Aachener Bausparkasse in Nöten

Von: Heinz-Roger Dohms
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Dunkle Wolken über dem traditionsreichen Firmensitz in der Theaterstraße: die Aachener Bausparkasse. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Aachener Bausparkasse gehört zu den alteingesessenen Unternehmen der Stadt. Gegründet 1926 als „Reichssparverband für Eigenheime e.V.“, nahm das Institut schon 1935 seine heutigen Namen an. Nach einem kriegsbedingten Umzug nach Gera kehrte die Bausparkasse 1945 in die Kaiserstadt zurück – wo sie bis heute mit zuletzt gut 260 Beschäftigten sitzt und im vergangenen Jahr ihren 90. Geburtstag feierte.

Allerdings dürfte inzwischen an der Theaterstraße 92-94 niemandem nach Feiern zumute sein. Denn laut Informationen unserer Zeitung steckt die Aachener Bausparkasse in einer Krise – und zwar einer Krise, die über die allgemeinen Probleme der Bausparbranche deutlich hinausgeht.

Der kürzlich im „Bundesanzeiger“ veröffentlichte Geschäftsbericht für 2015 beschreibt die Misere unverblümt: Von einer „unzureichenden Ertragslage“ ist dort die Rede. Und davon, dass „die laufenden Erträge die laufenden Aufwendungen nicht decken“. Auch „erhebliche Kosteneinsparungen“ hätten nicht ausgereicht, um die „Auswirkungen des Niedrigzinsumfelds zu kompensieren“.

Notfonds wurde aufgelöst

Dabei beendete die Aachener Bausparkasse das abgelaufene Geschäftsjahr, anders als 2015 (da fiel ein Minus von 3,7 Millionen Euro an), mit einer schwarzen Null. Dies lag den Recherchen zufolge allerdings an einem bilanziellen Kniff. So löste der Vorstand einen Notfonds, in dem noch 8,8 Millionen Euro lagen, vollständig auf und verbuchte das Geld als „sonstigen betrieblichen Ertrag“.

Der Notfonds war – wie bei anderen Bausparkassen – ursprünglich mal eingerichtet worden, um den Kunden jederzeit die Zuteilung ihrer Bausparverträge garantieren zu können. Nach einer Gesetzesänderung 2016 darf die Branche das Geld allerdings nutzen, um platt gesagt ihre Löcher zu stopfen. Im Aachener Fall machte das Management von dieser Möglichkeit allerdings so ausgiebig Gebrauch, dass der Topf jetzt leer ist. Wiederholen lässt sich der Bilanztrick also nicht.

Entsprechend düster fällt der Ausblick auf die kommenden Jahre aus. Ausweislich des Geschäftsberichts rechnet der Vorstand nicht nur in diesem, sondern auch in den nächsten Jahren mit operativen Verlusten. Die mittelfristige Planung lasse dabei sogar einen „Verzehr von Eigenkapital“ erwarten.

Mit anderen Worten: Die Krise geht endgültig an die Substanz. Besserung ist nicht in Sicht, solange die Zinsen niedrig bleiben. Denn solange Banken ihre Baufinanzierungen zu teils weniger als zwei Prozent anbieten, lohnt sich das „Modell Bausparkasse“ für Häuslebauer oder Wohnungskäufer kaum. Und aus Unternehmensperspektive noch schlimmer: Viele Bausparkassenkunden sitzen momentan ihre alten Guthabenverträge einfach aus. Hintergrund: Dort gibt es, anders als bei den Banken, immer noch ordentlich Zinsen.

Auch die Aachener Bausparkasse hat vor diesem Hintergrund zuletzt vielen Kunden Kündigungsschreiben zugeschickt. Verbraucherschützer wie Udo Philipp vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen kritisierten dieses Vorgehen scharf. „Die Bausparkassen müssen ihre Verträge erfüllen, auch wenn diese aufgrund gesunkener Zinsen unrentabel geworden sind.“

Kunden sollten Ruhe bewahren

Tatsächlich sollten Kunden Ruhe bewahren. In der deutschen Finanzbranche gibt es ausgefeilte Sicherungsmechanismen für den Fall, dass einzelne Banken, Versicherungen oder Bausparkassen in Not geraten. Hinzu kommt: So ernst sich die Lage der Aachener Bausparkasse darstellt – akut gefährdet ist das Institut nicht. Die Liquiditätslage sei stabil, heißt es im Geschäftsbericht. Zudem stellen sich die Eigner offenbar hinter das Unternehmen. So haben die Aktionäre ihre Anteile an der Bausparkassen im vergangenen Jahr in sogenanntes hartes Eigenkapital umgewandelt.

Man kann diese Maßnahme mit einem Fundament vergleich, dass nachträglich verstärkt wird, um das wacklige Haus zu stabilisieren. Der Vorstand war zu keinem Gespräch bereit. Per Mail hieß es: Der Vorstand war zu keinem Gespräch bereit. Schriftlich hieß es, es seien „umfangreiche Gegensteuerungsmaßnahmen zum Schutz des Bausparkollektivs eingeleitet“. Diese zeigten bereits Wirkung.

Bei besagten Anteilseigner übrigens handelt es sich um einige der größten deutschen Versicherungskonzerne – darunter die HUK Coburg, die ihre „HUK Coburg Bausparkasse AG“ 2012 mit der Aachener Bausparkasse verschmolz.

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