Aachener Firma AVE macht Tunnel sicherer

Von: Rolf Hohl
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Viel Technik für die größtmögliche Sicherheit im Tunnel: Philipp und Peter Böhnke (re.) von AVE Verkehrs- und Informationstechnik beim Werkstest. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Einfahrt in einen Autobahntunnel bringt manchmal ein mulmiges Gefühl mit sich. Nicht ohne Grund werden die Tunnel darum fast lückenlos überwacht, zu einem großen Teil auch mit Technologie aus Aachen.

Der Westerscheldetunnel ist mit 6,6 Kilometern der längste in den Niederlanden und wird derzeit gerade renoviert. Dabei wird dieser auch mit einem neuen Sicherheitssystem der Firma AVE Verkehrs- und Informationstechnik ausgestattet. Für das Aachener Unternehmen ist der Großauftrag im sechsstelligen Bereich nicht nur wirtschaftlich eine gute Nachricht, sondern ebenso eine Bestätigung seiner Unternehmensphilosophie.

Mehr Sicherheit, so eine verbreitete Annahme, gehe meist auf Kosten der Privatsphäre. Bei AVE sieht man das nicht so, und hat darum eine Sensortechnik entwickelt, die keinerlei Identitätsmerkmale von den Fahrzeugen oder deren Insassen erfasst. Dazu werden im Westerscheldetunnel etwa 60 Messstationen – sogenannte Induktionsstreifen – eingebaut, welche künftig den Verkehrsfluss überwachen und allfällige Unregelmäßigkeiten schneller erkennen, als es bisher möglich war.

„Es geht dabei nicht nur darum, Störfälle zu erkennen, sondern bereits dann zu reagieren, wenn sie im Begriff sind zu entstehen“, erklärt AVE-Geschäftsführer Peter Böhnke. Dazu erfasst das System im Abstand von etwa 600 Metern die Geschwindigkeit der Fahrzeuge, und wenn eines langsamer wird, schaltet es automatisch die Kameras für den betreffenden Streckenabschnitt ein. Sofort erkennt der Operateur in der Zentrale, was der Grund für den langsamer fließenden Verkehr ist und kann entsprechend reagieren.

Auch das System selbst leitet Maßnahmen ein: Es steuert die Belüftung, warnt andere Autofahrer und aktiviert die Brandbekämpfung. Im Ernstfall, so Böhnke, würden damit wertvolle Minuten gewonnen, die im Zweifel über Leben und Tod entscheiden können.

„MAVE-tun“, wie das System heißt, hat sich bereits an anderen Verkehrknotenpunkten in Europa bewährt. So ist etwa der 5,3 Kilometer lange Felbertauerntunnel in Österreich oder der Elbtunnel in Hamburg bereits damit ausgestattet worden.

Für Jan Verbrugge, Projekt-Manager des Westerscheldetunnels, war das ein wichtiges Kriterium. „Wir wollten ein innovatives System, aber es sollte auch eines sein, das sich schon bewährt hat“, sagt er. Dabei habe sich die Technologie der Aachener als weniger störungsanfällig erwiesen als noch das vorgehende Sicherheitssystem des Tunnels.

Der Westerscheldetunnel ist ein Unterwassertunnel mit zwei Betriebsröhren und mit täglich mehr als 20 000 Fahrzeugpassagen eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen in den Niederlanden. Er verbindet die Provinzen Zeeland, Vlaanderen und West-Brabant und soll auch trotz der Umbauarbeiten fast durchgehend geöffnet bleiben.

Wenn die Aufrüstung abgeschlossen ist, wird die Durchfahrt künftig nicht nur staufreier, sondern auch noch ein wenig sicherer werden.

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