«Üble Hetze»: Scheidt verlässt die DIG
Von Matthias Hinrichs | 20.12.2011, 20:39
Vergleich mit dem «Stürmer»
«Ich habe davor gewarnt, Herrn Broder auszuzeichnen», sagte sie der AZ am Dienstag. Sie sei daher der Verleihung fern geblieben. «Aber nach dem, was ich über die Äußerungen von Herrn Broder - und auch von Festredner Ralph Giordano - bei der Veranstaltung gelesen habe, kann ich nur sagen: So etwas können wir hier in Aachen wirklich nicht gebrauchen.»
Leider habe der bekannte Journalist Broder sich in jüngerer Zeit vor allem durch «üble Hetze» gegenüber Israel-Kritikern hervorgetan - etwa, als er den Initiator der «Kölner Klagemauer» wegen dessen umstrittener satirischer Attacken auf die israelische Regierung mit dem berüchtigten NS-Parteiorgan «Der Stürmer» gleichgesetzt habe. In Aachen habe er zudem gegen das «alternative, friedensbewegte rote Pack» polemisiert, das Israel stets dämonisiere.
Überdies schrecke er auch vor massiven Beleidigungen und unqualifizierten Angriffen auf die Medien nicht zurück: «Völlig inakzeptabel» und «widerlich» sei die Reaktion Broders auf einen AZ-Bericht vom vergangenen Montag über die Preisverleihung; in seinem Internet-Blog hatte Broder dessen Urheber weit unterhalb der Gürtellinie attackiert. Prompt werde die Ehrung Broders inzwischen in einem einschlägigen Internet-Forum («politically incorrect») gefeiert, das sich durch heftige anonyme Ausfälle über vermeintlich «antisemitische» Tendenzen hervorgetan habe.
In einem Bericht über die Preisverleihung wird der Preisträger unter anderem voller Anerkennung mit Äußerungen zitiert wie «Toleranz ist meine Sache nicht!» Scheidt: «Herr Broder schürt Ressentiments und die Angst vor dem Islam. Es muss aber möglich sein, auch die israelische Politik zu kritisieren, etwa eine Regierung, die dem israelischen Volk schadet.» Und: «Wir haben hier in Aachen schon genug mit rechtsradikaler Hetze zu tun - dieses Geschreibsel eines Herrn Broder brauchen wir ebensowenig.» Es gehe ganz grundsätzlich darum, die konstruktive Auseinandersetzung zu suchen, statt radikalisierenden Polemiken Tür und Tor zu öffnen.
Im August hatte die Politikerin mit einer ganz ähnlichen Begründung ihren Sitz im Beirat des Vereins Aachener Friedenspreis geräumt - quasi unter umgekehrten Vorzeichen: Der Verein habe sich nicht hinreichend von besagten israelfeindlichen Attacken des «Klagemauer»-Initiators Walter Herrmann distanziert.
Der Aachener DIG-Vorsitzende Axel Holst nahm Scheidts Rückzug denn Dienstag «mit Bedauern und Enttäuschung» zur Kenntnis. «Aber wenn dem so ist, müssen wir es akzeptieren.» Er stehe nach wie vor zur Entscheidung, Broder den Ehrenpreis zuzuerkennen, «auch wenn ich persönlich manches anders formuliert hätte». OB Marcel Philipp, der bei der Verleihung ein Grußwort gesprochen hatte, sagte: «Ich verstehe, dass Frau Scheidt sich in diesem Minenfeld nicht länger bewegen will. Aber Herr Broder ist nun mal ein Mann, der gern zuspitzt. Als 'Hetze' habe ich seine Äußerungen in Aachen nicht empfunden.»
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