BVB-Anschlag: Zweifel an der Islamisten-Spur

Von: may/dpa
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Explosionen an BVB-Bus
Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund kurz nach dem Anschlag. Foto: Marcel Kusch

Berlin/Dortmund. Nach Einschätzung des Unions-Innenexperten Stephan Mayer gibt es an der Täterschaft der Terrormiliz „Islamischer Staat“ beim Anschlag auf den BVB-Bus erhebliche Zweifel. „Aus meiner Sicht spricht viel dafür, dass die tatsächlichen Täter mit den angeblichen drei IS-Bekennerschreiben eine falsche Fährte legen wollten“, sagte der CSU-Politiker unserem Berliner Hauptstadtbüro.

Der Anschlag passe schon allein deshalb nicht in die bisherigen Muster der Islamisten, als dass es bisher immer das Ziel der Terroristen gewesen sei, eine möglichst große Zahl von Opfern zu treffen und es ihnen nicht auf bestimmte Personengruppen wie Politiker, Sportler oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens angekommen sei. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erinnerte zudem daran, dass es „bislang bei keinem Anschlag des IS ein Bekennerschreiben am Tatort“ gegeben habe.

Bei der Suche nach den Tätern stehen jetzt der verwendete Sprengstoff und der Zündmechanismus im Fokus der Untersuchungen. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft würden intensiv fortgesetzt, sagte Behördensprecherin Frauke Köhler am Freitag. Neue Erkenntnisse könne sie bislang aber nicht mitteilen.

Am Freitag suchte die Polizei noch einmal mit einem Spürhund die Umgebung des Tatorts im Dortmunder Süden nach Spuren ab. Bei dem Anschlag auf den Teambus waren am Dienstagabend drei Sprengsätze mit Metallstiften detoniert. Der spanische BVB-Verteidiger Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt. Die Sprengsätze sind nach Erkenntnissen der Ermittler elektronisch ausgelöst worden. Eine Lichtschranke ist nach dpa-Informationen am Tatort nicht gefunden worden.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte am Donnerstag erklärt, die Sprengsätze seien hochprofessionell gebaut gewesen. „Die Sprengkraft war enorm“, sagte er im Innenausschuss des Landtags.

Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof hatte am Donnerstag Haftbefehl gegen einen 26-jährigen Iraker erlassen, der nach dem Anschlag in Wuppertal festgenommen worden war. Für eine Beteiligung des Mannes an dem Anschlag fanden die Ermittler aber keine Beweise. Ihm wird stattdessen die Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen. Seine Einheit soll im Irak Entführungen, Erpressungen und Tötungen vorbereitet haben.

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