200 Kühe, 200 Rinder und ganz viel Land

Von: Christina Handschuhmacher
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Ausgestattet mit modernster Technik: Robert Knops muss seine Kühe nicht mehr selbst melken. Das erledigen vier Melkroboter. So bleibt Knops auch mehr Zeit für seine kleine Tochter Kate. Foto: Christina Handschuhmacher
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Auch Ackerbauer Paul Eugen Kügelgen verlässt sich bei der Arbeit im Feld voll auf die Technik. Foto: Christina Handschuhmacher

Nörvenich. Im Kuhstall von Robert Knops lässt sich gut beobachten, wie moderne Milchviehhaltung heute funktioniert. Es fängt damit an, dass der Begriff Kuhstall eigentlich schon gar nicht mehr richtig zutrifft. Zu sehr denkt man dabei an ein kleines, dunkles Gebäude.

Knops‘ Milchkühe leben jedoch in einer lichtdurchfluteten Halle auf 3500 Quadratmetern Fläche in Eschweiler über Feld in der Gemeinde Nörvenich. Der Neubau hat 2012 eine hohe Summe verschlungen. Eine Investition, die nötig war, um die Zukunftsfähigkeit des Betriebes zu sichern.

Denn die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ist stetig im Sinkflug. Vor allem die kleinen Betriebe geben auf. Die Preise für Milch, Fleisch und Ackererzeugnisse schwanken stark. Wer wirtschaftlich produzieren will, muss auf Masse setzen. Landwirte, die überleben wollen, vergrößern ihre Betriebe daher zwangsläufig – so wie Robert Knops oder der Ackerbauer Paul Eugen Kügelgen.

Mehr als verdoppelt

Diplom-Agraringenieur Knops hat die Zahl seiner Tiere in den vergangenen sieben Jahren mehr als verdoppelt. Derzeit leben 200 Kühe und 200 Rinder auf dem Hof, den der 31-Jährige mit seiner Frau, seinem Vater, seinem Schwiegervater und zwei Auszubildenden bewirtschaftet. Die Milchquote, die die Produktion eines Betriebs per Gesetz beschränkt hat, ist zum 1. April weggefallen. Das Ende der Quote hatten die Knops bei ihren Expansions-Plänen einkalkuliert.

In der luftigen Halle liegen die Kühe in mit Stroh gepolsterten Boxen. Plötzlich biegt etwas um die Ecke, das die Form eines Ufos hat. Die runde Maschine gleitet über den Boden, zieht millimetergenau an den Futtergittern der Kühe vorbei. Dort, wo das Gerät schon war, strömen die Kühe ans Fressgitter. Die Hightech-Maschine ist ein automatischer Futteranschieber.

Überhaupt funktioniert auf dem Knops‘schen Hof vieles automatisch: Vier Melkroboter übernehmen zu jeder Zeit das Melken der Kühe. Auch der Stall wird stündlich automatisch gereinigt. Die insgesamt zwölf Tonnen Futter, die die Tiere jeden Tag fressen, werden von einem Futtermischwagen zusammengemischt und verteilt.

Damit die Kühe ihre optimale Milchleistung erreichen – Knops‘ Kühe geben durchschnittlich 32 Liter Milch pro Tag –, müssen sie einmal pro Jahr kalben. An dieser Stelle kommen Transponder ins Spiel, die die Kühe um den Hals tragen. Sie zeichnen ein Bewegungsprofil auf, das in den Melkrobotern ausgelesen wird. Auf einem Bildschirm kann Knops sehen, wie viel sich jede Kuh täglich bewegt hat. Schlägt die Kurve deutlich nach oben aus, ist das ein klares Indiz dafür, dass sie „stierig“ ist.

„An ihren fruchtbaren Tagen laufen die Kühe viel und springen.“ Knops weiß dank des Transponders genau, dass er schnell den Besamer anrufen muss. Klappt es mit der Befruchtung nicht, muss Knops drei Wochen warten. So lange dauert der Zyklus einer Kuh. Eine nicht tragende Kuh ist für Knops in dieser Zeit quasi totes Kapital. Nichts anderes ist Landwirtschaft: Wirtschaft mit Vieh. Milchviehhaltung muss sich rechnen.

Trotz aller ökonomischen Zwänge, aller Effizienz und Wirtschaftlichkeit: Knops sieht seine Kühe nicht als überzüchtete Hochleistungstiere, die ausgebeutet werden. „Eine Kuh gibt nur viel Milch, wenn sie gesund ist und sich wohlfühlt“, sagt er. „Allein deshalb ist es in meinem eigenen Interesse, dass es den Tieren hier gut geht.“

Nur wenige Kilometer entfernt liegt der Hof von Paul Eugen Kügelgen. Die beiden Landwirte kennen und helfen sich. Knops liefert Kügelgen überschüssige Gülle, die der Ackerbauer zum Düngen seiner Felder brauchen kann. Im Gegenzug bekommt Knops dafür Mais als Futter für seine Tiere.

Kügelgen ist – so kann man das wohl ohne zu übertreiben sagen – Landwirt mit Herz und Seele. „Ich wollte nie etwas anderes machen“, sagt er. Als kleiner Junge erzählte er den Eltern nichts vom geplanten Schüleraustausch – schließlich fiel der genau in die Erntezeit, und die wollte er als Kind lieber auf dem elterlichen Hof verbringen als an irgendeiner Schule in Frankreich.

Auch Kügelgens Betrieb ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Kügelgen ist Ackerbauer – das heißt, er baut Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Raps und Mais an. Seine Felder und Ackerflächen liegen im weiteren Umkreis seines Hofs in Nörvenich-Rommelsheim. Wie viele Hektar Land Kügelgen genau bewirtschaftet, möchte er nicht preisgeben. Nur so viel: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die von ihm bewirtschaftete Fläche etwa verdreifacht.

Drei Monitore im Blick

An diesem Morgen ist Kügelgen mit seinen Maschinen und seinem Mitarbeiter auf einem Feld bei Jakobwüllesheim im Kreis Düren. „Das ist für mich das Größte“, sagt er, während er die schwere Maschine samt Düngerstreuer durch das Rapsfeld manövriert. Während der 42-Jährige sein Feld düngt, hat er drei Monitore im Blick. Über einen sogenannten N-Sensor auf dem Dach des Traktors wird permanent der Stickstoffgehalt der Pflanzen gemessen. So kann die Maschine erkennen, wie viel Dünger sie an welcher Stelle ausstreuen muss. „Das ist ressourcenschonend und gut für die Umwelt“, sagt Kügelgen. „Und natürlich spart man so auch Geld.“

Umsichtig mit Geld umzugehen, kann nicht schaden. Schließlich muss Kügelgen – wie alle Ackerbauern – mit stark schwankenden Preisen für Zuckerrüben, Mais und Getreide zurecht kommen. „Mit den jetzigen Preisen wären wir vor zehn Jahren zufrieden gewesen“, sagt Kügelgen. „Heute nicht mehr.“ Schließlich seien die Preise für Energie, Pflanzenschutzmittel und Dünger stark gestiegen.

Preisschwankungen hin, unorthodoxe Arbeitszeiten her – Kügelgen will keinen anderen Beruf machen. „Ich liebe es, in der Natur zu arbeiten und mein eigener Herr zu sein“, sagt er. Und wie wird es mit seinem Betrieb weitergehen? Noch stellt sich die Nachfolgerfrage nicht. Wenn sich sein kleiner Sohn Paul in 15 bis 20 Jahren dazu entscheiden sollte, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, würde es Kügelgen sehr freuen. Paul ist auf dem besten Weg dahin. Im Gegensatz zu seinen Schwestern spielt er nämlich nur mit Traktoren.

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