Aachen - Aachener entwickeln neue Euro-Münze mit High-Tech-Kunststoff

Aachener entwickeln neue Euro-Münze mit High-Tech-Kunststoff

Von: Thorsten Karbach
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Ungewöhnlicher Forschungsauftrag: Andrij Pich vom Aachener DWI Leibniz-Institut für Interaktive Materialien hat in seinen Laboren den Spezialkunststoff für die neuen Münzen entwickelt.
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Die Fünf-Euro-Sammlermünze setzt neue Sicherheitsmaßstäbe.

Aachen. Dieser Ring soll ein Meilenstein in der Entwicklung neuer Münzen sein. Im Frühjahr 2016 wird in Deutschland die Fünf-Euro-Sammlermünze „Planet Erde“ erscheinen. Der Clou: Zwischen dem äußeren Ring und der eingeschlossenen Mitte (Pille genannt) liegt ein blau schimmernder, teilweise lichtdurchlässiger Polymer-Ring, also ein spezieller, hochmoderner Kunststoffring, der die Münze mit für das bloße Auge unsichtbaren Merkmalen nahezu fälschungssicher machen soll.

Entwickelt wurde dieser in einer Arbeitsgruppe, in der das Aachener DWI Leibnitz-Institut für Interaktive Materialien, das früher einmal Deutsches Wollforschungsinstitut hieß, maßgeblich mitwirkte.

Es gibt gute Gründe, neue Euro-Münzen zu entwickeln. Während neue Scheine Geldfälschern das Leben erschweren sollen (allein von Januar bis April wurden im laufenden Jahr schon 9300 „Blüten“ aus dem Verkehr gezogen), haben sich die Münzen im Euroraum lange nicht sonderlich verändert. Und so gab es zuletzt immer wieder Nachrichten über Fälscherbanden, die sich nicht mehr bloß auf Scheine konzentrieren: So wurden Ende 2014 in einem Lagerhaus in Poggiomarino bei Neapel mehr als 300.000 Falschmünzen im Wert von über 550.000 Euro beschlagnahmt.

Kaum Kontrolle

Solche Falschmünzen sind leicht in Umlauf zu bringen, können in Parkscheinautomaten geworfen werden und werden auch – anders als 50-Euro-Scheine und noch größere Noten – an der Ladentheke selten kontrolliert.

Überlegungen, fälschungssicherere Münzen zu prägen, gibt es schon lange. 2009 kam dann erstmals der Kontakt zum DWI Leibniz-Institut für Interaktive Materialien zustande. Die Kunststoffexperten hatten sich in der Fachwelt einen Namen gemacht – mit neuen funktionalen Polymeren für die Medizintechnik, sogenannten Kompositmaterialen (das sind Verbünde aus mehrere Materialien), funktionalen Textilien und vielem mehr. Aber gewiss nicht mit Münzen. „Ich fragte mich anfangs schon, wie wir beim Thema Münzen helfen sollen“, erzählt DWI-Wissenschaftler Prof. Andrij Pich.

Nach und nach wurde das deutlich. Ein spannendes Projekt wurde immer spannender für die Aachener. Es ging darum, in der Münzwelt einen völlig neuen Weg zu gehen. Gemeinsam mit Peter Huber, dem Münzleiter der Staatlichen Münzen Baden Württemberg (größte Münzeprägestätte Deutschlands), Günther Waadt, dem Leiter des Bayerischen Hauptmünzamtes, Vertretern der Deutschen Bundesbank, der Crane Payment Innovation CPI/European Vending Association und dem Unternehmen Saxonia wurde am Einsatz eines Kunststoffes in neuen Euromünzen gefeilt.

Farbe war nachrangig

Der blaue Schimmer stand anfangs noch nicht zur Debatte, die Farbe ist letztlich auch nachrangig, der Ring könnte auch rot oder gelb sein. Das Blau soll letztlich den Planet Erde symbolisieren und eine positive Assoziation wecken. Es ist viel mehr emotionale Komponente als relevantes Sicherheitsmerkmal. Und darum ging es viel mehr: mehr Sicherheit vor Fälschungen durch den Kunststoffeinsatz.

Die Liste der Anforderungen wurde nach und nach immer länger. Der Polymerring einer Münze muss über viele Jahre stabil und hitzebeständig sein, eine Münze wird durch Myriaden, also mehrere Milliarden Hände gereicht. Und es müssen sich besagte unsichtbare Sicherheitsmerkmale integrieren lassen. Welche das sind, darf natürlich nicht verraten werden. Aber sie sind vollkommen neu. Es gibt bis dato keine vergleichbare Münze auf der Welt. „Wir wollen den Fälschern das Leben schwer machen und sind ihnen mit diesen Münzen mehrere Jahre voraus“, sagt Pich. Noch dazu gehe die Forschung weiter, um den Vorsprung weiter zu erhöhen.

Numismatiker sprechen bereits von einer Weltsensation. Peter Huber nennt die Münze mit dem blauen Ring in der Zeitung „Die Welt“ „eine epochale Innovation“. Die Bundesregierung lässt nun die ersten „Fünfer“ in Berlin, Hamburg, Karlsruhe, München und Stuttgart prägen, im Februar soll sie auf der Messe World Money Fair in Berlin vorgestellt werden.

Die Sammlermünze ist letztlich auch so etwas wie ein großer Feldversuch, wann und wie die neue Münzkomposition bei Ein- und Zwei-Euro-Stücken eingesetzt werden kann – denn genau das ist letztlich das Ziel: fälschungssichere Ein- und Zwei-Euro-Münzen. Sammlermünzen sind für Fälscher weniger interessant. Fünf-Euro-Münzen könnten noch dazu die Fünf-Euro-Scheine ersetzen, aber dazu gibt es aktuell keine konkreteren Pläne.

Zum Vergleich: Die Fünf-Euro-Münze hat einen Durchmesser von 27,25 Millimetern, ist damit 1,5 Millimeter größer als eine Zwei-Euro-Münze und wiegt mit neun Gramm ein halbes Gramm mehr. Der Meilenstein fällt also in erster Linie mit seinen Sicherheitseigenschaften ins Gewicht.

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