Die Schattenseiten des Klimaschutzes

Von: Naima Wolfsperger
Letzte Aktualisierung:
Kohlekraftwerk und Windräder
Klimaschutz, Menschenrechte und eine erfolgreiche Wirtschaft: Alles zusammenzubringen ist gerade in Schwellenländern enorm schwierig. Foto: Julian Stratenschulte/Symbol

Aachen/Bonn. Klimaschutz und der Mensch haben eine gewisse natürliche Verbindung. Damit das Leben der Menschen auf der Erde erträglich bleibt, muss man die menschengemachte Verschmutzung herunterschrauben. Klimaschutz und Menschenrechte hingegen, finden nicht so natürlich zusammen.

Politisch initiierte Projekte können den Menschen vor Ort sogar schaden. „Das ist einer der Gründe, warum sich viele Entwicklungshilfeorganisationen den Klimaschutz mit auf die Agenda gesetzt haben“, sagt Anika Schroeder, Referentin für Klimawandel bei Misereor. Auch das bischöfliche Hilfswerk aus Aachen ist auf der Weltklimakonferenz (COP) in Bonn vertreten. „Wir verfolgen die Verhandlungen und schaffen an verschiedenen Stellen unsere Themen auf die Agenda.“

Und die Themen sind vielfältig. Für die Planung von Entwicklungshilfeorganisationen spielen die langfristigen Gegebenheiten vor Ort eine große Rolle. „Wir müssen kein Wasserkraftwerk unterhalb eines Gletschers anlegen, wenn das Eis in absehbarer Zeit geschmolzen sein wird“, sagt Schroeder. Und: „Es gibt oft auch Menschen, die unter Klimaschutz leiden.“

Ajay Jha und Soumya Dutta vom indischen Organisationsverbund Cecoedecon/Pairvi, der sich für Bürgerrechte und erneuerbare Energien einsetzt, bestätigen das. Indien gilt als einer der Vorreiter im Bereich erneuerbarer Energie. „Aber die Windräder brauchen feste Betonplattformen, das verändert die Bodenbeschaffung dermaßen, dass sich in den Wüstengebieten von Rajasthan noch weniger Grundwasser ansammeln kann“, sagt Jha. „Die Windräder und Solaranlagen in der Wüstenregion verändern die Gegend so sehr, dass die Tiere abwandern und den Menschen die Nahrungsgrundlage fehlt. Auch Touristen finden die Wüste mit den Anlagen nicht mehr attraktiv“, sagt Dutta. „Wir müssen darauf achten, den Menschen nicht ihre Überlebensgrundlagen zu entziehen.“

Auf Klimaschutz kann man nicht verzichten. Auf Menschenrechte aber auch nicht. Man versuche also auf der COP die Menschenrechte und den Gedanken der Entwicklungshilfe in die Planungen rund um den internationalen Klimaschutz mit einzubringen, sagt Schroeder. „Die Menschen werden bei den Verhandlungen oft nicht mitgedacht. Dabei sind sie direkt von den Auswirkungen des Klimawandels und des Klimaschutzes betroffen.“ Sie argumentiert, dass die bevölkerungsreichen Küsten von Entwicklungsländern bereits jetzt stark unter der Erderwärmung leiden. Und wer für die Folgen von Klimakatastrophen bezahlen soll, steht durchaus zur Debatte, denn es gibt Argumente die dafür sprechen, dass die Profiteure die Kosten übernehmen. Schließlich steht ihr Erfolg in direktem Zusammenhang mit der rapiden Erderwärmung.

„Dass Staaten irgendwann zur Kasse gebeten werden könnten, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Misereor-Referentin Schroeder. Dennoch bieten Länder wie Deutschland oft finanzielle Unterstützungen, wenn es um den Ausbau erneuerbarer Energiequellen geht – oder zur Begrenzung von Folgeschäden der Klimaerwärmung.

Ein Menschenrechtsthema wird auch in den kommenden Tagen verhandelt: Gleichberechtigung. Im Mai hat eine von der COP 22 beauftragte Arbeitsgruppe im Rahmen des Lima-Arbeitsprogramms ein Papier zu den Rechten der Frau im Bereich Klimaschutz aber eben auch auf der COP selbst verfasst. Die Forderungen des sogenannten Gender-Action-Plans (Gender-Aktionsplan) sind breitgefächert. Frauen sollen besser gehört werden auf den internationalen Konferenzen, denn, so sagt es Schroeder: „Armut ist weiblich.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert