Wirtschaftsexperten beschreiben Alternativen für die Griechen

Von: afp
Letzte Aktualisierung:
10423283.jpg
Unter Druck: Bleibt der Euro die griechische Währung? Foto: stock/CTK Photo

Paris. Die Regierung ist bankrott, pleite, sitzt auf dem Trockenen. Trotzdem zahlt sie noch Löhne und Renten und ihre Rechnungen – nämlich, indem sie Schuldscheine ausgibt. Auf solche sogenannten IOU (I owe you: Ich schulde Ihnen) als Ersatz für harte Euro könnte auch die griechische Regierung zurückgreifen, etwa wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Notkredite einstellt und die griechische Regierung, die Banken und die Griechen keine Euro mehr haben.

So ein Schuldschein – auf Papier oder als elektronisches Dokument – ist das Versprechen eines Schuldners auf Zahlung. Der Staat könnte solche Scheine ausgeben, um die Löhne seiner Beamten und Angestellten zu begleichen, die Renten zu überweisen und Lieferungen zu zahlen: eine Art Staatsanleihe, aber ohne Zinsen.

So könnte die Regierung die Zeit überbrücken, die es dauert, bis sie wieder Euro zur Verfügung oder gar eine eigene Währung eingeführt hat. Der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Hans-Werner Sinn, etwa schlug am Montag nach dem Nein beim Referendum die Rückkehr zur Drachme vor. Sie solle als virtuelle Währung eingeführt werden und zwar parallel zum Euro, der weiterhin für Bargeschäfte der Bürger genutzt würde. Sinn rechnet mit einem „kräftigen Wirtschaftsaufschwung“, weil die virtuelle Drachme schnell abwerten würde.

So optimistisch ist Holger Schmieding von der Berenberg Bank nicht. In seinem Schuldschein-Szenario liefe es folgendermaßen: Die Regierung zahlt in der Parallelwährung IOU. Ein Rentner, der bislang 500 Euro im Monat bekommt, erhielte dann zwar auf dem Papier 500 IOU. Beim Einkaufen allerdings dürfte er für dieses Papier nur Waren im Gegenwert von 100 oder 150 Euro bekommen.

Geld nämlich basiere auf Vertrauen, betont Schmieding. Und in eine von der jetzigen Regierung ausgegebenen Parallelwährung hätten die Menschen seiner Meinung nach „überhaupt kein Vertrauen“. Schmieding verweist auf die Beispiele Venezuela oder Kuba, wo die heimische Währung immer weiter abwertet und stattdessen der US-Dollar Wünsche erfüllt. Wer keine Dollar habe, der müsse viel mehr für Importwaren zahlen. Die einfachen Leute zahlten hier für die Ideologie ihrer Regierung, so das vernichtende Urteil.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert