Aachener Friedenspreis im Zeichen Afrikas

Von: Christina Handschuhmacher
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Auszeichnung für mutigen Einsatz: Die Friedenspreisträger (von links) Balorbey Théophilius Oklu, Lumbela Azarias Zacarias, Laudatorin Margot Käßmann, Rakotonirina Mandimbihery Anjaralova, Friedenspreis-Vorsitzender Ralf Woelk, Erzbischof Dieudonné Nzapalainga und Imam Oumar Kobine Layama. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die einen helfen dort, wo der Staat das Helfen verboten hat. Die anderen stiften Frieden und Versöhnung, wo sonst ein Krieg zwischen den Religionen drohen würde. Gestern Abend sind gleich zwei afrikanische Initiativen mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden.

Die drei Studenten Rakotonirina Mandimbihery Anjaralova, Lumbela Azarias Zacarias und Balorbey Théophilius Oklu, die sich trotz staatlichen Verbots und Gefahr für das eigene Leben für in Marokko gestrandete Flüchtlinge aus der Subsahara einsetzen, wurden in der Aula Carolina für ihr Engagement geehrt.

Außerdem wurde der Friedenspreis an Erzbischof Dieudonné Nzapalainga und Imam Oumar Kobine Layama aus der Zentralafrikanischen Republik verliehen. Die Geistlichen setzen sich angesichts des Bürgerkriegs zwischen muslimischen und christlichen Gruppen in einem der ärmsten Länder der Welt für ein friedliches Miteinander der Religionen und eine gewaltfreie Konfliktlösung ein.

Erstmals in der 27-jährigen Geschichte des Preises ging die Auszeichnung an zwei afrikanische Initiativen – ein klares Bekenntnis zu einem Kontinent, der seit Jahrzehnten einer „himmelschreienden Ungerechtigkeit“ ausgesetzt ist, wie Ralf Woelk, der Vorsitzende des Vereins Aachener Friedenspreis, beklagt: „Wir behandeln Afrika heute nicht anders als zur Kolonialzeit. Statt mit Waffen und Gewalt sichern wir uns die Rohstoffe und Absatzmärkte nun mit Geld und Freihandelsabkommen.“ Den von Krieg, Hunger und Armut gepeinigten Menschen bliebe nichts anderes übrig, als zu fliehen. „Wir müssen den Krieg bekämpfen und nicht die Menschen, die vor ihm fliehen“, appellierte Woelk.

Die evangelische Theologin Margot Käßmann kritisierte in ihrer Laudatio die Abschottungspolitik der Europäischen Union, die an ihren Außengrenzen – teils in Zusammenarbeit mit „menschenverachtenden Regimen“ – alles dafür tue, Flüchtlinge zu stoppen. „Dafür schäme ich mich, das empört mich, dagegen brauchen wir einen Aufstand der Solidarität und der Mitmenschlichkeit“, sagte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland regte Käßmann zu einem Umdenken an: „Wir begreifen doch erst, wer wir sind, wenn wir anderen Menschen, anderen Meinungen, anderen Kulturen begegnen.“ Die Preisträger würdigte sie als „leuchtende Vorbilder“, deren Einsatz „ermutigend“ sei in einer oft „unmenschlichen Welt“.

Doch woher rührt die Überzeugung, helfen zu müssen? „Wir laufen ihnen täglich über den Weg, sehen ihre Verzweiflung, wir können nicht anders“, sagt der Student Anjaralova. Mit seinen Mitstudenten nimmt er bis zu zweistündige Fußmärsche auf sich, um die Flüchtlinge in ihren illegalen Unterkünften mit Nahrung, Wasser und Decken zu versorgen. Dennoch fühlt er sich oft hilflos. „Dieser Preis ehrt uns, aber er lässt uns auch weinen. Denn die Situation hat sich nicht geändert. Wir schauen ohnmächtig zu, wie die Menschen sterben.“ Aber der Preis gebe ihnen und ihren vielen Mitstreitern auch neue Kraft für ihr Engagement.

Wie eine Konfliktlösung vor Ort funktionieren kann, haben der Imam und der Erzbischof aus Zentralafrika mit ihrem Einsatz bewiesen. „Uns drohte die Gefahr eines Genozids ähnlich dem in Ruanda“, sagt Imam Layama. Die beiden Geistlichen entschlossen sich, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten und treten seither als Einheit auf, um das Schwarz-Weiß-Denken der Fundamentalisten zu durchbrechen. „Wir würden uns wünschen, dass die Mitbrüder in anderen Ländern auch diesen Mut aufbringen würden.“

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