Vor Höcke-Rede sorgt Markus Mohr für Entsetzen

Von: Martin Fischer und Marco Rose
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Adrette Aufmachung, knallharte Parolen: Der Aachener AfD-Politiker Markus Mohr gibt in Dresden völkische Theorien zum Besten. Foto: Michael Jaspers
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Erinnert in Diktion und Auftreten an finsterste Zeiten: der AfD-Politiker Björn Höcke. Foto: imago/Jeske

Dresden/Aachen. Im altehrwürdigen Dresdener Ballhaus Watzke wird Björn Höcke genau den Nerv treffen. Die gut 500 Zuhörer sollen von dem Thüringer AfD-Rechtsaußen das hören, was ihnen die Junge Alternative in der Einladung versprochen hat: „Deftige Hiebe auf den politischen Gegner“ – und ein Bild von deutschem Stolz und deutscher Schuld, das vielen in der Republik den Kragen platzen lässt. Auch AfD-Chefin Frauke Petry.

Zuvor aber schlägt die Stunde von Markus Mohr. Sorgsam gescheitelt tritt der Aachener AfD-Ratsherr im dunklen Anzug mit feiner Krawatte und seidenem Einstecktuch vor die „lieben Patrioten“. Sozialpolitik, das wird in seinem „Impulsvortrag“ vor der Höcke-Rede deutlich, interpretiert der Rechtsaußen rein völkisch: Deutschland werde von Menschen bedroht, „die noch nie etwas für unser Land geleistet haben“.

Das Publikum tobt, grölt und skandiert danach mehrfach „Abschieben!“ und „Widerstand“. Kostenloses W-LAN für Flüchtlinge in Aachen? „Pfui!“, schallt es durch den Saal. Dermaßen angestachelt, hetzt Mohr weiter: Man werde die Altparteien nach der Bundestagswahl vor sich hertreiben. „Was Generationen mit Schweiß und Fleiß aufgebaut“ hätten, werde von einer „Horde wildgewordener Schmiergeldpolitiker“ bedroht. „Ruinöse Gesellschaftsexperimente“ werde die AfD rückgängig machen. Nach der Bundestagswahl werde es „ein politisches Beben geben, wie es Deutschland seit der Wiedervereinigung nicht mehr erlebt hat“.

Das sind gute Stichworte für Björn Höcke. Der Lokalmatador bedient die Erwartungen in der „Pegida“-Hochburg und spielt am Tag des in Karlsruhe gescheiterten NPD-Verbots mit Tabus und nationalistischen Klischees. Die Stimmung im Saal kocht, als der Geschichtslehrer den Deutschen den Gemütszustand eines „brutal besiegten Volkes“ attestiert, die Vergangenheitsbewältigung und mithin auch das Holocaust-Gedenken als lähmend und „dämlich“ bezeichnet und eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ fordert. „Wir brauchen eine Erinnerungskultur, die uns vor allen Dingen und zu allererst mit den großartigen Leistungen der Altvorderen in Berührung bringt“, fordert Höcke.

„Unser liebes Volk ist im Inneren tief gespalten und durch den Geburtenrückgang sowie die Masseneinwanderung erstmals in seiner Existenz tatsächlich elementar bedroht“, warnt Höcke, der soziale Frieden sei „durch den Import fremder Völkerschaften“ gefährdet. Schuld seien die „Apparatschiks“ der Altparteien, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die sich weder in „Habitus“ noch ihrer „floskelhaften Phraseologie“ von dem früheren DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker unterscheide.

Bewusste Provokationen

Das zieht auch, weil sich Höcke zu „Pegida“ bekennt, indem er Dresden als die Hauptstadt der „Mutbürger“ bezeichnet, die den Titel Hauptstadt deshalb viel mehr verdiene als Berlin. Immer wieder wird seine Rede durch frenetischen Beifall und Rufe wie „Wir sind das Volk“, „Ausmisten“ und „Höcke, Höcke“ unterbrochen.

Schon mehrfach hat Höcke Reden gehalten, in denen er mit historischen Anspielungen bewusst provozierte. Und auch die wohl gut kalkulierten Tabubrüche von Dresden führen zu den erwartbaren Reaktionen.

Die Linken werfen ihm „Nazi-Diktion“ vor und wollen Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstatten. SPD-Chef Sigmar Gabriel lief es beim Anhören der Rede nach eigenem Bekunden kalt den Rücken herunter, besonders weil sein Vater „bis zu seinem Tod ein unverbesserlicher Nazi war“. Nach Meinung des Zentralrats der Juden in Deutschland zeigt die AfD „mit diesen antisemitischen und in höchstem Maße menschenfeindlichen Worten ihr wahres Gesicht“.

Die Rede Höckes gibt einen Vorgeschmack auf den Bundestagswahlkampf der Rechtspopulisten und zeigt zugleich das Dilemma der AfD. Vor allem im Osten Deutschlands kann sie am rechten Rand punkten. Allerdings läuft sie damit zugleich auch Gefahr, das bürgerliche Lager zu verlieren, auf das sie in den alten Bundesländern angewiesen ist.

Parteichefin Frauke Petry sieht Höcke „mit seinen Alleingängen und ständigen Querschüssen“ so denn auch als „Belastung“. Die AfD müsse sich entscheiden, ob sie den Weg der Republikaner gehen wolle oder den anderer erfolgreicher Parteien wie der FPÖ, sagt sie der Wochenzeitung „Junge Freiheit“: „Wir werden Realisten sein oder politisch irrelevant werden.“

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