Zwei Rock-Idole treffen sich im Himmel

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
9510550.jpg
Das neue Musical von Aachens Alt-Intendant Elmar Ottenthal geht auf Deutschlandtournee: „Falco meets Mercury“ mit (von links) Sascha Lien, Aino Laos und Axel Herrig. Die Premiere im Admiralspalst in Berlin war bereits ein voller Erfolg. 32 Stationen zwischen Bremen, München und Wien folgen jetzt noch. Foto: Silvester in Berlin Veranstaltungen GmbH / Dennis Wartenberg
9511224.jpg
Er lebt heute mit seiner Partnerin Aino Laos in Frankreich: Elmar Ottenthal, von 1992 bis 1999 Theaterintendant in Aachen.

Neunkirchen/Aachen. Da wird Petrus begeistert sein Smartphone zücken, um den einmaligen Moment im Video festzuhalten, oder sogar selbst mit einstimmen: wenn Falco und Freddie Mercury vor dem Himmelstor gemeinsam auf der Wolkenbühne stehen, um ein Rockkonzert zu geben.

Auf die Idee muss man erst mal kommen! Aber genau das ist die Story einer neuen Show, die sich Aachens Theater-Alt-Intendant und Musicalkönig Elmar Ottenthal ausgedacht hat: „Falco meets Mercury“. Gerade ist er damit auf Deutschlandtournee gegangen, unsere Region streift er dabei zwei Mal: am 9. März in der Bonner Beethovenhalle und am 20. März im Düsseldorfer Capitol.

Im Saarland, in Neunkirchen, hat der gebürtige Innsbrucker mittlerweile seine beruflichen Zelte aufgeschlagen, zusammen mit seiner Lebenspartnerin Aino Laos. Hier bespielt er seit 2011 einmal im Jahr die Neue Gebläsehalle, ein Industriedenkmal, das zu einer multifunktionalen Theater- und Veranstaltungshalle umgebaut wurde und bis zu 2000 Besuchern Platz bietet.

Und er entwickelt dabei ganz neue Formate: Zuletzt war es eine „Wasserphantasie“, open air aufgeführt am romantischen Furpacher Gutsweiher in Neunkirchen und von insgesamt 50 000, auf Heuballen sitzenden Zuschauern besucht – mit Fabelwesen, drei Nixen, der sagenumwobenen Nessie und einem musikalischen und wasserakrobatischen Potpourri. Ottenthal führte Regie, Produzentin war die Aura Entertainment GmbH von Aino Laos.

Idee dazu entstand schon in Berlin

Beim Umbau der Gebläsehalle war Ottenthal maßgeblich mit beteiligt, schließlich weiß der alte Theaterhase – erst Assistent von Peter Weck in Wien, dann von 1992 bis 1999 Intendant des Stadttheaters Aachen und danach bis 2001 Chef am Theater des Westens in Berlin – worauf es ankommt bei einem solch multifunktionalen Bühnenbau.

„Die Idee hatte ich schon in Berlin“, erzählt der 63-Jährige über das neue Projekt, aber dort konnte er seine Fantasien am Ende nicht mehr realisieren. Aber was verbindet, außer dem Gesang, Falco und Freddie Mercury? „Die unglaubliche Liebe zum Ruhm“, sagt er, „und dieses exzessiv Selbstzerstörerische.“ Sex, Drogen und Skandale prägten ihr Leben. Das für beide tragisch endete – Ottenthal hat Falco persönlich gut gekannt. „Er war ein zerbrochener Mensch, und er starb, als er gerade wieder anfing, an sich zu glauben.“

Falco und Freddie – in ihrer Musik haben sich beide immer wieder Gedanken über den Tod gemacht – auch ein Motiv, ihre Begegnung posthum auf die Bühne zu bringen. „Muss ich sterben, um zu leben?“, fragt Falco, der mit 41 Jahren bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik umgekommen ist. Und Freddie Mercury singt „Who wants to live forever, when love must die?“, bevor er mit 45 Jahren an den Folgen einer Aids-Erkrankung stirbt.

Einer der beiden Hauptdarsteller ist – keine Frage: Axel Herrig, unter Ottenthal in den Neunzigern gefeiertes Ensemblemitglied am Theater Aachen („Aladdin“, „Catharine“, „La cage aux Folles“). Der gebürtige Eifeler, ausgezeichneter Absolvent der Musikhochschule in Aachen, hat die Titelrolle in dem Ottenthal-Musical „Falco meets Amadeus“ bereits über 1000 Mal gespielt – vor über einer Million Zuschauern. Sein Gegenüber als Queen-Sänger Freddie ist nun Sascha Lien, der diese rockmusikalische und sängerische Materie bestens beherrscht von seiner Hauptrolle im Musical „We Will Rock You“ her. „Solch eine Rockstimme gibt es nicht häufig in Deutschland“, sagt Ottenthal.

Seine Partnerin – beide leben in Frankreich – ist die Dritte im Bunde der Show, Aino Laos verkörpert die „Rock Goddes“, ein Mischwesen aus Engel und Teufel, Hüterin einer Art von Zwischenwelt, Vorraum zum Jenseits. Sie bringt Falco und Freddie dazu, über ihr exzessives Dasein voller Extreme zu reflektieren und das Leben als Superstar hinter sich zu bringen.

„Es wird nicht viel gesprochen in dem Stück“, erklärt Elmar Ottenthal, „höchstens dreieinhalb Minuten.“ Die richtige Zusammenstellung und die raffiniert-effektvolle Reihenfolge der Songs – das war es, worauf es ankam bei der Show, die kein Musical im gewöhnlichen Sinne darstellt. Hauptbestandteil der Inszenierung und des Bühnenbildes sind die fünfköpfige „The Bohemian Band“ und acht Tänzerinnen und Tänzer.

Die Premiere im Berliner Admiralspalast war ein überwältigender Erfolg. 32 Stationen folgen nun zwischen Bremen, München und Wien.

„Der große Knall“ lässt indessen nicht lange auf sich warten. So heißt der Untertitel des nächsten Ottenthal-Projekts, das schon in den Startlöchern steckt und am 29. Mai in Neunkirchen Premiere haben wird: „Bing Bang Boom“ – und wieder ein neues Format, bei dem sich das Publikum ähnlich wie bei der „Rocky Horror Show“ selbst einbringen kann.

Die Geschichte ist, nicht übertrieben, total verrückt! Ein amerikanisches Wissenschaftlerteam mit dem Raketenforscher und Kapitän Dave, dem Kosmologen Alvin und der Ökologin Lucy bereitet sich auf eine Space-Mission vor. Ihre Aufgabe: die Suche nach anderen bewohnbaren Planeten in unserem Sonnensystem.

Die drei ehrgeizigen Forscher sind schnell im Weltall überfordert – sie verlieren den Kontakt zur Erde und sind auf sich allein gestellt. Das Ganze im Umfeld einer Retro-Atmosphäre der 60er und 70er Jahre. „Auf dem Mond trifft das amerikanische Team auf vergessene russische Kosmonauten, die dort gestrandet sind.“ Den Alvin spielt Koffi Missah, Hauptdarsteller vom „Starlight Express“ in Bochum. Der Witz ist, dass „Bing Bang Boom – Der große Knall“ den Rahmen bietet für jede Menge Songs aus der Zeit – von Peter Schilling, den Beatles, über Nazareth und Tom Jones bis The Police und The Sweet.

Theaterleiter in Peking

Elmar Ottenthal, der zwischendurch mal eben vier Jahre lang fürs chinesische Fernsehen als Dokumentarfilmer kreuz und quer durchs Reich der Mitte gezogen ist und ganz nebenbei auch noch künstlerischer Leiter des „Theaters des 21. Jahrhunderts“ in Peking war, hat seither sein Lebensmotto gefunden. Es prägt auch seine Arbeit. Das Entscheidende gelernt hat er, wie er sagt, bei den Mönchen der Shaolin, mit denen ihn eine enge Freundschaft verbindet: „Aus sich selbst heraus Kraft gewinnen und die Fröhlichkeit für den Augenblick – das färbt ab!“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert