Plädoyer gegen Angst vor einer Flüchtlings-Schwemme

Von: Katja Laska
Letzte Aktualisierung:
9971630.jpg
Ruft zur Hilfe für Aufnahmeländer von Flüchtlingen auf: Martin Bröckelmann- Simon Foto: Misereor

Aachen. Weltweit befinden sich etwa 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Das sind mehr als je zuvor. Durch fehlende Perspektiven, Krieg und Vertreibungen werden sie gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Einige wagen den gefährlichen Weg übers Meer in Richtung Europa – viele aber auch nicht.

Genau dort setzt Martin Bröckelmann-Simon an. Bei seinem Vortag im Rahmenprogramm der Karlspreisverleihung richtete der Geschäftsführer des Hilfswerks Misereor Anfang dieser Woche seinen Blick auf die Herkunftsländer und Europa. Zur Bedrohung Europas durch Flüchtlinge sagte er in der Bischöfischen Akademie in Aachen: „Keiner muss Angst vor einer Schwemme haben. Das Ausmaß an Migration ist für Europa nicht beunruhigend.“

Zwar sei die weltweite Migration seit dem Jahr 2000 um 33 Prozent gestiegen, Europa und Deutschland betreffe dies aber nur geringfügig. Anders sehe es hingegen in Entwicklungsländern aus. „90 Prozent der Flüchtlinge bleiben in den Entwicklungsländern“, sagte Bröckelmann-Simon. Sie bilden einen Rettungsanker. Am meisten von Zuwanderung betroffen seien die Länder Pakistan und Iran.

Auch im Libanon sei die Lage dramatisch, denn das Land „ist nur halb so groß wie das Bundesland Hessen. Die Flüchtlinge machen dort 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung aus.“ Zum Vergleich: Lediglich 0,4 Prozent aller weltweit registrierten Flüchtlinge leben auf deutschem Boden.

Der enorme Zulauf stellt die armen Länder vor große Herausforderungen wie soziale und ökonomische Überlastung, Nahrungsknappheit oder wachsende Kriminalität. „Das Gleichgewicht innerhalb der Länder geht verloren“, sagte Bröckelmann-Simon. Ehrenamtliche Helfer und die einheimische Bevölkerung arbeiteten daran dieses wieder herzustellen. Zu wenig Unterstützung komme hingegen von Seiten Europas. Laut UN müssen in Folge der Syrienkrise zusätzliche 5,5 Milliarden US-Dollar aufgebracht werden, um die Nachbarländer zu unterstützen. 2014 seien mit einer ähnlichen Summe lediglich 53 Prozent des Versorgungsbedarfs gedeckt worden.

Bröckelmann-Simons Forderung: Europa muss seine entwicklungspolitische Aufgabe wahrnehmen. „Wir müssen die Aufnahmeländer stabilisieren, an der Traumabewältigung arbeiten und insbesondere Perspektiven für die Kinder schaffen, sonst haben wir eine verlorene Generation.“ Dabei richtete er sich nicht nur an die Politik, sondern möchte auch ein Umdenken in der Bevölkerung hierzulande erreichen. „Vor etwa 70 Jahren waren wir Deutschen diejenigen, die Zuflucht und Hilfe suchten“ und sollten die Unterstützung nun anderen Hilfesuchenden nicht verwehren.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert