Aachen - Der Druck auf die Mobilfunkhersteller nimmt zu

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Der Druck auf die Mobilfunkhersteller nimmt zu

Von: Jessica Küppers
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Frauen im Kongo: Térèse Mema kümmert sich um die Opfer der Rebellen. Prälat Klaus Krämer von Missio stellt Fortschritte vor. Foto: jkü

Aachen. Für Frauen zählt die Demokratische Republik Kongo zu den gefährlichsten Ländern der Welt. Überall dort, wo das Eisenerz Coltan zu finden ist, ziehen bewaffnete Rebellen durch die Ortschaften und kidnappen Frauen, um sie in den Minen arbeiten zu lassen.

Das Coltan wird zum Metall Tantal verarbeitet, das in den Kondensatoren aller Handys und Computer steckt. Ein lukratives Geschäft mit Blutmineralien, doch der Druck auf die Mobilfunkhersteller nimmt zu. Das geht aus der aktuellen Menschenrechtsstudie DR Kongo hervor.

Die kongolesischen Frauen werden nicht nur gezwungen, die wertvollen Steine zu finden, sie werden auch als Sexsklavinnen gehalten und brutal misshandelt. Weder die Regierung noch die UN-Truppen schützen sie vor diesem Schicksal. Diejenigen, die die Gefangenschaft überleben, sind meist schwer traumatisiert und verletzt. Traumaexpertin Thérèse Mema kümmert sich in einem Missio-Traumazentrum um die Opfer und ihre Familien. Sie bringt vergewaltigte Frauen ins Krankenhaus und spricht mit ihren Männer, um die seelischen Wunden zu heilen. Für ihr Engagement ist sie in der vergangenen Woche mit dem Shalompreis ausgezeichnet worden. Mema nutzt die Aufmerksamkeit im Zuge der Auszeichnung auch dazu, um an das Gewissen eines jeden Handybesitzers zu appellieren: „Wenn ihr nicht darüber sprecht, unterstützt ihr die Gewalt.“

Gewalt, mit deren Folgen die Traumaexpertin täglich konfrontiert ist. Sie findet in den Minen der Bürgerkriegs-Rebellen statt. Die sind meist tief in den Wäldern versteckt und für Unkundige kaum zu finden. Helikopter überfliegen regelmäßig das Areal, um das Coltan einzusammeln und im Gegenzug Waffen und Lebensmittel abzusetzen. Die veredelten Blutmineralien werden anschließend zu günstigen Preisen an die großen Mobilfunkhersteller verkauft.

Seit die Verstrickungen im Jahr 2001 durch einen UN-Bericht aufgedeckt wurden, hat sich jedoch einiges getan. Das sogenannte Fairphone ist auf dem Markt. Es soll ein Handy sein, das komplett ohne Konfliktrohstoffe hergestellt wird. Dass diese Richtlinien auch tatsächlich eingehalten werden, sollen zertifizierte Schmelzen gewährleisten. Hundertprozentig frei von Blutmineralien sind aber auch die fairen Telefone bislang noch nicht. Jörg Nowak, Herausgeber der Menschenrechtsstudie Kongo, ist stolz auf den Fortschritt. Er räumt aber auch ein: „Wenn wir ein Reinheitsgebot von 80 bis 90 Prozent erreichen, ist das schon einmal super.“ Es mache keinen Sinn, das Fairphone auseinanderzunehmen, weil es wichtiger sei, dass sich überhaupt etwas ändere – „und wenn das faktisch möglich ist, ist es nur noch eine Frage der Prioritäten“, sagt Nowak.

Damit die Unternehmen ihre Prioritätenliste überarbeiten und nicht nur Lippenbekenntnisse liefern, haben die USA im Juli 2010 ein Gesetz verabschiedet, mit dem die Einfuhr von Konfliktrohstoffen unterbunden werden soll. Der sogenannte Dodd-Frank-Act zwingt zunehmend auch Unternehmen wie Apple, Microsoft und HP dazu, die Herkunft ihres Coltans zu deklarieren und zu sichern. „Wenn erstmal Unternehmen wie Apple und Co mitmachen, können auch asiatische Hersteller wie Samsung nicht zurückbleiben“, sagt er. Außerdem sei die faire Herstellung nicht viel teurer als die herkömmliche. Es sei lediglich eine Umstellung. Eine Veränderung, die das Überleben zahlreicher Kongolesinnen sichern könnte.

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