Düsseldorf - Köln, Freiburg, Bochum: Sind Zuwanderer besonders kriminell?

Köln, Freiburg, Bochum: Sind Zuwanderer besonders kriminell?

Von: Frank Christiansen, dpa
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Köln Hauptbahnhof
Laut BKA-Statistik ist die Zahl der Straftaten von Zuwanderern insgesamt sogar deutlich rückläufig. Foto: dpa

Düsseldorf . Erst die Kölner Silvesternacht, jetzt die Sexualverbrechen in Freiburg und Bochum. Treiben Zuwanderer die Zahl der Straftaten in die Höhe? „Blanker Populismus“, sagen Experten wie Udo Küch vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Es gebe aber durchaus Probleme mit einzelnen Zuwanderergruppen, die jahrelang unter den Teppich gekehrt worden seien.

Wie hat sich die Kriminalität in Deutschland entwickelt?

Die schwere Gewaltkriminalität sinkt in Deutschland laut Kriminalstatistik seit Jahren deutlich. Die Zahl der Straftaten insgesamt war zuletzt stabil, wenn man die ausländerrechtlichen Verstöße durch die illegale Einreise ausnimmt. Zugenommen haben Delikte wie Einbrüche und Diebstähle. Dahinter steckten zum Teil professionelle Banden aus Südosteuropa, sagt Christian Walburg vom Kriminalwissenschaftlichen Institut der Uni Münster.

Wer sind die Täter bei Gewaltverbrechen gegen Frauen?

Bei Sexualmorden sind „90 bis 95 Prozent der Tatverdächtigen Deutsche“, sagt Walburg. „Bei insgesamt elf Verdächtigen wegen Sexualmorden im vergangenen Jahr gab es einen nicht-deutschen Tatverdächtigen. Der Fall jetzt in Freiburg ist also eine Ausnahme.“

Die Mehrheit der Verdächtigen der Kölner Silvesternacht waren allerdings aus Nordafrika. Dort sei das Phänomen der massenhaften Übergriffe auf Frauen unter dem Begriff „Taharrush Gamea“ seit etwa zehn Jahren aus Ägypten bekannt, berichtet das Polizeimagazin „Die Streife“ . Gruppendynamik, Alkohol, Frust und Perspektivlosigkeit dürften zu den Gewaltexzessen dieser Gruppe beigetragen haben, sagen die Kriminologen Walburg und Christian Pfeiffer.

Gibt es Zusammenhänge zwischen Flüchtlingskrise und Kriminalität?

Die Polizei Braunschweig hat für ihren Bezirk errechnet, dass nur ganz wenige Straftaten von Flüchtlingen begangen werden. Das Bundeskriminalamt hat dies in einer Auswertung für das erste Quartal 2016 bestätigt. Zuwanderer sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums nicht krimineller als Deutsche. Bei syrischen, irakischen und afghanischen Asylsuchenden liege die Kriminalität sogar unter dem Durchschnitt.

Gibt es mehr Verbrechen von Zuwanderern oder werden sie nur mehr beachtet?

Laut BKA-Statistik ist die Zahl der Straftaten von Zuwanderern insgesamt sogar deutlich rückläufig. Unter den Zuwanderern gibt es aber große Unterschiede. „Es gibt - schon seit Jahren - Probleme mit bestimmten Zuwanderergruppen aus Nordafrika und dem Kosovo. Die Politik tut jetzt überrascht, aber da lügt sie“ , sagt Ulf Küch vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.

„Diese Gruppen sind nicht abschiebbar, weil die Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Das fällt jetzt anderen - wie den Flüchtlingen - auf die Füße“, kritisiert Küch. Das BKA hält in einem Bericht fest: Von den seit Januar 2015 erfassten Zuwanderern seien Marokkaner, Algerier und Tunesier - aber auch Georgier und Serben - bundesweit überproportional häufig unter den Tatverdächtigen.

Was hat sich seit der Silvesternacht in Köln verändert?

Nicht viel, sagt Küch. „Die EDV-Systeme der Polizei in den Bundesländern sind nach wie vor nicht bundeseinheitlich. Wir können immer noch nicht auf Vorgänge aus Bayern zugreifen“, kritisiert Küch, der in Niedersachsen Polizist ist. Das mache es schwierig, überregionale Serien reisender Täter zu erkennen. Gleiches gelte für die Abschiebung von Intensivtätern der Problemgruppen in ihre Herkunftsländer: „Die Staaten nehmen uns diese Leute nicht ab.“

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