitung, wird ausgebaut.

Abiomed-Pumpen sind Einwegprodukte. „Der Qualitätsstandard verbietet eine Wiederverwendung“, sagt Geschäftsführer Michels. Für die Kontrolle der Geräte gibt es ein eigenes Testlabor, auch hier dürfen die Besucher reinschauen. In den Produktionsräumen herrschen Kleidervorschriften wie in einem Operationssaal. Die keimfreie Arbeitsumgebung macht das Tragen von Spezialanzug, Haube, Mundschutz und Schuhüberzügen erforderlich.

Der Weg führt die Besucher schließlich auch durch den Pausenraum für die Mitarbeiter. Dort hängt eine Weltkarte, auf der mit Leuchtpunkten Orte markiert sind, an denen Menschen mit Abiomed-Geräten behandelt wurden. „Bin ich auch so eine Leuchte?“, sagt Gerhard Ebinger und zwinkert.

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