Aachen - Aachener Start-up Mageco entwickelt Kläranlagen ohne Chemie und Strom

Aachener Start-up Mageco entwickelt Kläranlagen ohne Chemie und Strom

Von: hjd
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Unscheinbar, aber innovativ: Mageco-Chef Robert Schmidt mit einer Testversion der strom- und chemielosen Kläranlage im Prüfinstitut für Abwassertechnik in Aachen.. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Patentantrag ist vorbereitet und soll im Februar eingereicht werden, jetzt gibt der erste Platz beim erstmals verliehenen Deutschen Exzellenz-Preis zusätzlichen Rückenwind: Die Aachener Mageco-Gruppe steht in den Startlöchern, um mit einem neuartigen Kläranlagenkonzept in den weltweiten Markt einzusteigen.

Kopf und treibende Kraft des Start-ups ist Robert Schmidt. Der 48-Jährige ist gelernter Kaufmann und hat in den vergangenen Jahren viel Zeit und auch Geld in das Projekt investiert. Nun kann er von einem ersten großen Auftrag in China berichten, der zur Unterschrift vorliegt.

In Zusammenarbeit mit Biologen und anderen Wissenschaftlern auch an der RWTH Aachen hat Mageco einen Kläranlagentyp entwickelt, der ohne Strom funktionieren soll und auf biologische Abwasserbehandlung setzt. Außerdem soll das Konzept für einen Preis auf den Markt kommen, der weit unter dem üblichen liegt und damit auch in Ländern erschwinglich wird, wo die Anschaffung von Kläranlagen bisher oft aus Kostengründen scheitert.

Bakterien „fressen“ Unrat im Wasser

Im Prinzip funktioniert die Anlage so: Das Abwasser durchläuft drei hintereinander geschaltete Kammern, die unter der Erde installiert werden können. In der ersten setzen sich Öle und Fette an der Oberfläche ab, schwere Teile sinken zu Boden. Das Wasser dazwischen wird in ein zweites Becken geleitet, wo es biologisch und unter Ausschluss von Sauerstoff behandelt wird. Dabei hilft ein Granulat, dessen besondere Eigenschaften und Herkunft Schmidt nicht verraten will. Auf dieses Granulat setzen sich Humanbakterien ab, die schon im Abwasser enthalten sind. Diese sind in der Lage, den Unrat im Wasser „aufzufressen“. Da sie aber von Natur aus eher träge sind, werden sie durch Zugabe von Mikroben „hyperaktiv“ gemacht. Das bei dem Klärvorgang entstehende Methangas wird abgefangen und kann nutzbar gemacht werden.

Im dritten Becken wird eine feinere Granulatstufe genutzt. Dort läuft das Wasser in Schleifen, so dass es auf einer langen Strecke mit dem Granulat in Verbindung kommt. Insgesamt dauert der Durchlauf so rund vier Stunden. Am Ende steht Gebrauchswasser, das aber nicht zum Trinken geeignet ist. Dazu braucht es weitere Klärstufen, zum Beispiel unter Einbeziehung einer Pflanzenkläranlage.

Die Anlagen, die ohne elektrische Pumpen auskommen, sollen in verschiedenen Größen auf den Markt kommen, der Fokus liegt aber auf Dimensionen ab 500 Personen. Als Markt hat Schmidt neben China derzeit vor allem Südamerika, später dann auch Afrika im Blick. Zwölf Mitarbeiter, zum Teil freie, sind in das Projekt involviert, das, wie der Unternehmer sagt, sehr stark von der wissenschaftlichen Expertise der RWTH profitiert. Im Prüfinstitut für Abwassertechnik, einer Einrichtung des Prüf- und Entwicklungsinstituts für Abwassertechnik der Hochschule, hat Mageco eine Testanlage installiert. Gemeinsam mit dem Institut für Textiltechnik und Partnern in Indien will das Unternehmen ein Forschungsprojekt beantragen, an dessen Ende Tanks aus Textilbeton stehen sollen – was die Installation der Kläranlagen erleichtern und kostengünstiger machen würde.

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