Zwei Brüder, vier Hände, eine Leidenschaft: Musik

Von: Sabine Rother
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Sie sind für jeden Spaß zu haben: die niederländischen Pianisten-Brüder Lucas (unten) und Arthur Jussen. Am kommenden Samstag sind sie im Aachener Meisterkonzert zu erleben. Foto: Dirk Kikstra

Aachen. Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für zwei Klaviere Es-Dur (op. 365) haben sie bereits als Jugendliche gemeinsam gespielt, da war Lucas erst zehn, sein Bruder Arthur dreizehn Jahre alt. Und sie lieben das Werk noch immer, mit dem sie damals im ehrwürdigen Concertgebouw Amsterdam mit dem Netherlands Radio Chamber Philharmonic unter Jaap van Zweden ihr Publikum beeindruckten und der Stolz ihrer Eltern waren.

Heute sind die Niederländer Lucas und Arthur Jussen 24 und 27 Jahre alt. Mit jugendlichem Elan werden sie das Werk erneut beim Meisterkonzert am kommenden Samstag, 4. März, 19.30 Uhr, auf der Bühne des Aachener Eurogress spielen. Dirigent der Sinfonia Varsovia ist Paul Meyer. „Wir kennen ihn und freuen uns auf ihn“, sagt Lucas. „Aber damals war er Solist an der Klarinette, nicht Leiter des Orchesters.“

Die Brüder sind als Künstler bereits Profis mit langjährigen, internationalen Erfahrungen. Kürzlich haben sie für die Deutsche Grammophon ihre vierte CD produziert, auf der gleichfalls Mozarts Opus 365 zu hören ist.

„Bei uns zu Hause war Musik etwas ganz Natürliches, niemand musste uns dazu zwingen“, erzählt Lucas. Mutter Christianne van Geldern ist Flötistin, Vater Paul Jussen Percussionist und Pauker im Orchester. Frühzeitig gab es für die Söhne wichtige Lehrer – darunter der Klavierpädagoge Jan Wijn und die Pianistin Maria Joao Pires. Lucas studierte unter anderem zwei Jahre bei Menahem Pressler in den USA, danach bei Dimitri Bashkirov in Madrid.

Wie war das damals als Kind am Klavier? Und dann auch noch mit einer komplexen Mozart-Komposition? „Ich glaube, das war einfacher als heute“, gesteht Lucas. „Jetzt denken wir viel mehr dabei, damals haben wir eher intuitiv gespielt. Für den Erwachsenen ist Mozart schwieriger als für ein Kind.“

Am liebsten treten die beiden Niederländer als Doppel auf – aber wie sieht es mit Werken für zwei Klaviere überhaupt aus? „So viel gibt es da nicht, und zudem ist die Qualität unterschiedlich“, erzählt Arthur. Was sie beide neben Mozart mögen, ist eine Sonate zu vier Händen von Ludwig van Beethoven. „Tatsächlich hatte er in diesen Dingen im Vergleich zu Mozart aber weniger Talent“, haben beide erfahren.

Das Kompositionsgenie? Wie lässt sich das erklären? Wieder spielt das Geschwister-Thema eine Rolle: „Die Lebenssituation ist bei allen Künstlern wichtig“, meint Lucas. „Mozart hat oft und gern mit seiner Schwester Klavier gespielt, deshalb hat er auch viel für vier Hände komponiert. Schubert war dauernd unglücklich verliebt. Die einzige Chance, einem Mädchen damals dennoch nahe zu sein, war, ein Stück zu vier Händen mit ihm zu spielen.“

Musik statt Spaß und Spiel? Die beiden niederländischen Pianisten lachen über so einen Gedanken. Nein, keine isolierte Kindheit ausschließlich am Klavier, sondern Musik als schönstes Hobby – zusätzlich zum Sport, zu Treffen mit Freunden, Kino und Schule. „Es ist wichtig, Spaß am ganzen Leben zu haben, um wirklich gut am Klavier zu sein“, versichert Lucas.

Gehen sich die beiden im engen Miteinander manchmal auf die Nerven? Nein, die Energie fließe vom einen zum anderen, man inspiriere einander gegenseitig. „In den besten Momenten fühlt man sich wie eine einzige Person“, meint Arthur. „Das ist Harmonie, menschlich wie künstlerisch.“ Auf der Bühne präsentieren sie sich mit lockerem Chic, was in Kritiken manchmal staunende Erwähnung findet. Die beiden, die man im Ausland gern „the Jussen-boys“ nennt, amüsiert das: „Bei Frauen wird das eher erwartet als bei Männern, da spielt es bei vielen Zuschauern weniger eine Rolle, wie hübsch sie sind.“

Doch Lucas und Arthur Jussen lassen sich die Freude nicht nehmen, flott auszusehen mit gestylten blonden Haaren und einem Outfit, das häufig nicht aus einem festlichen Bühnenfrack mit weißer Schleife besteht. Es können auch schwarze T-Shirts zu rockigen, spitz zulaufenden „Winklepicker“-Schuhen sein. „Wir sind eben junge Jungs, wir lieben Mode“, stellt Lucas fest.

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