Zwei Jubiläumsausstellungen im Ludwig Forum

Von: Eckhard Hoog
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25 Jahre Ludwig Forum: Hier posieren (v. l.) Kulturbetriebsleiter Olaf Müller, Forums-Direktor Andreas Beitin, Kulturdezernentin Susanne Schwier, die stellvertretende Forums-Chefin, Annette Lagler, und die Geschäftsführerin der Ludwig-Stiftung, Brigitte Franzen, vor den Plakaten vergangener Ausstellungen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Da sind sie wieder, die Ikonen der Sammlung Ludwig: Jeff Koons intim auf seiner Cicciolina, ausgerechnet von Oberammergauer Herrgottschnitzern in Holz verewigt, Misses Supermarket Lady, A. R. Pencks Strichmännchen, Nancy Graves‘ Trampeltiere, Roy Lichtensteins Comic.

Zur Feier des 25-jährigen Bestehens hat das Aachener Ludwig Forum seine Erkennungs- und Markenzeichen aus dem Depot geholt, um das Publikum zu einer Kunstreise „In 86 Tagen um die Welt“ einzuladen. So heißt die von Annette Lagler kuratierte Ausstellung, mit deren Eröffnung das Jubiläum am kommenden Freitag um 19 Uhr begangen wird.

Jules Verne lässt grüßen – die Anspielung im Titel zielt auf das Visionäre im Lebenswerk des Peter Ludwig, dem die Existenz des Aachener Kunstzwitters aus Museum und Veranstaltungsforum zu verdanken ist – ebenso wie 25 andere Einrichtungen auf der ganzen Welt.

Brigitte Franzen, Geschäftsführerin der Peter und Irene Ludwig Stiftung, betreut und unterstützt sie, davon zehn Museen für zeitgenössische Kunst, wie sie am Dienstag bei der Vorbesichtigung der Ausstellung aufzählte. Die Ludwig Stiftung 2016 im Jahr der Jubiläen: Das Kölner Museum Ludwig wird 40, das Antikenmuseum Basel 50, das Ludwig Museum in Peking 20, und Ludwigs Todestag jährt sich auch zum 20. Mal.

Eine Schau in sechs Räumen

Eine Zeitleiste mit sämtlichen Ausstellungen zwischen 1991 und 2016 vergegenwärtigt noch einmal die ganze Bandbreite der Kunstaktivitäten des Forums in all den Jahren – auch die Zäsuren mit den Wechseln an der Spitze, vor allem aber die des jähen Todes des Stifters 1996. Mit ihm und seinen globalen Kunsterwerbungen schwand die Weltkunst-Dynamik des Hauses, an die jetzt „In 86 Tagen um die Welt“ – so lange dauert die Schau – erinnert wird. Sechs Räume geben ihr eine thematische Struktur.

Von der „Freiheit der Kunst“ in Gestalt der Eroberung ganz neuer Gefilde wie Comic und Graffiti über Ambition, aus Schrott sozusagen künstlerisches Gold zu machen – wie Thomas Virnichs zerlegtes und vervielfältigtes Boot –, bis zur Beschäftigung mit Mythen und Historie reicht das Spektrum. Anne und Patrick Poirers raumfüllende „Schwarze Stadt“, die wirkt wie das Modell einer untergegangenen antiken Siedlung, wurde eigens dafür wieder aufgebaut.

Das Thema „Ost-West“, vor allem in den Anfängen programmbeherrschend, kommt als Reminiszenz im dritten Raum zum Tragen. Hier schreitet Wolfgang Mattheuers Monsterfigur, halb in Hitler-, halb in Proletarierpose, die deutsch-deutsche Geschichte ab. Das Strichmännchen von Übersiedler A. R. Penck wandert vermeintlich von Ost nach West.

Und Chinesen, Kubaner, Russen und Jordanier wurden aus dem Keller geholt zur großen Erinnerungsgeste.

Als zweite Jubiläumsausstellung beleuchtet das Forschungsprojekt „Plattform Aachen“, namentlich Benjamin Dodenhoff und Marlen Lienkamp, die Geschichte des Forums in den oberen Räumen mit zahlreichen Dokumenten und Originalzeugnissen.

Das Kuratorenpaar ist noch sehr jung – für etwas ältere Zeitgenossen dürfte selbst die Eröffnung des Ludwig Forums noch frisch in Erinnerung geblieben sein, als ein Stolberger Künstler ein Bordsteinschwälbchen zum „Nachspielen“ des Akts von Koons und Cicciolina überredet hatte: auf einem Tisch im Restaurant. Das waren noch Zeiten . . .

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