Zwischen Klamauk und Kabarett: „Zauberabend für politisch Verwirrte”

Von: Grit Schorn
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Hereinspaziert: „Konfetti” in der Aachener Kammer mit Oleg Zhukov, Rainer Krause und Elke Borkenstein (von links). Foto: Ludwig Koerfer

Aachen. „BINGO” liest man irgendwann aus den Leuchtbuchstaben der geometrischen Formen, die das mehrfarbig illuminierte Bühnenbild dominieren. Bingo heißt das beliebte britische Glücksspiel - und bedeutet ebenso „Treffer”. So manchen Treffer landete auch das Ensemble von fünf Akteuren in einfallsreicher Kostümierung (Oliver Kostecka, auch Bühnenbild) in der Kammer im Theater Aachen.

„Konfetti! Ein Zauberabend für politisch Verwirrte” ist eine vertrackte Versuchsanordnung der Bühnenautorin Ingrid Lausund, die sich als quirlige Revue ausgibt, aber eher eine scharfzüngige Auseinandersetzung mit der Depression in Volk, Staat und Politik ist. Fünf Stadtneurotiker, also ganz normal bekloppte Bürger, überspielen ihre Ängste mit Zaubertricks. Das Prinzip „Ablenkung ist das Zauberwort” wird in kleine Aktionen umsetzt - die zersägte Jungfrau, Häschenspiele oder verschwindende Bällchen (Anleitung: Zauber-Coach Jörg Tullius alias „Tullino”).

„Ablenkung” funktioniert aber auch in der Politik oder im privaten Bereich. Rainer Krause imponiert als Pizzaesser und Fernsehzuschauer Bjarne, dem blutige Gewaltbilder den Teig-Genuss vermiesen. Und der schließlich für einen Obdachlosen die weggeworfene Pizza aus der Mülltonne holt. Mit abgründiger Komik zeigt Thomas Hamm eine Glanzleistung als panischer Zeitgenosse Bernd, der irgendwann - auf der Suche nach dem Mutterschoß? - in einer üppigen Couch verschwindet. Und irgendwann ebenso verhuscht wieder daraus auftaucht...

Glänzend auch der Auftritt von Julia Malik, aus deren BH Konfetti verstreut wird und die inbrünstig mit einem fanatischen Polit-Appell direkt aufs Publikum zusteuert. Absichtsvoll zotige Reime über Politiker offenbaren das anarchische Potenzial der Autorin, die in ihren „Projektarbeiten” die Theater zu aktuellen Einsprengseln auffordert. Elke Borkenstein macht nicht nur als gemarterte Jungfrau eine gute Figur, und Oleg Zhukov ist so goldig wie sein schimmernder Anzug.

Insgesamt bleibt am Ende ein etwas zwiespältiger Eindruck. Vieles wird hier vermischt, Martin Kloepfers Regie schwankt zwischen Kabarett, Klamauk und Hintersinn. Das Publikum zeigte sich nach anfänglicher Scheu angetan und spendete munter Beifall.

Ingrid Lausunds „Konfetti! Ein Zauberabend für politisch Verwirrte” ist noch am 10., 21. und 25. Januar , 1., 4., 22. und 24. Februar, 2., 11. und 31. März sowie am 5. April in der Kammer im Theater Aachen zu sehen. Beginn jeweils um 20 Uhr.
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