Aachener Firma Module Works: Preis für Willkommenskultur

Von: Ines Kubat
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Vom Wirtschaftsministerium ausgezeichnet: Jens Beissel (l), Marketing-Manager Module Works mit Ben Ahmed.

Aachen. Was bedeutet eigentlich TÜV? Wie funktioniert Mülltrennung? Das sind Fragen, die man fast im Schlaf beantworten kann, wenn man in Deutschland aufgewachsen ist. Gleichzeitig können diese beiden Fragen Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland immigrieren, zunächst vor große Hürden stellen.

Das muss nicht sein, dachte sich die Firma Module Works und legte für ihre Mitarbeiter, die sie frisch aus dem Ausland nach Aachen geholt haben, ein internes „Wiki“ an: Es liefert Antworten auf viele Fragen rund um den Alltag und die Gebräuche in ihrer neuen Heimat. „Deutschland für Anfänger“, wenn man es so will.

Dieses Wiki ist allerdings nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen das mittelständische Unternehmen, das in Aachen ansässig ist, neue Mitarbeiter, die aus dem Ausland kommen, integriert. Für diese Maßnahmen wurde Module Works nun als einer von fünf Betrieben in ganz Deutschland vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ausgezeichnet.

„Mit Vielfalt zum Erfolg – Unternehmenspreis für mehr Willkommenskultur“ – unter diesem Titel wurde der Wettbewerb erstmals ausgerichtet. Im Kampf gegen den allseits befürchteten Fachkräftemangel lenkt er den Blick in Richtung Ausland: Die Ausschreibung richtet sich explizit an kleine und mittelständische Unternehmen, die mit gutem Beispiel vorangehen und ausländische Fachkräfte für sich gewinnen und ihnen bei der Integration in Deutschland assistieren.

Nur für den Job nach Deutschland

Die Wettbewerbsprämie in Höhe von 10 000 Euro ist zweckgebunden und fließt bei Module Works in laufende Projekte der Mitarbeiterintegration. Auf die Ausschreibung sei das Unternehmen zufällig gestoßen, sagt Jens Beissel, Marketing-Manager von Module Works. Aber es passe zu ihnen wie die sprichwörtliche „Faust aufs Auge“: Denn Module Works, das mittlerweile an drei Standorten weltweit vertreten ist, sei von Anfang an mit internationaler Ausrichtung gewachsen. Von den 67 Mitarbeitern, die derzeit in Aachen arbeiten, habe knapp die Hälfte einen Migrationshintergrund. Rund ein Viertel von ihnen sei nur für den Job zugewandert. Manche aus Europa, einige aber aus Ländern wie dem Iran, Indien oder China.

Das multikulturelle Klima sei zunächst vor allem ein Gewinn im Arbeitsalltag: „Menschen mit verschiedenen Bildungs- und Kulturhintergründen bereichern den Arbeitsprozess. Denn wir arbeiten in einer Nische. Da ist ‚freaky‘ Denken nötig“, sagt Beissel. Außerdem fände Kommunikation in dem IT-Unternehmen, das Softwarelösungen anbietet, branchen-typisch in Englisch statt. Sprachliche Hürden seien so – zumindest im Büro – kein Thema.

Doch auch Beissel erkennt Hindernisse in der Zuwanderung von Fachkräften: Diese Hindernisse seien meist behördlicher Art. Sie machten es vor allem denjenigen Mitarbeitern schwer, die aus Ländern außerhalb der EU kommen wollen. Manchen fehle es deshalb einfach an Mut, den Schritt ins Ausland zu wagen. Doch um geeignetes Personal zu locken und ihnen Willkommenskultur zu bieten, tut die Firma einiges.

Schritt eins ist die Rekrutierung: Sie unterstützen die künftigen Mitarbeiter vor der Migration bei allen notwendigen behördlichen Gängen, wie der Beschaffung des Visums. Schritt zwei, der weitaus größere Maßnahmenkatalog, setzt ein, wenn die neuen Mitarbeiter in Aachen angekommen sind. Auch hier werden sie bei allen notwendigen bürokratischen Prozessen begleitet. Eine Vertrauensperson steht den Deutschland-Neulingen zur Seite, und zur Not können sie eben auch im bereits erwähnten Wiki nachlesen, in welchen Mülleimer man seine Joghurt-Packung schmeißen muss.

Für die ersten Wochen in Deutschland hat die Firma außerdem zwei Wohnungen angemietet, die übergangsweise bezogen werden können, bis die Mitarbeiter, die ja manchmal auch mit ihrer ganzen Familie kommen, eine dauerhafte Bleibe gefunden haben. Sowohl die rekrutierten Angestellten als auch deren Partner können dann an Sprachkursen teilnehmen.

Aber Module Works setzt auch darauf, die Integration in der Freizeit fortzusetzen – dazu treiben die Mitarbeiter gemeinsam Sport, es werden Grillfeste organisiert oder auch Familienabende: „Denn die Ehepartner sollen im neuen Land auch nicht auf der Strecke bleiben“, sagt Beissel.

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