„Nur mit Strohhalm trinken”: Ein Leben mit Backenbart

Letzte Aktualisierung:
bart
Der Weltmeister im Backenbart-Freistil: Dieter Besuch. Vollbart, Schnauzbart, Chinesenbart - Die Deutschen sind in Sachen Gesichtshaar neben den Amerikanern führend. Sieben von 17 amtierenden Weltmeistern kommen aus Deutschland. Einer ist der „Backenbart-Freistil”-Titelträger Dieter Besuch aus Olpe. Foto: Joerg Taron, dpa

Olpe. Die Blicke sind ihm sicher, wenn Dieter Besuch unterwegs ist. Der 54-Jährige aus dem sauerländischen Olpe hat einen der imposantesten Backenbärte der Welt. „Ohne meinen „Alltagsbart” gehe ich nicht aus dem Haus”, sagt er.

Das bedeutet, dass Besuch morgens im Bad mindestens eine halbe Stunde lang seine auf beiden Wangen wachsende 80 Zentimeter lange Haarpracht wäscht, föhnt und legt.

Für Wettkämpfe legt seine Friseurin allerdings mehrere Stunden Hand und jede Menge Festiger an, bis jedes Haar optimal liegt. „Das kann ich im Alltag gar nicht machen”, sagt Besuch. Denn das filigrane Kunstwerk, mit dem er im Mai im norwegischen Trondheim den Weltmeistertitel im „Backenbart-Freistil” holte, ist sehr zerbrechlich. Ehefrau Christiane sagt über ihren Mann: „Er kann dann nichts essen oder nur mit Strohhalm trinken.”

Im normalen Leben leitet der 54-jährige Ingenieur eine Firma, die Präzisionsteile herstellt. „Mein Bart ist dabei nicht störend”, sagt er. Ganz im Gegenteil. Man habe auch mit Kunden immer sofort ein Gesprächsthema. Denn die beiden imposanten Haartollen an Besuchs Wangen sind natürlich nicht zu übersehen.

Christiane Besuch kennt ihren Mann seit 1978 fast nur mit Bart. Nur einmal tauchte er plötzlich glatt rasiert vor ihr auf. „Da hat er sich beim Rasieren eine Ecke reingeschnitten und ihn dann ganz abgenommen”, sagt die 56-Jährige. Doch das ist schon einige Jahre her. „Das war ein ganz anderer Mann. Da hab ich nur gedacht: Hoffentlich wächst der schnell wieder.”

Dass ihr Mann beim Einkaufen oder auf Reisen Aufmerksamkeit erregt, findet sie nicht schlimm. Häufig gehe sie absichtlich ein paar Schritte hinter ihrem Gatten. „Das ist schon lustig, dann mitzubekommen, was die Leute tuscheln.” So wie jüngst im Baumarkt: Da habe ein etwa vierjähriger Steppke mit offenem Mund vor ihrem Mann gestanden und dann bewundernd gesagt: „Alter Schwede!”

Besuch ist nicht der einzige deutsche Bart-Weltmeister. Insgesamt werden die alle zwei Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften in 17 Kategorien ausgetragen. „Sieben der Titel haben Deutsche geholt”, sagt der Vizepräsident des Verbandes deutscher Bartclubs, Lutz Giese. Er selbst hat den weltschönsten Chinesenbart. „Neben den Deutschen sind die Amerikaner seit einigen Jahren führend”, sagt er. Insgesamt waren rund 200 Teilnehmer zur WM des Weltverbandes der Bärte (WBMA) angereist.

Und während Besuch im Alltag mit einem zumindest etwas weniger aufwendig gestylten Bart unterwegs ist, gehen Giese und einige seiner Kollegen nie aus dem Haus, ohne dass jedes Haar sitzt. „Wir sind halt Überzeugungstäter”, sagt Giese und lacht.

Aufmerksamkeit ist so oder so garantiert. Beispielsweise von türkischen Männern, die den Bartträgern anerkennend auf die Schulter klopfen. „In deren Kulturkreis ist ausgeprägter Bartwuchs ein Zeichen besonderer Männlichkeit”, erläutert Dieter Besuch. Und der Olper lächelt vermutlich auch aus Hunderten Urlaubsalben asiatischer Touristen: „Die möchten immer gern ein Foto mit mir zusammen haben.” Das mache er dann auch gern.

Verboten ist hingegen das Berühren. „Frauen wollen den Bart meist mal anfassen.” Doch da gibt es dann ein freundliches aber bestimmtes „Nein”. Außer seiner Gattin Christiane dürfen das nur die Kampfrichter, sagt Besuch.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert