Friedenspreis geht an zwei politische Aktionsgruppen

Von: Naima Wolfsperger
Letzte Aktualisierung:
15248191.jpg
Für den Frieden: Clara Tempel und David Haase von Junepa und Susanna Stampanoni, Jacqueline Andres und Giuseppe Firrincieli von No Muos nehmen für ihre Gruppen den Aachener Friedenspreis entgegen. Foto: nai

Aachen. Ziviler Ungehorsam gilt als der bürgerliche Aufstand gegen Ungerechtigkeit – auch, wenn das bedeutet sich gegen staatliche Entscheidungen und Aktivitäten zu wenden.

Und „weil Friedensaktivisten überaltern, müssen wir die Jugend in ihrer Aktionsbereitschaft für den Frieden und in ihrer politischen Motivation fördern“, sagt Lea Heuser vom Aachener Friedenspreis e.V.. Der Verein übergibt den Preis am Freitag Abend in der Aula Carolina an das Jugendnetzwerk für politische Aktionen (Junepa) und an die sizilianische Formation No Muos.

Damit wurden zwei Gruppen ausgezeichnet, die in demokratischen Staaten, in Deutschland und in Italien, Gesetze übertreten und auf Sizilien sogar Aktionen durchführen, die inzwischen als ein Akt des Terrorismus gelten können. Vielleicht ist es gerade vor diesem Hintergrund der Terrorgesetzgebung und auch vor jenem der Ausschreitungen in Hamburg wichtig, dass der zivile Ungehorsam im Fokus des Aachener Friedenspreises steht. Denn Anschläge und Randale färben den Blick auf den Aktivismus als Prinzip der Demokratie.

„Muos“ steht für Mobile User Objective Systems. Eine Radar- und Sendeanlage dieses Satellitenkommunikationssystems steht auf dem US-Militärstützpunkt nahe der Stadt Niscemi auf Sizilien. Neben der Schließung dieser Anlage fordern die Aktivisten Frieden und Völkerverständigung und kritisieren die Migrationspolitik der EU.

Die üblichen Aktionen von No Muos an den 15 US-Militärbasen auf Sizilien wollen die Aktivisten jetzt aber einschränken. „Nach den terroristischen Anschlägen in Frankreich wurden in Italien die Gesetze verschärft“, sagt Giuseppe Firrincieli. Wer den Zaun einer Militärbasis durchschneidet und unerlaubt das Gelände betritt, der gelte nun als Terrorist. „Ungeachtet der Intention.“ Somit auch diejenigen, die auf dem Gelände gegen Gewalt und für Entmilitarisierung demonstrieren wollen.

Gesetze übertreten

Über den Friedenspreis freue er sich besonders, sagt Firrincieli, weil damit nicht nur die Arbeit der parteilosen Aktionsgruppe gelobt wird, sondern auch ihre Bekanntheit steigt.

„Wir sind bereit einiges zu riskieren, für eine bessere, gerechtere Welt“, sagt Clara Tempel. Sie ist Mitbegründerin des deutschen Jugendnetzwerks für politische Aktionen (Junepa). „Wir bleiben dabei immer friedlich“, betont Tempel. Trotzdem übertreten die Aktivisten Gesetze.

In der Regel handele sich das um Hausfriedensbruch, sagt Tempel. „Das ist für uns die Bedeutung des zivilen Ungehorsams, den wir uns zum Motto gemacht haben. Es geht darum, einzuschreiten, wo man mit legalen Mitteln nicht weitergekommen ist, wo die Stimmen der Bürger von der Politik über die regulären Kanäle nicht ernst genommen werden.“

Junepa wurde 2013 gegründet und organisiert seit dem Protestaktionen. In diesem Jahr haben sie unter anderem am 15. Mai die beiden Rheinmetall-Fabriken in Unterlüß und Südheide und den Atomwaffenstützpunkt Büchel blockiert und sich an der Demonstration und Blockade des Braunkohlekraftwerks Neurath am 27. August beteiligt. „Dass wir für unsere Arbeit jetzt mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet werden, freut uns sehr“, sagt Tempel. Nicht jeden Preis hätten sie so ohne weiteres angenommen – um sich nicht in Abhängigkeiten von Parteien zu begeben.

„Beide Gruppen eint, dass sie nicht in den traditionellen Strukturen agieren, sie sind weder ein Verein noch parteizugehörig“, sagt Heuser. Ihre heterogene Struktur und die Risiken, die sie eingehen, haben sie für den Preis qualifiziert. Der Aachener Friedenspreis wird seit 1988 verliehen.

Der Tag der Preisverleihung ist traditionell der 1. September, das Datum ist mit Bedacht gewählt. Es ist der Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 und wird Weltfriedens- oder internationaler Antikriegstag genannt.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert