Aachener Schumag stand schon ganz dicht am Abgrund

Von: Stephan Mohne und Heiner Hautermans
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Bei Schumag sind 110 Mitarbeiter gekündigt worden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ein Aktienpaket auf die Bermudas, dann mal eins auf die Cayman-Islands, ein Hedgefonds hier, ein weiterer da, zwei angedrohte Zwangsversteigerungen, die Pleite der bisherigen Holding und die Frage: Wem gehört eigentlich die Aachener Schumag?

Dieses Chaos auf der Kapitalseite hat das Traditionsunternehmen vor wenigen Monaten dicht an den Abgrund getrieben. Zeitweise hatten die Banken gar die Kreditlinien gekündigt, „weil es erhebliche Zweifel an der Bonität des Mehrheitsaktionärs” gab.

Diese dramatische Situation skizzierten Aufsichtsratsvorsitzender Jens Ohlinger und Vorstandschef Reiner Kiechl bei der Aktionärsversammlung am Dienstag. Zwei Monate hätte Schumag noch überleben können, so Ohlinger. Die Pleite hätte 1000 Mitarbeiter den Job gekostet.

Rettungsanker war der Verkauf der Maschinenbausparte an die Mönchengladbacher SMS Meer GmbH, für den 40 Millionen Euro geflossen sein sollen. Geblieben ist das Chaos auf der Aktionärsseite. Auch am Dienstag blieb im Dunkeln, wem derzeit fast 80 Prozent der Anteile gehören.

Inzwischen arbeitet Schumag vornehmlich in der Präzisionsteile-Herstellung. Im Geschäftsjahr 2007/08 - damals noch mit zwei Standbeinen - standen 2,6 Millionen Euro vor Steuern unter dem Strich.

Nun aber ist der Umsatzeinbruch gewaltig, Kiechl beziffert ihn auf 40 bis 50 Prozent. Zu den Kunden zählen Automobilisten wie BMW oder Caterpillar, die selbst arg gebeutelt sind.

Seit Januar wird bei Schumag kurzgearbeitet. Das soll bis Ende des Jahres fortgesetzt werden, was aber nicht reiche. 200 von noch 600 Jobs werden gestrichen, darunter fast 140 betriebsbedingte Kündigungen. Die Gespräche mit dem Betriebsrat laufen derzeit.

Zudem müssten, so Kiechl, Betriebsabläufe „gestrafft” werden. Verstärkte Automatisierung ist ein Stichwort. Außerdem müsse man näher an die wichtigen Kunden in Amerika und Asien heranrücken, die das auch verlangten.

Das könnte mittels Eröffnung neuer „Filialen” oder aber den Zukauf von Firmen geschehen. Man sei hier in der Prüfungsphase. Dennoch, so die überraschende Aussage, wird ein positives Jahresergebnis erwartet. Was einzig - siehe oben - dem Verkauf der Maschinenbausparte zu verdanken ist.

In der emotionalen Hauptversammlung mahnten Aktionäre - sie gingen auch diesmal ohne Dividende nach Hause - konkretere Strategien und Prognosen an. Die aber seien beim derzeitigen Drunter und Drüber der Weltwirtschaft nicht zu leisten, so der Vorstand.

Kiechl appellierte vehement an die Kapitalseite, für eine „schnellstmögliche Beruhigung” zu sorgen. Die Vorgänge um die Aktien hätten nicht nur bei den Banken, sondern auch bei Kunden für Nervosität gesorgt - dem guten Schumag-Ruf sei das abträglich gewesen.

Ob Kiechls Appell Früchte trägt, scheint nach der Versammlung am Dienstag aber fraglich. Offenbar werden hinter den Kulissen gerade neue Fäden gezogen. Von wem auch immer.
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