Missbrauch: „Thema, das wir niemals abschließen sollten“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Erwachsene aufklären, Kinder stärken: Prälat Klaus Krämer (links) und Professor Hans Zollner (rechts). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Wer einmal einem Opfer von sexuellem Missbrauch zugehört hat, kann nicht mehr wie bisher weitermachen“, ist Pater Hans Zollner SJ überzeugt. Das macht ihn zuversichtlich, dass der in der überwiegenden Mehrheit der Bischofskonferenzen eingeschlagene Weg in Sachen „Prävention von sexuellem Missbrauch“ nicht mehr umkehrbar ist.

„Es ist ein Thema, dass wir niemals abschließen können oder sollten. Denn das Böse steckt im Menschen und wird von uns niemals ganz kontrolliert werden können.“ Zollner war als Vertreter der päpstlichen Kommission zum Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch Gast der Aachener Hilfswerke Missio, Kindermissionswerk – Die Sternsinger und des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio e.V.

Zugleich gebe es noch blinde Flecken. „Die Bischofskonferenzen, die seit vier Jahren mit der Erstellung und Umsetzung der Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch überfällig sind, liegen alle im französischsprachigen Westen Afrikas“, wurde Zollner unerwartet konkret.

Aber auch in den vermeintlich aufgeklärten Industrienationen gebe es weiterhin Aufklärungsbedarf. „Lerneffekte des einen Landes übertragen sich nicht automatisch auf die Nachbarn.“ So wurden die USA bereits 2002 mit der Aufdeckung von zahlreichen Fällen des sexuellen Missbrauchs durch Priester und Kirchenangehörige konfrontiert, in Deutschland war dies erst acht Jahre später der Fall. Polen und Frankreich beschäftigen sich erst jetzt mit der Thematik, weil dort prominente Kirchenführer angeklagt sind.

Aber auch die Bewertung des Themas sei in den Ländern durchaus unterschiedlich. „In Afrika sehen die Bischöfe Kinder an Hunger und Seuchen sterben. Oder sie werden als Arbeitssklaven oder Kindersoldaten ausgebeutet ohne ausreichende Chance auf Bildung. Sexueller Missbrauch steht da nicht im Fokus der Probleme.“

Auch deshalb müsse Schutz vor sexuellem Missbrauch in einen allgemeinen Kinderschutz eingebettet sein und dürfe ohnedies nicht nur auf dem Papier stehen. „Selbst wenn Kinderschutz in den Verfassungen der Länder verankert ist, sieht die Lebenswirklichkeit von Kindern nicht nur in Afrika oft ganz anders aus“, sagte Zollner. „Sexuelle Ausbeutung von Frauen und Kindern kommt in deutschen Flüchtlingsheimen täglich vor.“

Umso wichtiger sei die Arbeit der Hilfswerke, die zum einen das Thema „sexueller Missbrauch“ und den richtigen Umgang damit in der Ausbildung von Multiplikatoren und in die Umsetzung von Projekten und Aktionen im In- und Ausland eingebaut hätten und zum anderen den Kinderschutz konkret als Projektziel verfolgten.

„Wir ermutigen unsere Partner ausdrücklich, uns Projekte vorzuschlagen, die Kinder stärken und Erwachsene aufklären“, bestätigte Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident von „Missio“ und des „Kindermissionswerkes“. Von 850 Projekten widmeten sich 110 konkret dem Thema Kinderschutz, die nicht nur Christen, sondern allen Kindern zugute kämen.

Etwas Lob gab es deshalb dann auch noch: „Die katholische Kirche ist im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Playern bei diesem Thema weit vorn. Viele Institutionen fragen bei uns nach. Es ist unsere Chance, staatlich und zivilgesellschaftlich etwas zu verändern“, meinte Zollner abschließend.

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