Aachen - Optimismus mitten aus dem Herzen der Boko-Haram-Finsternis

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Optimismus mitten aus dem Herzen der Boko-Haram-Finsternis

Von: Amien Idries
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„Wir haben Gott dafür gedankt, dass der Muslim Buhari die Wahl gewonnen hat“: Bischof Oliver Dashe Doeme. Foto: Amien Idries

Aachen. Wer mit Oliver Dashe Doeme spricht und Horrorgeschichten aus dem Herzen der Boko-Haram-Finsternis erwartet, dürfte enttäuscht werden. Der 54-Jährige ist Bischof des Bistums Maiduguri im Nordosten von Nigeria.

Sein Bischofssitz liegt in der gleichnamigen Millionenstadt, die erst vor Kurzem wieder Ziel von Attacken der islamistischen Terrororganisation wurde und die bereits mehrere Einnahme-Versuche der Islamisten überstanden hat.

Trotz aller Sorge strahlt der Bischof bei seinem Besuch beim Aachener Missionswerk Missio jedoch in erster Linie Optimismus aus. Optimismus, der nur zum Teil auf sein bischöfliches Gottvertrauen zurückzuführen ist.

Wichtiger diesseitiger Aspekt seiner positiven Einschätzung ist die Wahl des neuen nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari. Der Muslim wurde vor wenigen Wochen in sein Amt eingeführt. „Wir haben Gott dafür gedankt, dass der Muslim Buhari die Wahl gewonnen hat“, sagt Doeme im Gespräch mit unserer Zeitung. Bei einem erneuten Sieg des Christen Goodluck Jonathan hätte vor allem der Norden Nigerias „gebrannt“.

So wie 2011, als Goodluck gewann und manche muslimische Politiker im Norden den Sieg des Christen für ihre Zwecke instrumentalisiert hätten, um religiösen Hass zu schüren. „Die sahen ihren Einfluss durch einen christlichen Präsidenten schwinden“, sagt Doeme.

Umso größer sei der Verdienst Jonathans einzuschätzen, der nach der jetzigen Wahlniederlage selbige sofort einräumte, was in Afrika durchaus unüblich ist. „Dies ist trotz aller Fehler, die er gemacht hat, Jonathans Vermächtnis“, sagt Doeme. Bei der Bevölkerung gebe es das erste Mal das Gefühl, durch Wahlen etwas verändern zu können.

Militäroffensive zeigt Wirkung

Der zweite Grund für Doemes Optimismus ist die Erkenntnis, dass die Islamisten-Gruppe durchaus von der nigerianischen Armee bezwungen werden kann. Sofern der politische Wille da ist. Etwa acht Wochen vor den Wahlen startete die Regierung – mit einem gewissen politischen Kalkül – eine Militäroffensive gegen die Terrororganisation, die erstaunlich erfolgreich war. „Boko Haram lebt noch, hat aber empfindliche Treffer hinnehmen müssen“, erklärt Doeme. So seien etwa Camps der Miliz zerstört worden. „Seitdem fragen sich die Menschen, wieso es so lange gedauert hat, bis die Politik aktiv geworden ist“, so Doeme.

Den Grund für das lange Stillhalten sieht der Bischof vor allem in der Unterstützung, die Boko Haram von manchen Militärs aber auch von örtlichen Politiker erhalten habe, die sich persönliche Vorteile versprochen hatten.

Dies wird sich laut Doeme nun ändern. „Boko Haram hatte zu Beginn durchaus Sympathien bei manchen Muslimen“, sagt der Bischof. Inzwischen sei die „Sekte“ aber zu einem „wilden Löwen“ geworden. „Sie bringen alle um, egal ob Christen oder Muslime“, sagt Doeme, was einen einigenden Effekt auf die Gemäßigten habe. „Die Brutalität vor allem des vergangenen Jahres schweißt Christen und Muslime zusammen“, sagt Doeme. In seinem Bistum leben knapp sechs Millionen Menschen, von denen 200.000 Katholiken sind. Das interreligiöse Verhältnis sei grundsätzlich eher nicht belastet, dennoch sei ein Versöhnungsprozess nötig. Er als Bischof halte guten Kontakt zu geistlichen Führern der Muslime pflege.

Auch der neue Präsident Buhari sende deutliche interreligiöse Signale. Der 72-Jährige habe sich klar positioniert und Boko Haram als Sekte bezeichnet, die nicht für den Islam stehe, sagt Doeme. Und auch militärisch reagiert der Ex-Militär, der bereits in den 80er Jahren nach einem Militärputsch zwei Jahre lang Präsident war. Die Entscheidung, das Hauptquartier der Armee aus der Hauptstadt Abuja nach Maiduguri zu verlegen, wird nicht nur von Doeme als ein wichtiges Zeichen gewertet.

Noch wichtiger ist in den Augen des Bischofs die Bekämpfung der allgemein grassierenden Korruption, die eine wichtige Ursache für die Perspektivlosigkeit der nigerianischen Jugend sei. Und somit auch ein Nährboden für radikale Ideologie.

Um sich selbst macht sich der Bischof nach eigenen Angaben am wenigsten Sorgen. „Ich habe als katholischer Bischof mein Todesurteil bereits unterschrieben“, sagt er relativ ungerührt. Er verlasse sein Haus nie ohne Soutane, so dass er weithin als kirchlicher Würdenträger zu erkennen ist. Sicherheitspersonal habe er keines. „Ich bin auf alles vorbereitet. Wenn Sie mich töten wollen. Let it be.“ Eine Haltung, die wohl in erster Linie auf bischöfliches Gottvertrauen zurückzuführen ist.

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