Afghanistans früherer Staatspräsident zu Besuch in Aachen

Von: may/chm
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Auf der Aachener Rathaustreppe: der frühere afghanische Präsident Hamid Karsai (rechts) und der nordrhein-westfälische CDU-Landesvorsitzende Armin Laschet. Foto: Heike Lachmann

Berlin/Aachen. Es war ein sonniger Frühlingsmorgen 2002, die Bundeswehr fuhr in offenen Wagen durch Kabul, die Soldaten stiegen aus, schlenderten über den Markt, wurden freundlich begrüßt. So begann das deutsche Engagement in Afghanistan. Ein Spaziergang zur Stabilisierung, schien es.

Doch am Ende ging es nur noch im Höllenritt und schwer gepanzert durch die Straßen der Hauptstadt, weil überall der Tod lauerte. Nun werden fast täglich Anschläge und Gefechte gemeldet, scheint das Land in Terror und Gewalt zu versinken. Gibt es für Afghanistan überhaupt noch eine Chance auf Frieden?

Hamid Karsai lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er fest daran glaubt. Allerdings müssten insbesondere die USA als Führer der Koalitionstruppen, die Afghanistan befrieden wollen, verstehen, dass dies nur mit Unterstützung des afghanischen Volkes möglich sei. Das sagte der frühere afghanische Staatspräsident unserer Zeitung, als er in dieser Woche Aachen besuchte. Der 59-Jährige folgte einer Einladung von Armin Laschet, dem nordrhein-westfälischen CDU-Vorsitzenden und Chef der CDU-Fraktion im Landtag. „Um die Taliban zu besiegen, müssen wir uns darauf konzentrieren, ihre Rekrutierungs- und Rückzugsorte zu zerstören. Und die Orte, an denen sie für ihre Kampfeinsätze üben“, sagte Karsai.

Nach dem Tod von 2300 Amerikanern seit 2001 waren die USA im Jahr 2011 kriegsmüde. Präsident Barack Obama begann, alle der zwischenzeitlich rund 90.000 US-Soldaten bis auf 8400 aus Afghanistan abzuziehen. Im selben Zeitraum waren 56 deutsche Soldaten umgekommen. Auch die Bundeswehr reduzierte die Einsatzkräfte von einst knapp 5000 auf derzeit gut 900. Doch inzwischen verstärken die USA ihre Truppen wieder, denn die Taliban werden immer stärker.

Die aktuell schwierige Lage in Afghanistan sei eine Konsequenz daraus, dass die USA sich bis heute weigerten zu erkennen, dass vor allem Pakistan dem Frieden im Wege stehe, sagte Karsai. Von Pakistan aus bekämpfen die Taliban die demokratische Islamische Republik Afghanistan, deren erster Präsident Karsai war. „Wären die USA früher auf Pakistans Rolle aufmerksam geworden, hätten sie gefordert, dass das Land sofort aufhört, Radikalisten und Extremisten zu unterstützen, wäre Afghanistan heute wesentlich sicherer.“

Stichwort Sicherheit: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat mit Blick auf die Abschiebung von Flüchtlingen wiederholt bekräftigt, dass es trotz der generell unsicheren Lage auch in Afghanistan genügend sichere Gebiete gebe. Laschet hakt bei seinem Gast nach, wie dieser das sieht. Karsai hält sich mit einer klaren Antwort zurück: „Wir ver­stehen, in welchem Dilemma Deutschland bei diesem Thema steckt. Einerseits habt ihr sehr großzügig Eure Arme für Flüchtlinge geöffnet, andererseits kommen Hunderttausende, was eine riesige Herausforderung und wirtschaftliche Belastung ist.“

Karsai sprach sich für ei- nen Rückführungspakt zwischen Deutschland und Afghanistan aus. Dieser müsse derart gestaltet werden, dass die Rückkehrer dies als „ihren Gewinn und nicht als ihren Verlust sehen“. Solche Abkommen gebe es bereits mit den drei skandinavischen Ländern. Die afghanische Regierung bemühe sich außerdem, die Menschen mit gezielten Kampagnen darüber aufzuklären, dass die Schlepper sie mit falschen Versprechungen locken. Leider gingen ihnen dennoch viele in die Falle.

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