Aachen - Aachenerin trauert mit bewegender Anzeige um die Toten von Aleppo

Aachenerin trauert mit bewegender Anzeige um die Toten von Aleppo

Von: Christina Handschuhmacher
Letzte Aktualisierung:
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Worte, die berühren: Die Anzeige für die Toten von Aleppo erschien in der Aachener Ausgabe unserer Zeitung. Im Sozialen Netzwerk Facebook wurde sie vielfach geteilt und kommentiert. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es sind nur wenige Worte, aber sie drücken offenbar aus, was viele Menschen in diesen Tagen bewegt: „Ich trauere um die Toten von Aleppo. In großer Hilflosigkeit.“ steht in der Todesanzeige, die die Aachenerin Angelika Becker-Held vergangene Woche in der Aachener Ausgabe unserer Zeitung veröffentlicht hat.

Sie habe die Anzeige geschaltet, um ihr Mitgefühl und ihre Hilflosigkeit auszudrücken angesichts der unzähligen Toten und der notleidenden Menschen in der umkämpften syrischen Stadt, sagt Becker-Held im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das war mein ureigenes Empfinden. Ich verspüre Trauer, weil wir so machtlos sind.“

Was dann passiert, lässt sich nur mit den Mechanismen der digitalisierten Welt erklären: Ein Foto der Traueranzeige wird auf Facebook von der Aktivistengruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ veröffentlicht. Allein dort klicken mehr als 5600 Menschen auf den „Gefällt mir“-Button, fast 2000 Mal wird die Anzeige geteilt.

Die Reaktionen sind gemischt. „Ich finde es gut, was Frau Becker-Held macht: Sie macht aufmerksam. Und das zählt“, schreibt eine Nutzerin. Auch auf die Anzeige auf „Aachen gedenkt“, dem Trauerportal unseres Verlages, gibt es viele Reaktionen. „Das spricht vielen – so auch mir aus der Seele. Danke für die Initiative“, heißt es dort etwa.

Doch es gibt auch andere Stimmen: „Das Geld für die Anzeige hätte man aber auch spenden können“, kritisiert ein Nutzer bei Facebook. Ein anderer fragt: „Was ist mit den anderen Tausenden von Toten, die unschuldig auf dieser Welt ums Leben kommen!?“ Selbst in den „Tagesthemen“ am Samstagabend ist die Anzeige zu sehen. Sie ist im Hintergrund eingeblendet, als Moderatorin Pinar Atalay einen Bericht zur aktuellen Lage in Syrien anmoderiert.

Mit der riesigen Resonanz auf ihre Anzeige hat Angelika Becker-Held nicht gerechnet. Die 54-Jährige hat keinen Account bei Facebook und erst über ihre Tochter mitbekommen, dass ihre Anzeige im Netz gelandet ist und dort vielfach kommentiert und geteilt wird. „Ich habe das Gefühl, dass ich mit meiner Anzeige das ausgesprochen habe, was viele Menschen empfinden“, sagt Becker-Held.

Die ganze Aufmerksamkeit – verschiedene Online-Medien haben das Thema aufgegriffen – ist ihr aber auch etwas unangenehm. Deshalb ist Becker-Held zwar bereit, mit unserer Zeitung zu sprechen, fotografieren lassen will sie sich aber nicht. Denn die Anzeige war für sie vor allem ein Akt der Trauer. Es ging ihr, so sagt sie, gar nicht darum, die Öffentlichkeit wachzurütteln. „Ich wollte einfach nur meine Trauer teilen und der Toten gedenken.“

„Beten hilft ja offenbar nicht mehr“

Es ist die Hilflosigkeit, die sie zu diesem Schritt angetrieben hat und die auch im Gespräch mit ihr deutlich zu spüren ist: „Was soll man denn tun? Putin einen Brief schreiben? Beten hilft ja offenbar nicht mehr“, sagt die Referentin für Arbeitsablauforganisation beim Bischöflichen Hilfswerk Misereor.

Becker-Held ist praktizierende Christin. Auch deshalb fällt es ihr schwer, einfach so zu tun, als ob die humanitäre Katastrophe, die sich in Aleppo und ganz Syrien vor den Augen der Weltöffentlichkeit abspielt, sie nichts angeht. Hier in Deutschland hat Becker-Held Kleidung für Flüchtlinge gespendet. Vergangenes Weihnachten hat sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Weihnachtsgruß geschrieben und ihre Flüchtlingspolitik gelobt.

„Dass meine Anzeige den Krieg in Syrien und das Leid der Menschen in Aleppo nicht lindert, weiß ich ja selbst.“ Aber die Anzeige hat ihr Erleichterung verschafft. Wieder einmal. Denn es ist nicht das erste Mal, dass Becker-Held diesen Weg gewählt hat. 1995, als mehr als 8000 muslimische Jungen und Männer im bosnischen Srebrenica von fanatisierten Serben ermordet wurden, schaltete Becker-Held ebenfalls eine Traueranzeige.

Für die Menschen in Syrien hofft die Aachenerin nun auf schnelle humanitäre Hilfe und schließlich Wiederaufbau und Versöhnungsarbeit. Doch Becker-Held weiß auch: „Jeder Tote hinterlässt eine Wunde.“ Und sie weiß auch: Der Weg zum Frieden in Syrien ist noch weit.

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