Zum Tag des Mauerfalls ein Bild von Götz

Von: Eckhard Hoog
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Große Ehre für einen großen Aachener Künstler: Karl Otto Götz´ Bild zum 3. Oktober 1990 „Jonction” bekommt einen Platz im Berliner Reichstagsgebäude: Das Foto entstand im Jahr 2004 mit (von links) Eva Köhler, Bundespräsident Horst Köhler und Götz´ Frau Rissa während einer Ausstellung in der Bonner Villa Hammerschmidt. Foto: ec

Aachen/Berlin. Nachhaltiger, dauerhafter und bedeutender könnte die Ehrung gar nicht mehr ausfallen: Karl Otto Götz, 1914 in Aachen-Burtscheid geborene Künstlerlegende, bekommt einen festen Platz im deutschen Bundestag.

Am Vorabend der zentralen Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, der am 9. November mit einem „Fest der Freiheit” am Brandenburger Tor begangen wird, findet bereits dieser Festakt im Parlamentsgebäude Paul-Löbe-Haus statt: Dort wird beie einem Konzert Götz´ monumentales Gemälde „Jonction III” präsentiert, das bislang in der Villa Hammerschmidt, dem Sitz des Bundespräsidenten in Bonn hängt und dann einen Ehrenplatz im Reichstagsgebäude erhalten soll.

Sprechen werden in Anwesenheit des Künstlers und seiner Frau Rissa Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages, und Jerzy Buzek, Präsident des Europäischen Parlaments.

3. Oktober 1990: Karl Otto Götz verfolgt in seinem Haus in Wolfenacker im Westerwald gebannt die Berliner Feierlichkeiten zur deutschen Wiedervereinigung am Fernseher. Spontan springt er auf und eilt in sein nahes Atelier: Er will unbedingt sein ganz persönliches Bild als Erinnerung an diesen Tag malen.

An einem Tag entstanden

Ein riesiges Werk entsteht an diesem einzigen Tag, zweiteilig, zwei mal 5,20 Meter groß. Nach dem letzten Strich mit seiner Rakel, einem besenartig zusammengebundenen Besen, datiert und signiert er das Bild: „Jonction - 3.10.90” - ein informelles Historienbild, dem er 1991 zwei weitere Variationen folgen lässt.

Das Gemälde besteht aus vier Hauptelementen: Eine schwarze Bahn dringt von links in den Bildraum und trifft auf einen Wirbel, der wiederum an eine von oben diagonal einstürzende Spur grenzt. Von rechts macht sich ein grauer Schleier breit. Götz, das Multitalent, verfasst ein Gedicht zu seinem Werk. Die Verse beschreiben die Symbolik des Bildes.

Am 22. Februar ist der große, alte Mann der deutschen informellen Malerei, jener Nachkriegsspielart einer nichtgeometrischen abstrakten Kunst, 95 Jahre alt geworden. Während der Nazi-Zeit war er mit Malverbot belegt. Künstlerisch suchte er nach 1945 einen Neuanfang - auch eine Parallele zu jenem 3. Oktober 1990. Die jungen Künstlergenerationen fanden in Karl Otto Götz, diesem Repräsentanten einer „antiautoritären” Richtung, ihr großes Vorbild - indem sie schlicht auf seinen stetigen Rat als Professor der Düsseldorfer Kunstakademie hörten, den eigenen, autonomen Weg zu suchen, jenseits von „Vorbildern”.

Zahlreiche heute weltberühmte Künstler wie Gerhard Richter und Sigmar Polke haben in diesem Sinne seinen großen Einfluss auf sie beschrieben. In dieser Hinsicht bedeutet Götz´ Ehrung durch den Bundestag auch eine Würdigung dieser ganz besonderen Lebensleistung. Götz langjährigen Freund und Wegbegleiter Ernst Cremer, der in Aachen einen Steinwurf von dessen Elternhaus wohnt, wo beide lange gemeinsame Spaziergänge unternommen haben, ist vom Künstler zum Festakt im Paul-Löbe-Haus miteingeladen.
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