Aldenhoven - „5G Mobility Lab“: Wenn Autos sich vernetzen

„5G Mobility Lab“: Wenn Autos sich vernetzen

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
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Durch Fahrzeuge hindurchsehen: 5G wird es möglich machen, in Echtzeit auf die Kameradaten vorausfahrender Autos zuzugreifen. Damit lassen sich Überholsituationen besser einschätzen. Die Technologie wird im Aldenhoven Testing Center bereits erprobt. Foto: Günther Król
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Ein vernetztes Fahrzeug bremst automatisch, wenn es eine Fußgängerwarnung bekommt.
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Eroeffnung 5 G Mobility Lab In Aldenhoven So sieht die Kreuzung der Zukunft aus ein Kreuzungsassistent regelt den Verkehr.

Aldenhoven. Es geht alles ganz schnell. Noch bevor der Fußgänger zu sehen ist, ertönt ein Warnsignal, das Auto bremst abrupt, bleibt stehen – und der Fußgänger kommt mit einem Schrecken davon. Was nach einer Zukunftsvision klingt, wird auf dem Gelände des Aldenhoven Testing Center (ATC) ab sofort unter Alltagsbedingungen getestet.

Dort wurde das „5G Mobility Lab“ am Mittwoch offiziell eröffnet. Mobilfunkanbieter, Automobilhersteller und Forscher wollen Technologien erproben, die den Verkehr sicherer, komfortabler und effizienter machen.

Dazu gehören aber nicht nur intelligente Bremssysteme. Indem Autos miteinander, mit Fußgängern und auch mit Ampeln kommunizieren, können sie durch vorausfahrende Lastwagen hindurchschauen, über Bergkuppen hinwegsehen oder sie warnen sich in Echtzeit gegenseitig vor Baustellen, Unwettern und Stauenden. „Laut Statistischem Bundesamt sterben hierzulande im Schnitt neun Menschen pro Tag im Straßenverkehr – das sind neun zu viel“, sagte Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland, bei der Eröffnung. „Gemeinsam legen wir hier den Grundstein für eine Welt mit weniger Unfällen und ohne Stau.“

Möglich machen soll all das eine neue Mobilfunkgeneration namens 5G. Die Technologie wird ab 2020 Schritt für Schritt das LTE-Netz und ältere Standards ablösen. 5G ist eine wichtige Voraussetzung für den Weg hin zum automatisierten Fahren, da so Daten in Geschwindigkeiten von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde weitergeleitet werden können und mit einer Latenzzeit von weniger als zehn Millisekunden annähernd die Reaktionszeit von Nervenzellen erreicht wird.

Für Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) steht fest: „Wir wollen die Zukunft der vernetzten Mobilität aus Nordrhein-Westfalen heraus gestalten. Wir müssen die Standortvorteile nutzen, die wir hier durch die Forschung und die Industrie haben.“ Er sprach sogar von der Vision eines Engineering Valley, zu dem die Region Aachen werden soll, in Anlehnung an das US-amerikanische Silicon Valley.

Lutz Eckstein, der als Direktor des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen maßgeblich an der Forschung im Bereich des automatisierten Fahrens mitwirkt und das Aldenhoven Testing Center mit aufgebaut hat, ist zuversichtlich, dass das vernetzte Fahren schon in naher Zukunft Realität wird. „Wir gehen davon aus, dass 5G Ende 2019 eingeführt wird. Hier auf dem Gelände des ATC haben wir nun die Möglichkeit, noch vor der weltweiten Standardisierung Störfälle zu simulieren und die Netzstabilität unter Alltagsbedingungen zu testen.“

In Bezug auf den Datenschutz glaubt Eckstein, dass die Entscheidung zukünftig in der Hand des Nutzers liegen kann, ob er elektronisch gesehen werden möchte oder nicht. „Ich stelle mir das ähnlich vor wie den Flugmodus am Handy, den man ein und aus stellen kann.“ Es müsse niemand den Namen oder die Adresse eines Fußgängers kennen. „Für das Auto ist nur wichtig zu wissen, dass gleich jemand auf die Straße läuft – mehr nicht.“

Mobilfunk ist für Eckstein nicht der einzige Kanal, der zu einer intelligente Vernetzung beitragen kann. „Mobilfunk ermöglicht eine Vorausschau, weil ein genaues Bewegungsprofil in Echtzeit erstellt werden kann“, erklärt er. „Um die Hoheit über die Verkehrsinfrastrukur bei Land und Bund zu belassen, könnten Ampeln dagegen über WLAN vernetzt werden.“ Eine Kombination hält er für das Optimum.

Erste Tests im Realverkehr

Doch neben einem schnellen flächendeckenden Glasfaserausbau gilt es noch andere Hürden zu nehmen, bei denen die Politik gefordert ist. „Heute ist es noch nicht zulässig das Mobilfunknetz eines anderen Anbieters zu nutzen“, erklärt Eric Kuisch, Geschäftsführer Technik bei Vodafone. „Das aber ist die Voraussetzung dafür, dass sich Autos und Menschen anbieterübergreifend vernetzen können.“ Außerdem müsste entlang von Straßen die Zahl der Sendemasten erhöht werden.

Doch obwohl 5G noch etwas auf sich warten lässt, soll es in Kürze bereits erste Tests der automatisierten Systeme im Realverkehr geben. In Düsseldorf wurde ein Gebiet innerhalb des öffentlichen Verkehrsraums freigegeben, in dem die in Aldenhoven für gut befunden Funktionen in realen Anwendungsfällen eingesetzt werden können. Die Versuchsfahrzeuge reagieren dann direkt auf Staumeldungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Ampelanlagen.

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