Stoiber auf dem Schlagzeug: Riesenhit im Internet

Von: Christian Rein
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Aachen . Auf einem Schlagzeug klingt einer der berühmten Sätze von Edmund Stoiber ungefähr so: „Rat-Tam. Ta-Tatata-Tam. Disch (Pause). Ta-Ta-Tatata-Tam-Tam. Ta-Ta-Ta-Tam (Pause). Ta-Disch-Disch-Disch. Tatata-Tam. Disch (Pause). Rat-Tam-Tatata-Disch. Tatatatatata-Ta-Ta-Tam.“

 Im Original geht der Satz so: „Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München (Pause), mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen (Pause), dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen (Pause) am, am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug.“

Die wirren Ausführungen, mit denen der damalige bayerische Ministerpräsident im Jahr 2002 die Vorzüge einer Transrapid-Anbindung für den Münchner Flughafen preisen wollte, haben längst Kultstatus erlangt. Neu vertont, als eine Art Stakkato-Gedicht mit Schlagzeug-Begleitung, hat sie Jonny König, ein 24-jähriger Absolvent der Mannheimer Pop-Akademie. In kürzester Zeit hat er damit im Internet Berühmtheit erlangt: Seit er den Mitschnitt von einem Konzert vor rund einer Woche bei Youtube eingestellt hat, wurde das Video bereits über 383 000 Mal aufgerufen.

„Ich versuche generell Stücke zu schreiben, die etwas aus dem Rahmen fallen, also nicht unbedingt klassisch für Schlagzeug gedacht sind“, sagt König im Gespräch mit unserer Zeitung. So habe er zum Beispiel auch schon ein Stück nur für Kochtöpfe geschrieben. Bei seiner Suche nach dem Außergewöhnlichen ist er dann irgendwann auch über die Stoiber-Rede gestolpert.

Komponiert hat König, dessen Vorname eigentlich Jonathan ist, seine Schlagzeug-Variante ursprünglich für eine Prüfung im Rahmen seines Studiums. „Man kann sich natürlich nicht hinsetzen, die Rede aufschreiben und dann ein paar Noten zu Papier bringen“, erklärt der Musiker. „Das Problem ist, dass die Rede keinen regelmäßigen Rhythmus hat.“ Also hat König Stoibers Sätze in kleine Schnipsel zerlegt, sie sich immer und immer wieder angehört und daran gearbeitet, bis es passte. Stück für Stück hat er so sein Schlagzeug-Solo zusammengebaut. Ein halbes Jahr hat das gedauert. Prüfungsnote: 1,3.

Mit dem Internet-Video wollte König ein wenig auf sich aufmerksam machen. Seit er im vergangenen Oktober seinen Bachelor-Abschluss gemacht hat, lebt der Tübinger als freier Musiker in seiner Wahl-Heimat Mannheim. Er spielt in drei Bands, gibt Schlagzeug-Unterricht und hat nebenher kleinere Projekte etwa für Werbefilme. Er hat ein Auskommen, „aber ohne die Unterstützung meiner Eltern geht es noch nicht“, sagt König lachend. Das könnte sich nun mit dem großen Erfolg des Videos ändern.

Erfolgreich ist das Video im Übrigen auch deshalb, weil „Stoiber On Drums“ tatsächlich Ohrwurm-Qualitäten hat. Nachdem König rund eine Minute lang ein fulminantes Solo-Feuerwerk abgebrannt hat, endet die Transrapid-Rede mit den Sätzen: „Das bedeutet natürlich, dass der Hauptbahnhof im Grunde genommen näher an Bayern, an die bayerischen Städte heranwächst. Weil das ja klar ist.“ Aus diesem „Weil das ja klar ist“ hat König mit Hilfe des Computerprogramms Auto-Tune einen Refrain gebastelt. Stoiber singt plötzlich, er schmettert regelrecht. Dazu setzen Gitarre, Bass und Keyboard ein, und aus dem Schlagzeug-Solo wird eine Transrapid-Hymne. „Das ist ja die eigentliche Pointe an der Rede: Es ist eben nichts klar“, sagt König. „Es hat mir eine Menge Spaß gemacht, das dann zur Hymne auszubauen.“

Zu Stoiber selbst hatte König bislang übrigens keinen Kontakt. Allerdings bemüht er sich darum – auch in der Hoffnung, dass der Politiker ihm erlaubt, eine Aufnahme des Stücks zu veröffentlichen. Stoiber hat bereits bewiesen, dass er durchaus Humor hat: Im vergangenen Jahr parodierte er selbst seine Transrapid-Rede in einem Clip mit „Stromberg“-Darsteller Christoph Maria Herbst. Und eine erste, knappe Reaktion des 71-jährigen, der inzwischen als ehrenamtlicher Leiter einer EU-Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau tätig ist, dürfte König zuversichtlich stimmen: „Es geht eben nichts über eine gelungene Rede“, sagte Stoiber der Tageszeitung „Die Welt“. „Dem kreativen Schlagzeuger wünsche ich natürlich eine große Karriere. Als Texter fühle ich mich vom Komponisten absolut verstanden.“

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