Aachener Handwerk kann der Krise trotzen

Von: Ulrich Kölsch
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Sinnvoll oder schädlich? Die Meinungen über die Abwrackprämie gehen weit auseinander. Das Handwerk sieht darin eine Wettbewerbsverzerrung, die dem Kfz-Gewerbe Foto: dpa

Aachen. Während aus der Industrie täglich neue Horrormeldungen kommen, sieht die Entwicklung im Handwerk ganz anders aus. Ein beruhigendes Bild zeichnete deshalb am Mittwoch der Präsident der Handwerkskammer Aachen, Dieter Philipp, bei der Frühjahrsvollversammlung.

Bundesweit rechnet das Handwerk zwar mit einem Umsatzrückgang um zwei Prozent, aber stabilen Verhältnissen bei Beschäftigung und Ausbildung. Dennoch spüren auch die Meister in der Region die Finanzkrise: Die Stimmung ist - wie die letzte Kammerumfrage vor einigen Wochen ergab - deutlich eingebrochen.

Nur noch 63 Prozent der rund 15.500 Unternehmen im Bezirk beurteilten im Frühjahr ihr Geschäftsergebnis als befriedigend oder gut. Ein halbes Jahr zuvor waren es noch 80 Prozent. Erfreulich sei die Beschäftigungssituation im regionalen Handwerk, stellte Philipp fest. Im Herbst und Winter vergrößerten 80 Prozent der befragten Betriebe ihre Belegschaften oder hielten sie konstant.

Den aktuellen Bedarf an Fachkräften und Lehrlingen im Kammerbezirk bezifferte er mit 600 bis 800 Stellen.

Entschieden sprach sich Philipp gegen ein vor allem von Gewerkschaftsseite gefordertes drittes Konjunkturprogramm aus. Die bisher schon eingeleiteten Maßnahmen sollten erst einmal ihre Wirkung entfalten. Nur wenn die Konjunktur dann immer noch nicht anspringen, könne man über weitere staatliche Investitionen nachdenken.

Der Berliner Koalition bescheinigte Philipp, mit dem Rettungsschirm für die Banken und den beiden Konjunkturprogrammen „richtig und entschlossen gehandelt zu haben”. Schließlich brauchten die kleinen und mittleren Unternehmen ausreichend Kredite, um erfolgreich wirtschaften zu können. Geholfen sei ihnen auch durch die Förderung der energetischen Gebäudesanierung, Bauaufträge des Staates und die höhere steuerliche Anrechenbarkeit von Handwerkerrechnungen.

An die Kommunen appellierte Philipp, fällige Sanierungsaufträge „zügig und gezielt” zu vergeben. Dabei sollten sie im Auge behalten, „dass mittelständische Unternehmen aus der Umgebung die Aufträge erhalten”.

Verärgert zeigte er sich über die schleppende Umsetzung des Konjunkturpakets II in Nordrhein-Westfalen. Bisher sei von den bereitgestellten 2,4 Milliarden Euro noch kein Cent an die Städte und Gemeinden ausgeschüttet worden, „weil offenbar noch nicht alle Spielregeln geklärt sind”.

Angesichts der Finanzkrise plädierte Philipp dafür, die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft wieder zu beachten und mit Leben zu erfüllen. Sie habe Wohlstand über Jahrzehnte ermöglicht und erweise sich als „ein Markenartikel, um den uns viele beneiden”.

Für die Zukunft sei es wichtig, eine „Balance zwischen Eigennutz und Gemeinsinn zu finden”. Nach dem Grundgesetz sei unternehmerische Freiheit immer gleichbedeutend mit gesellschaftlicher Verantwortung und genau dieser Leitlinie fühle sich das Handwerk seit jeher verpflichtet.

Zwar sei die Krisenbewältigung auf Pump notwendig, doch macht der Umfang des künftigen Schuldenbergs Philipp Sorgen. Steuergelder in Konzerne oder in Konzernableger zu stecken, die auf längere Sicht keine schwarzen Zahlen schreiben werden, sei nicht zu vertreten. Ein mulmiges Gefühl hat der Handwerkspräsident auch bei der Vergabe der Abwrackprämie.

Zwar sei die Nachfrage nach Kleinwagen explodiert. Aber gleichzeitig würden dem Markt bis zu eine Million Pkw entzogen, die in den Werkstätten bisher instandgesetzt wurden. „Das verzerrt den Wettbewerb im Kfz-Gewerbe, einer Branche des Handwerks, die eigentlich doch gestützt werden sollte”, kritisierte Philipp.

Das Handwerk der Region in Zahlen

Zum Stichtag 31.12.2008 sind bei der Handwerkskammer Aachen 15594 Handwerksbetriebe und handwerksähnliche Unternehmen eingetragen.

Das entspricht einem Rückgang um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2008 wurde 3041 Ausbildungsverträge neu registriert - 5,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Zum Jahreswechsel beschäftigte das Handwerk der Region rund 105000 Mitarbeiter.
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