30. Aachener Stahlkolloquium: „Alles spricht für den Standort Deutschland“

Von: Thorsten Karbach
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Deutschland kann auf Stahl bauen: Prof. Dieter Senk lädt ab Donnerstag zum Aachener Stahlkolloquium.

Aachen. Innovationen für eine nachhaltige Stahlindustrie – die werden am Donnerstag und Freitag in Aachen von Fachleuten aus dem In- und Ausland diskutiert. Seit 1985 wird das Aachener Stahlkolloquium veranstaltet, diesmal vom RWTH-Lehrstuhl für Eisen- und Stahlmetallurgie.

Am 3. und 4. September jährt es sich zum 30. Mal und wird aus diesem Anlass mit starkem Bezug zur Werkstofftechnik und Umformtechnik an der RWTH Aachen ausgerichtet. Experten aus Hochschule und Industrie kommen zusammen, um sich mit Fragen der Erzverhüttung, Gießtechniken und Rohstoffe auseinanderzusetzen.

Das Thema Stahl wird dabei immer komplexer. Prof. Dieter Senk aus der RWTH-Metallurgie erklärt, vor welchen Herausforderungen die Stahlindustrie gerade steht.

Was ist die zentrale Herausforderung der Stahlindustrie?

Senk: In Deutschland ist es der Umgang mit der weiteren Entwicklung des Energiesektors und des Umweltschutzes. Welche Abgaben wird es geben, um die Erneuerbaren Energien zu subventionieren? Und die Frage ist an dieser Stelle auch: Wie wird die EU in Zukunft den CO2-Ausstoß regulieren, und welche Herausforderung birgt dies für die Stahlindustrie?

Welche Folgen sehen Sie?

Senk: Die deutsche Stahlindustrie wird sich in einer neuen Konkurrenzsituation in Europa befinden. Globale Konzerne werden sich überlegen, ob sie weiter in Deutschland produzieren wollen oder nicht doch besser in Frankreich oder Polen. Und auch die großen deutschen Stahlkonzerne bauen Werk in Amerika und anderswo.

Davon abgesehen ist Deutschland ein Stahlland?

Senk: Unbedingt! Wir haben den Maschinenbau, die Automobilindustrie, eine hervorragende Infrastruktur und die gute Ausbildung des Nachwuchses. Alles spricht für den Standort Deutschland.

Welche Impulse will das 30. Aachener Stahlkolloquium geben?

Senk: Wir ermöglichen den Dialog zwischen Studenten, Forschern und der Industrie. Aus der Industrie kommen Impulse zu den technischen Leistungen und aktuellen Produkten wie besonders kräftige Walzen oder Spezialstahl für Pipelines. Da gibt es große Fortschritte.

Das heißt, Stahl zählt längst nicht zum sprichwörtlich alten Eisen?

Senk: Absolut nicht – und das will ich gerne direkt begründen: Weltweit gibt es 2500 bis 3000 Stahlsorten, die ganz unterschiedlich nachgefragt werden. Die Rezepte von einem Drittel dieser Stahlsorte sind jünger als sechs Jahre. Neue Stahlsorten für die Automobilindustrie müssen hochfest, dünner und leichter bei gleicher Energieaufnahme sein. Für Brücken müssen Träger immer länger und noch fester sein. Wir wollen bezahlbare schnellere Züge und leichte, kräftige Fahrräder. Und wann immer es um Sicherheit geht, dann geht es auch um Stahl.

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