Aachen/Berlin - Martin Schulz im Angriffsmodus: Schlagabtausch im TV-Duell

Martin Schulz im Angriffsmodus: Schlagabtausch im TV-Duell

Von: Anja Clemens-Smicek
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Das einzige Aufeinandertreffen: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, im Schlagabtausch beim TV-Duell. Foto: MG RTL D/dpa

Aachen/Berlin. Beim einzigen TV-Duell vor der Bundestagswahl haben sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) am Sonntagabend einen heftigen, aber weitgehend sachlichen Schlagabtausch geliefert.

Einer der Schwerpunkte des live von ARD, ZDF, RTL und Sat1 übertragenen Duells war die Migrations- und Flüchtlingspolitik. Schulz wiederholte den bereits im Interview mit unserer Zeitung gemachten Vorwurf, die Kanzlerin habe es in der entscheidenden Nacht im September 2015 bei der Öffnung der Grenzen versäumt, die europäischen Nachbarn einzubeziehen. „Es gibt im Leben eines Regierungschefs Momente, da muss man einfach handeln“, entgegnete die Kanzlerin.

In vielen Punkten zeigten sich Merkel und Schulz inhaltlich nicht weit auseinander. Der SPD-Vorsitzende betonte, dass die Integration von einer Million Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt nicht in wenigen Jahren zu meistern sei. Auch die Kanzlerin sprach von erheblichen notwendigen Anstrengungen. Schulz forderte ein europäisches Flüchtlingsabkommen, das auch europäisch finanziert werden müsse. Die CDU-Vorsitzende versprach, sich für ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz einzusetzen.

Merkel: Keine Rente mit 70

Am EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen will Merkel trotz der schweren Krise zwischen Deutschland und der Türkei nicht rütteln. Beide halten indes einen EU-Beitritt der Türkei für ausgeschossen. Schulz will als Kanzler dem europäischen Rat vorschlagen, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen. Die Kanzlerin kündigte an, eine Verschärfung der Reisewarnung überprüfen zu wollen, ebenso wie die Einschränkungen wirtschaftlicher Kontakte. Allerdings warnte sie vor einem kompletten Abbruch der Gespräche mit der Türkei. „Wenn man Staatsbürger freikriegen will, muss man im Gespräch bleiben.“

Ihre Karte als außenpolitisches Schwergewicht spielte Merkel bei Fragen im Umgang mit Nordkorea und den USA aus. Schulz hingegen setzte Akzente beim Thema soziale Gerechtigkeit. Spannend wurde es beim Stichwort Rente: „Einfach falsch“ sei die Behauptung, dass die Union die Menschen in Deutschland bis 70 arbeiten lassen wolle, konterte Merkel einen entsprechenden Vorwurf ihres Herausforderers. Schulz rang der Kanzlerin das Versprechen ab, dass niemand bis 70 in Deutschland arbeiten müsse. „Frau Merkel hat sich jetzt festgelegt, toll“, sagte er und erinnerte an die beschlossene Pkw-Maut, die Merkel im letzten TV-Duell vor vier Jahren noch kategorisch ausgeschlossen hatte.

Schulz warb in seinem Schlusswort für Mut zum Aufbruch in Zeiten des Umbruchs. „Mut zum Aufbruch heißt, die Zukunft zu gestalten und nicht die Vergangenheit zu verwalten.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte sich nach einer Schnellumfrage des ZDF bei dem Duell mit 33 Prozent Zustimmung durch.

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