Beim Fleischverbrauch liegt Deutschland in der EU auf Platz acht

Von: MCD
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Er möchte den Anteil der Bio-Landwirtschaftsfläche auf 20 Prozent erhöhen: Bundesminister Christian Schmidt (CSU). Foto: dpa

Aachen. „Die Tierschutzstandards in Deutschland sind höher als in vielen anderen europäischen Staaten“, sagt Christian Schmidt (CSU). Der Bundeslandwirtschaftsminister beantwortete FH-Studierenden aus Aachen ausführlich ihre Fragen zum Thema artgerechte Tierhaltung.

Herr Minister, Deutschland gilt als das „Schlachthaus Europas“. Tatsächlich ist Fleisch das am meisten konsumierte Lebensmittel der Deutschen. Warum ist das so?

Schmidt: Der in der Frage unterstellte Sachverhalt ist so nicht zutreffend. Die Tatsache, dass wir beim Fleischverbrauch in der EU Platz eins einnehmen, liegt daran, dass wir mit über 82 Millionen Einwohnern auch die größte Bevölkerung in der EU haben. Betrachten wir den Pro-Kopf-Verbrauch von Lebensmitteln in Deutschland, kommen wir zu einem ganz anderen Ergebnis: Wir Deutschen verbrauchen pro Jahr und Kopf knapp 94 Kilo Gemüse und sogar fast 99 Kilogramm Obst. Zum Vergleich: Der Fleischverbrauch pro Jahr und Kopf liegt bei 88 Kilogramm. Damit belegen wir – gemeinsam mit Polen – Platz acht innerhalb der EU.

Die Preise für Fleisch sind im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern in Deutschland sehr niedrig. Bei Großbetrieben liegt die Exportquote bei bis zu 50 Prozent. Könnte man schon von einer „Überproduktion“ reden?

Schmidt: Nein, diese Schlussfolgerung stimmt so nicht. Zunächst sind die Tierschutzstandards in Deutschland höher als in vielen anderen europäischen Staaten, und wir arbeiten beständig an einer Verbesserung des Tierwohls. Nehmen Sie das Kükentöten, da ist Deutschland Spitzenreiter in der Entwicklung alternativer technischer Lösungen. Außerdem müssen wir uns anschauen, was in den Export geht. Das sind vielfach Teile, die bei uns nicht auf dem Speiseplan stehen, beispielsweise Schweinefüße, die in China aber eine Delikatesse sind. Es ist doch im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn wir alle Teile der Tiere verwerten.

Das Bio-Label der EU hat vergleichsweise lasche Regeln (Mischbetriebe, immer noch hohe Zahl der Tiere pro Hektar etc.). Private Verbände garantieren bereits eine viel artgerechtere Haltung. Sehen Sie hier Handlungsbedarf seitens der EU?

Schmidt: Die Kriterien für den Ökolandbau sind keineswegs lasch. Im gesamten Produktionsprozess müssen hohe Standards eingehalten werden. Das Interesse an ökologisch erzeugten Lebensmitteln wächst, das zeigen mir aktuelle Befragungen meines Hauses. Fast ein Viertel der Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen häufig oder sogar ausschließlich Bio-Produkte.

Auch die Wertigkeit von Bioprodukten ist in der Bevölkerung angekommen: Die Verbraucher sind bereit, für Bio-Produkte mehr zu bezahlen. Ich möchte, dass die Nachfrage noch stärker durch heimische Produkte gedeckt werden kann. Die Weiterentwicklung der Standards muss sich daher auch weiterhin an dem Machbaren orientieren. „Bio“ ist längst kein Nischenprodukt mehr und darf nicht wieder dahin zurückgedrängt werden. Nur wenn Bio-Produkte in der Breite erfolgreich sind, gibt es Motivation für die Betriebe, von konventioneller auf ökologische Produktion umzustellen.

Der Anteil von Biofleisch am gesamt verkauften Fleisch ist nur etwa zwei Prozent. Gibt es Planungen, sowohl die Herstellung als auch den Kauf von Biofleisch attraktiver zu machen?

Schmidt: Mein Ziel ist es, den Anteil der Bio-Landwirtschaftsfläche auf 20 Prozent zu erhöhen. Die Bäuerinnen und Bauern sollen die Chancen nutzen können, die der wachsende Absatzmarkt vor ihrer Haustür bietet. Hier setze ich mit meiner Zukunftsstrategie ökologischer Landbau an. Ich will die Zugänge zur ökologischen Landwirtschaft erleichtern und Anreize schaffen, dass Betriebe von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft umstellen. Dafür stocke ich das zentrale Förderprogramm für den ökologischen Landbau auf 30 Millionen Euro pro Jahr auf. Mit dem Bio-Siegel haben wir dafür bereits ein Instrument, das Transparenz und beim Einkaufen eine verlässliche Orientierungshilfe für den bewussten Kauf von Bio-Produkten schafft.

Die Folgen für die Umwelt durch Massentierhaltung sind in Deutschland enorm, Stichwort: Nitratbelastung. Wie könnten die Folgen für die Umwelt verringert werden und was wird schon jetzt dagegen getan?

Schmidt: Klar ist: Hochwertige Lebensmittel lassen sich nicht mit Null Emissionen herstellen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Ernährungssicherung die Kernaufgabe der Landwirtschaft ist. Trotzdem verfolgen wir natürlich das Ziel einer nachhaltigen, ökologisch verantwortbaren und ökonomisch leistungsfähigen Land- und Forstwirtschaft. Die Landwirtschaft hat selbst ein großes Interesse am Umweltschutz. Wie keine andere Branche sind wir mittendrin und deswegen auch Teil der Lösung.

Und die Landwirtschaft liefert auch schon: Seit 2015 sind Direktzahlungen stärker an Umwelt- und Klimaschutzleistungen geknüpft. In diesem Jahr habe ich eine neue Düngeverordnung vorgelegt, durch die Stickstoffüberschüsse reduziert werden sollen. Die Düngeverordnung sieht für Landwirte fordernde, aber machbare Regelungen vor. Sie ist ein ausgewogener Kompromiss zwischen Umweltinteressen und praxistauglichen Lösungen für unsere Bauern. Die Branche entwickelt sich weiter und arbeitet mit an sachgerechten und praxistauglichen Verbesserungen. Nur so kann sie auch weiterhin in Deutschland erfolgreich bleiben.

Ernährungstrends wie Vegetarismus und Veganismus finden in Deutschland immer mehr Anhänger. Finden Sie, dass man eine fleischärmere Ernährung fördern sollte, um dadurch die Umwelt zu schützen?

Schmidt: Aktuelle Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) belegen das Gegenteil. Der Absatz von Fleischersatzprodukten ist inzwischen rückläufig. Grundsätzlich setze ich auf Transparenz, Information und Ernährungsbildung, am besten als eigenes Schulfach. Ich begrüße es, dass intensiv über Ernährung diskutiert wird. Das zeigt doch, dass sich die Menschen dafür interessieren. Aufgabe der Politik ist es, dafür zu sorgen, dass unsere Lebensmittel in Deutschland sicher sind und die Menschen informierte Entscheidungen treffen können.

Wichtig ist aber eine ausgewogene Ernährung. Sowohl in Wachstumsphasen, als auch im Alter sind Ernährungsformen, die ganze Lebensmittelgruppen vom Speiseplan verbannen, besonders problematisch. Je mehr Lebensmittelgruppen aus der Ernährung ausgeschlossen werden, desto eher kommt es zur Unterversorgung mit in diesen Lebensmitteln besonders reichlich enthaltenen Nährstoffen. Bei einer rein pflanzlichen Ernährung ist eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich. Deshalb warnen viele Ernährungsexperten vor einer rein veganen Ernährung im Kindesalter oder während der Schwangerschaft.

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