Dietmar Nietan: Der Mann hinter dem Kanzlerkandidaten

Von: Joachim Zinsen
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Düren/Berlin. Seit feststeht, dass Martin Schulz für die SPD als Kanzlerkandidat antritt, ist ein Ruck durch die sozialdemokratische Partei gegangen. Alle Selbstzweifel scheinen plötzlich verflogen zu sein. Auch im Kreis Düren.

„Eine derartige Euphorie habe ich in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr erlebt“, betont Dietmar Nietan, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Düren. „Selbst Parteifreunde, die zuletzt nur noch Karteileichen waren, haben sich bei uns gemeldet und angekündigt, wieder aktiv Wahlkampf machen zu wollen.“

Wie viele Menschen in die örtliche SPD neu eingetreten sind, darüber gibt es im Dürener Fritz-Erler-Haus noch keinen Überblick. Aber bundesweit haben laut Nietan in den ersten sieben Tagen nach Ankündigung der Schulz-Kandidatur allein online mehr als 2000 Menschen ein Parteibuch beantragt. Gewöhnlich sind es in solch einem Zeitraum allenfalls 200.

Dafür zu sorgen, dass der neue Schwung auch möglichst viele Wähler beeindruckt, wird in den kommenden Wochen und Monaten eine Hauptaufgabe von Nietan sein. Dem 52-Jährigen fällt eine zentrale Rolle in der Kampagne von Schulz zu. Und das nicht allein, weil er als SPD-Bundesschatzmeister Teil der engsten Parteiführung ist.

Nein, Nietan gehört zusammen mit Generalsekretärin Katarina Barley, Bundesgeschäftsführerin Juliane Seifert und Markus Engels, dem langjährigen Verbindungsmann von Schulz nach Berlin, zu einer Viererrunde, die gemeinsam mit dem neuen SPD-Hoffnungsträger den Wahlkampf nicht nur organisatorisch plant. Der Kreis soll der SPD-Kampagne auch eine Dramaturgie geben, und die Strategie für Schulz‘ politischen 10 000-Meter-Lauf erarbeiten.

„Wir werden zunächst sein Profil als Mann, der sich um die Alltagssorgen der Menschen kümmert, weiter schärfen“, erklärt Nietan. Im Laufe des Wahlkampfes werde dann nach und nach deutlich gemacht, für welche konkreten Projekte Schulz steht.

Ausdrücklich lobt Nietan den Arbeitsstil seines künftigen Parteivorsitzenden. „Schulz setzt auf Teamwork“, sagt er und deutet an, dass dies unter dem zu Alleingängen neigenden Sigmar Gabriel häufig nicht der Fall war.

Engste Vertraute

Der Dürener ist in der SPD-Spitze der vielleicht engste Vertraute von Schulz. Beiden wird nachgesagt, dass sie genau wissen, wie der jeweils andere tickt. Das kommt nicht von ungefähr. Schulz und Nietan kennen sich seit mehr als 20 Jahren. Verbunden fühlen sich der Würselener und der Dürener alleine schon wegen der Nähe ihrer Heimatorte. Beide teilen aber auch die gleiche politische Leidenschaft für Europa.

Zudem war Schulz immer ein Förderer des neun Jahre jüngeren Parteifreundes – gerade auch in Zeiten, in denen es für Nietan nicht so gut lief. Als der Dürener 2005 mit seiner Direktkandidatur scheiterte und vier Jahre lang keinen Sitz im Bundestag hatte, machte ihn Schulz zu seinem außenpolitischen Berater und zum Koordinator zwischen der SPD-Bundestagsfraktion und der sozialdemokratischen Abgeordnetengruppe im Europaparlament.

Nun gehört Nietan, den Schulz wegen seines Vorsitzes in der Deutsch-Polnischen Gesellschaft gerne scherzhaft mit „Nietansky“ anspricht, zur Parteilinken der SPD. Schulz hingegen ist keinem Flügel zuzuordnen. Könnte das ein Problem bei der Wahlkampfplanung werden?

„Nein“, sagt Nietan, zögert und sagt dann lachend: „Aber es steht etwas anderes zwischen uns. Martin Schulz und Katarina Barley sind Fans des 1. FC Köln. Ich bin Anhänger von Borussia Mönchengladbach. Das sorgt natürlich für Konflikte.“ Die SPD hatte allerdings schon einmal deutlich heftigere Probleme.

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