Aachener Stadtwerkeverbund Trianel rutscht erstmals ins Minus

Von: Anja Clemens-Smicek
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Hoffen auf eine bessere Zukunft: die Trianel-Geschäftsführer Sven Becker (l.) und Oliver Runte. Foto: Foto: Trianel, Grafik: Hans-Gerd Classen

Aachen/Düsseldorf. „2016 war für uns kein gutes Jahr. Es war sogar noch schlechter als erwartet.“ Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Aachener Trianel GmbH, musste am Dienstag bei der Vorstellung der Bilanz 2016 das erste Minus in der Unternehmensgeschichte verkünden – gerade in dem Jahr, in dem Trianel seine „Volljährigkeit“ feiert.

Vor 18 Jahren hatten sich einige kommunale Versorger zusammenschlossen, um gegen die Großen in der Branche zu bestehen. Während es damals nicht schwer war, auf dem Energiemarkt Geld zu verdienen, muss sich das Netzwerk heute auf einem hart umkämpften und sich wandelnden Markt behaupten. „In den vergangenen Jahren haben wir die Belastungen aus der konventionellen Erzeugung sowie den zunehmenden Margendruck noch kompensieren können“, sagte Becker.

2016 sei das nicht gelungen. „Trotz großer Anstrengungen aller Mitarbeiter“, wie der Trianel-Chef hinzufügte. Dem Stadtwerkeverbund mit 347 Mitarbeitern gehören mehr als 50 Kommunen an. Über Beteiligungsgesellschaften und Partnerverträge sind mehr als 100 Stadtwerke in NRW und Baden-Württemberg, aber auch in den Niederlanden, Österreich und der Schweiz mit den Aachenern verbunden.

Schon 2015 hatte sich Trianel mit einem knappen 300.000-Euro-Gewinn zufrieden geben müssen. Der damalige Finanzchef Jörg Vogt kündigte bereits im vergangenen Sommer an, dass mehr als ein Nullergebnis auch 2016 nicht zu erwarten sei. Dass es nun noch schlimmer wurde, liegt nicht zuletzt an der verlustreichen Beteiligung an dem 750-Megawatt-Kohlekraftwerk in Lünen. Der Strompreisverfall an der Börse macht sich dort besonders bemerkbar. „2011 war am Terminmarkt die Kilowattstunde für 60 Euro-Cent zu haben, Anfang 2016 fiel der Preis auf ein historisches Tief von 20 Euro-Cent, um sich dann bei 30 Euro-Cent einzupendeln“, erklärte Becker.

15 Prozent Personaleinsparungen

Sparmaßnahmen wurden bereits 2017 unter Vogt eingeleitet. Der wurde zum Jahresbeginn von Co-Geschäftsführer Oliver Runte abgelöst, der nun für eine umfassende Restrukturierung verantwortlich zeichnet. „Die derzeitigen Entwicklungen fordern eine Konzentration des Unternehmens auf Kosteneffizienz, Prozessexzellenz und auf die Weiterentwicklung einzelner Geschäftsfelder“, sagte Runte. Dazu gehören auch Personaleinsparungen in der Größenordnung von 15 Prozent.

Es handele sich um einen „Mix aus verschiedenen Maßnahmen, etwa Aufhebungsverträgen“, sagte Runte, ohne ins Detail gehen zu wollen. So sollen die jährlichen Kosten um 7,5 Millionen Euro gedrückt werden. Der Stadtwerkeverbund will verstärkt auf Wind- und Solaranlagen sowie digitale Angebote wie Smart Meter zur Verbrauchssteuerung setzen.

Becker sieht Trianel für die Zukunft gut gerüstet. „Wir sind weiter ein gesundes Unternehmen, das in die Zukunft investieren wird“, versicherte der Trianel-Chef und verwies auf den Umsatz, der 2016 mit 2,1 Milliarden Euro annähernd konstant blieb. Mit einer Eigenkapitalquote von 23,9 Prozent sei man „solide aufgestellt“, betonte Becker. Für 2017 erwartet Trianel wieder eine „schwarze Null“.

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