Cro setzt zum nächsten großen Wurf an

Von: Amien Idries
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Markenzeichen: Die Pandamaske nimmt Cro in der Öffentlichkeit nicht ab. Sie schützt seine Privatsphäre, sagt der Rapper aus Stuttgart. Foto: stock/Star-Media

Aachen. Wer es schafft, den übel beleumundeten Gangsta-Rapper Haftbefehl und die 90er Jahre Softpopstars Die Prinzen auf ein Album zu packen, dem kann man wohl kaum unterstellen, musikalische Barrieren im Kopf zu haben. Alles geht, alles easy. So das Motto von Cro, dem Rapper mit der Pandabärenmaske, der mit eben jenem Stück „Easy“ 2011 in die Charts stürmte und seitdem ein Hip-Hop-Megastar ist.

Wenn also Cro den Hafti – so nennt er ihn wirklich – und die ehemaligen Chorknaben aus Leipzig auf seinem heute erscheinenden „MTV Unplugged“-Album haben will, dann macht er das einfach.

Friedliche Zeiten im Hip-Hop

„Hafti und ich kennen und mögen uns“, sagt Cro im Gespräch mit unserer Zeitung. Das, obwohl der nette Panda und der böse Babo („Chabos wissen, wer der Babo ist“) eigentlich nicht zueinander passen. Und die Prinzen habe er dabeihaben wollen, weil sie ihn an seine Kindheit erinnern. Mit deren derzeitigem „Sing-meinen-Song“-Erfolg habe das Engagement jedenfalls nichts zu tun. Zum Zeitpunkt der Albumplanung habe er nichts von der anstehenden TV-Show auf Vox gewusst.

Das Erstaunliche: Das Experiment funktioniert besser als gedacht. Wer Die Prinzen hasst, wird sie nach der Unplugged-Version ihres Hits „Millionär“ nicht lieben, aber zumindest ertragen. Und wenn Die Prinzen im Anschluss mehrstimmig den Cro-Hit „Einmal um die Welt“ ansingen, dann passt das irgendwie. „Da ist das Publikum richtig abgegangen“, sagt der Stuttgarter Cro.

Wahrscheinlich kann so etwas nur er, der Konsensrapper, den fast jeder zumindest okay findet: zwei so unterschiedliche Vertreter der Musikergattung in den Cro-Kosmos integrieren, deren einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie extrem polarisieren.

Dabei weist dieses Integrative weit über Cros aktuelles Album hinaus. Sehr friedlich geht es nämlich derzeit im deutschen Hip-Hop zu. Jeder kann irgendwie mit jedem. Grenzen gibt es so gut wie keine mehr. Dies wohlgemerkt in einem musikalischen Genre, das wie kein anderes vom Battle – vom Sprechgesangswettstreit – lebt. Ein Genre, in dem Fehden zwischen Rappern lange Zeit verkaufsfördernd eingesetzt wurden und man förmlich auf den ersten deutschen Rap-Toten wartete. „Im Moment ist Frieden in der Hip-Hop-Welt“, sagt Cro, der mit seinem netten Schwiegersohn-Image wie kein anderer für diesen Paradigmenwechsel steht.

Während ihn zu Beginn seiner Karriere noch Teile der Szene und auch mancher Musikkritiker belächelt haben, so ist spätestens jetzt klar, dass an Cro kein Weg mehr vorbeiführt. „MTV Unplugged“ gilt immer noch als Ritterschlag einer Musikerkarriere. Cro erhielt das Angebot zu diesem großen Wurf nach nur zwei Alben und mit 25 Jahren als jüngster Unplugged-Künstler überhaupt. „Ich habe mich am Anfang schon gefragt, ob das nicht etwas früh ist“, sagt Carlo Waibel, so Cros bürgerlicher Name. „Als ich aber das mit dem Jüngsten gehört habe, dachte ich: Yes, yes, lasst es uns schnell machen, bevor ich älter werde.“

Für die musikalischen Arrangements der 22- köpfigen Band- und Orchesterbesetzung fand sich schnell Lillo Scrimali, der schon für die Unplugged-Auftritte der Fantastischen 4 und von Max Herre verantwortlich zeichnete. Anfang Mai wurde das Konzert dann im Lichtspielhaus Scala in Ludwigsburg bei Stuttgart in Szene gesetzt.

„Ich war zu Beginn heftig nervös. Man spürt die Ehrfurcht vor diesem Format und will natürlich was richtig Schönes draus machen“, sagt Cro. Mit zunehmender Dauer habe er sich aber immer wohler gefühlt. Und zufrieden mit dem Ergebnis? „Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ich glaube, es ist ganz gut geworden“, sagt er und kokettiert ein wenig, weil das Album, natürlich, gut geworden ist.

Dabei schlägt sich Cros Nettigkeit wie schon auf den beiden Studioalben „Raop“ und „Melodie“ auch in seinem „MTV Unplugged“ wieder. Cros Musik tut niemandem weh. Wer musikalische Experimente oder Innovation mag, ist hier fehl am Platz. Wer aber eingängige Melodien mit locker aus der Hüfte geschossenem Sprechgesang mag, kommt auf seine Kosten. Denn, was Cro macht, das macht er richtig gut. Die Unplugged-Arrangements unterstreichen dabei seinen Ruf als Rap-Crooner. Streicher und Bläser legen den Soundteppich aus, auf dem Cro sich entspannt zurückgelehnt und in Gedanken ein Whiskeyglas schwenkend durch sein bisheriges Werk rappt. Das erinnert etwa in „Rennen“ oder „Hey Girl“ stark an den G-Funk von Warren G („Regulate“) vom Beginn der 90er Jahre. Alles easy eben.

Die Hits wie „Easy“, „Du“ oder „Traum“ dürfen natürlich nicht fehlen, machen aber deutlich weniger Spaß als die eher unbekannteren Stücke, die nicht auf den Studioalben, sondern auf Mixtapes erschienen sind. Etwa die erste Single „Bye Bye“, eine gefühlvolle Ballade. Wie so oft hat sich Cro hier zwar wieder ziemlich offensichtlich bei einem anderen Stück bedient („No Sleep“ des Rappers Wiz Kalifa), aber er bedient sich halt wirklich gut.

Noch besser gelingt „Lange her“ vom Sunny-Mixtape. Eine nostalgischer Blick zurück auf eine lange zurückliegende Freundschaft, die durch den Gastauftritt von Max Herre zur Stuttgart-Hommage mutiert. Drama, große Gefühle: Cro hat offensichtlich keine Berührungsängste. Da passt das Unplugged-Gewand, auch wenn es die Macher manchmal etwas gut mit den Streichern meinen und man sich zeitweise in einen Hollywood-Film versetzt fühlt. Aber auch hier gilt: Den angestammten Fans wird es gefallen.

Kinofilm kommt 2016

„MTV Unplugged“ also, und das mit 25. Bleibt die Frage, was danach noch kommen soll? Ein Kinofilm natürlich. Produziert von Til Schweiger mit dem Arbeitstitel „Cro – Don't Believe The Hype“. Starttermin 2016. Dann wären da noch Cros Klamottenlabel, und die Arbeit für das dritte Studioalbum wird wohl auch irgendwann beginnen. Nach dem Prinzen-Feature muss man wohl mit allem rechnen. Doch Cro gibt Entwarnung: „Ein paar Tabus gibt es schon“, sagt er. Schlager, das würde er nie machen, das passe nicht. Viele Cro-Fans dürften aufatmen. Schlimmer als Die Prinzen wird es nicht. Helene Fischer oder Andrea Berg bleiben ihnen vorerst erspart.

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