800 Stellen hinter dem Lenkrad bis 2030 unbesetzt

Von: Ines Kubat und Irena Güttel
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Tagelang auf der Autobahn, unterwegs durch aller Herren Länder: Der Beruf des Lkw-Fahrers ist nicht besonders beliebt. Bundesweit fehlt der qualifizierte Nachwuchs. Foto: stock/Jürgen Ritter

Aachen/Bremen. Zögernd umfasst Aissata Camara das Lenkrad. Sie startet den Wagen, gibt vorsichtig Gas. „Ich fahre“, ruft Camara begeistert. Allerdings nur in einem Simulator. Bis zu ihrer ersten richtigen Fahrstunde ist es noch ein langer Weg. Am Ende könnte ein neuer Job als Transporter- oder vielleicht sogar Lkw-Fahrerin stehen.

Freie Stellen gäbe es auf jeden Fall genug. Vielen Unternehmen in der Transportlogistik fehlt der Nachwuchs, das beweisen die Zahlen des Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Sie veranschaulichen, wie kritisch die Lage ist: In den nächsten zehn Jahren werden etwa 40 Prozent der Berufskraftfahrer in Rente gehen. Schon jetzt liegt der Bedarf bei jährlich 20 bis 30.000 Nachwuchskräften. Doch nur etwa 3000 junge Leute entscheiden sich für eine Ausbildung.

Der Trend macht sich auch in der Region Aachen deutlich bemerkbar, die wegen ihrer Nähe zu Belgien und Holland ein Hotspot für das Speditionsgewerbe ist, wie Monika Frohn von der IHK Aachen erklärt. 1200 Logistikunternehmen sind insgesamt im Kammerbezirk angesiedelt, und laut Fachkräftemonitor der IHK werden allein in der Region bis zum Jahr 2030 knapp 800 Fachkräfte fehlen – viele davon bei den Lastkraftwagenfahrern.

Bei der Aachener Spedition Hammer wird schon in den nächsten fünf Jahren knapp ein Drittel der Berufskraftfahrer in den Ruhestand gehen.

Die Aussichten, diese Lücke zu füllen, sind derzeit düster. Es mangele an Bewerbungen aber auch an der Qualität der Bewerber, sagt die Ausbildungsleiterin des Betriebes Yvonne Faber: „Der Beruf ist für junge Leute nicht mehr attraktiv“. Ähnlich geht es der Spedition Hamacher in Düren-Niederzier: „Wir haben enorme Probleme, geeignete Fahrer zu finden, während viele Mitarbeiter dem Rentenalter immer näher kommen“, berichtet Prokurist Jürgen Hagel.

Ändern will das ein Arbeitskreis, in dem die IHK Aachen und einige Speditionsunternehmen zusammen arbeiten: Ein Imagefilm wurde gedreht, Schulen besucht und auf Ausbildungsmessen geworben. Doch den jungen Leuten den Beruf der Brummifahrers schmackhaft zu machen, „das ist ganz hartes Brot“, sagt Faber.

Eine weitere Lösung könnten Migranten und Flüchtlinge sein, hofft die Ausbilderin: „In der Regel wollen sie arbeiten und zeigen viel Leistungsbereitschaft“. Wichtig sei deshalb, dass die Migranten so schnell wie möglich deutsch lernen, andernfalls sei die Ausbildung aufgrund der vielfältigen technischen Details schwer zu schaffen.

Dass die Sprache beispielsweise bei der theoretischen Führerscheinprüfung eine sehr große Hürde ist, bestätigt auch Camara. Zurzeit besucht sie eine Weiterbildung für Migranten in Bremen, die einen Pkw- und Gabelstaplerführerschein sowie einen Gefahrgutschein umfasst. Damit könnte sie als Kurierfahrerin arbeiten, Behinderte transportieren oder Essen ausliefern – und später noch einen Lkw-Führerschein dranhängen.

Rund 30.000 offene Stellen waren im Januar nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit für Fahrzeug- und Transportgeräteführer in Deutschland gemeldet. Migranten alleine werden diese Lücke nach Ansicht des BGL auf die Schnelle aber wohl nicht schließen können. Regional habe es schon verschiedene Weiterbildungen für Migranten in der Transportlogistik gegeben – mit mäßigem Erfolg, sagt Hauptgeschäftsführer Schmidt. „Die Sprache ist ein großes Hindernis.“ Die vielen Flüchtlinge, die in den vergangenen Monaten nach Deutschland gekommen sind, sieht er deshalb nur bedingt als potenziellen Nachwuchs.

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