Paris - Kommentiert: Gut für Frankreich

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Kommentiert: Gut für Frankreich

Ein Kommentar von Birgit Holzer

Anders als von Sarkozy geplant, kehrt die bürgerliche Rechte nun zurück. Birgit Holzer sieht darin ein gutes Zeichen für Frankreich.

Das überraschende Vorwahl-Ergebnis bei Frankreichs Konservativen markiert die Rückkehr einer klassischen Bürgerlich-Rechten, die sich zu katholisch-konservativen Werten bekennt, aber klar von der extremen Rechten absetzt. Dass François Fillon als Favorit vor Alain Juppé in die Stichwahl geht, erstaunt in einem Land, wo „liberal“ als Schimpfwort gilt, denn im Programm dieses Fans von Margaret Thatcher finden sich harte Reformvorschläge. Doch als Hauptargument der französischen Wähler für einen Kandidaten erscheint dessen Auftreten als autoritäre Führungsperson. Den erfahrenen, aber allzu trockenen Juppé überholte Fillon nicht zuletzt dank seines dynamischeren Auftretens.

Bereits jetzt hat die Kandidatenkür gezeigt, dass die Mehrheit keinen Populisten à la Donald Trump nominieren will. Nicolas Sarkozys Kalkül war stets, wie Trump innerhalb einer bürgerlichen Volkspartei extreme Positionen zu vertreten und damit den Front National (FN) abzudrängen. Doch schon bei der Wahl 2012 ging es nicht auf, da FN-Chefin Marine Le Pen stärker denn je abschnitt. Sarkozy machte ausländer- und muslimfeindliche Sprüche salonfähig, verlor aber die bürgerliche Mitte. Diese holt sich nun die Zügel der Partei zurück. Denn mehr als echten Enthusiasmus für die Technokraten Fillon und Juppé signalisiert das Votum die heftige Ablehnung Sarkozy. Sein Abtritt ist eine gute Nachricht für Frankreich.

Für den Front National trifft das weniger zu. Bisher äußerte sich Marine Le Pen bei Themen wie Terrorbekämpfung und Einwanderung vergleichsweise gemäßigt – wissend, dass die Wähler das Original (Le Pen) der Kopie (Sarkozy) vorziehen. Zwar könnten einige enttäuschte Sarkozy-Anhänger künftig Zuflucht bei Le Pen suchen. Doch dafür muss sie aus ihrer Reserve kommen – was ihr moderates Image ankratzt. Zugleich droht ihr in Fillon ein Gegner, der ihre Sympathie für Putin teilt und ebenfalls nicht die städtische Elite anspricht, sondern die wertkonservativ geprägte Provinz.

Auch die Sozialisten hätten im polarisierenden Sarkozy einen einfacheren Gegner gehabt. Mit seinem ruhig-souveränen Auftreten bietet Fillon wenig Angriffsfläche. Allerdings ermöglichen seine radikalen Reformvorschläge der Linken, soziale Akzente zu setzen. Ob der verhasste François Hollande damit noch aufholen kann, erscheint zwar fraglich. Doch wer setzte noch vor ein paar Wochen auf den Außenseiter Fillon?

Auch Politik-Quereinsteiger Emmanuel Macron fühlt sich durch den Überraschungs-Coup motiviert, der freilich kein Signal der Erneuerung ist. Denn während Fillon und Juppé für die etablierten Machtzirkel stehen, wurde die jüngere Politiker-Generation gnadenlos ausgebremst. Doch das war der Wille der Wähler – und sie haben damit alle Meinungsforscher und Prognostiker in die Schranken verwiesen.

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