Zum 25-jährigen Bestehen: Spannende Diskussion über das Ludwig Forum

Von: Eckhard Hoog
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Historisches Treffen: Die drei Direktoren und die einzige Direktorin, die das Aachener Ludwig Forum in 25 Jahren erlebt hat, kamen zu einer Diskussion über das Haus zusammen: (von links) der aktuelle Leiter Andreas Beitin, Brigitte Franzen, Harald Kunde und Gründungsdirektor Wolfgang Becker. Bei dem Podiumsgespräch ging es unter anderem um den Wandel, den Anspruch und das Budget des Ludwig Forums. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ein historischer Moment: Alle drei Direktoren und die einzige Direktorin des Aachener Ludwig Forums, die das Haus in seiner Geschichte erlebt hat, trafen sich am Sonntag an ihrem „Tatort“ wieder: Wolfgang Becker, Harald Kunde, Brigitte Franzen und der mit siebeneinhalb Monaten noch recht frischgebackene aktuelle Leiter, Andreas Beitin.

Anlass war das Jubiläum des 25-jährigen Bestehens des Hauses, um auf dem Podium vor interessiertem Publikum einen Blick zurück zu werfen aus vierfachem Blickwinkel, den Wandel des Ludwig Forums im Laufe der Zeit noch einmal Revue passieren zu lassen, Problemfelder zu benennen und auch Perspektiven zu diskutieren. Die Moderation lag bei Hermann-Josef Delonge, Redakteur unserer Zeitung.

Das gescheiterte Museum: Bis heute wirkt sich das geplatzte Museumsprojekt an der Monheimsallee in der Wahrnehmung und Wertschätzung des Ludwig Forums in der ehemaligen Schirmfabrik aus. Becker: „Hier hat sich kein integres bürgerliches Viertel entwickelt.“ Resultat: Die Front derjenigen, die bedauern, dass es damals nicht zu dem Museumsbau gekommen ist, existiert weiter fort. Möglicherweise auch ein Grund für den als fehlend empfundenen breiten Rückhalt in der Stadt. Brigitte Franzen erinnert sich an lächerlich fehlende Selbstverständlichkeiten wie die bloße Erwähnung des Forums in Tourismusbroschüren. Beifall des Publikums.

Die Leistung: „Ich wünschte, dass man stolzer wäre auf all das hier herum – die fantastische Sammlung, Baselitz, Richter, und wie sie alle heißen.“ Applaus für Harald Kunde.

Der Forumsgedanke: seit den Anfängen die Gretchenfrage schlecht-hin. Was ist das Lufo, was soll es sein: Forum oder Museum? Während unter Wolfgang Becker der taiwanesische Tanz zur China-Schau wie selbstverständlich dazugehörte, strichen die Nachfolger Kunde und Franzen derlei fröhliches Begleitprogramm ziemlich rigoros zusammen. Der Fokus sollte wieder auf die Kunst selbst gerichtet werden – die ersten Schritte hin zum Museum waren getan. Franzen: „Die ehemals noch feuchten Bilder waren ja längst selbst schon museal geworden.“

Der Weltkunstgedanke: Eine permanente „documenta“ war Peter Ludwigs Leitvorstellung – mit seinem Tod schwand dafür die nötige Dynamik. Die Zeiten hatten sich geändert. Kunde: „Es ging mir eher um die Frage: Wo gibt es gute Kunst? Dabei ist es egal, woher sie kommt.“ Für Brigitte Franzen repräsentiert die Sammlung selbst Weltkunst: „Hier gibt es Kunst aus aller Herren Länder. Das ist ein Türöffner, um globale Kunst auszustellen.“

Das Budget: ein besonders kritischer Punkt, wie sich herausstellt – nach wie vor. Frappierend Beitins Bekenntnis, dass das Projekt der bevorstehenden Mies-van-der-Rohe-Ausstellung zu 80 Prozent aus eingeworbenen Drittmitteln finanziert werden muss. Nur 20 Prozent stammen aus dem städtischen Budget. Brigitte Franzen ergänzt: „Das war immer schon so.“ Beitin: „Eine dramatische Situation.“ Die Mittel reichten nicht einmal, um auch nur eines der Hauptbetätigungsfelder des Hauses – Sammeln, Bewahren, Forschen und Ausstellen – ausreichend zu bewältigen.

Der Anspruch: Wolfgang Becker plädiert dafür, die Ansprüche halt nach dem Etat auszurichten und sie gegebenenfalls einfach zu reduzieren nach dem Motto: „Budget erzwingt Programm.“ Damit erntet er vehementen Widerspruch von Kollegen und Kollegin. Kunde, Direktor des Museums Kurhaus Kleve: „Da ist es vergleichbar wie in Aachen, aber wir müssen unsere Ansprüche behalten und das Unmögliche möglich machen.“ Franzen: „In gewisser Weise sind wir ja auch Vorbild.“

Museum im 21. Jahrhundert: Vermittlung ist das A und O, unter Einbeziehung aller technischen Möglichkeiten – das ist die allgemeine Überzeugung. Beitin kündigt die Entwicklung einer App für Museumsbesucher an, mit deren Hilfe Infos zur Kunst auf dem Handydisplay landen. Außerdem will die Aachener Firma Zentis dafür sorgen, dass ab 2017 ein Museumstag in der Woche für Besucher kostenlos ist.

Die Perspektive: Das Ludwig Forum soll nach Betins Willen – wie bereits berichtet – politischer werden. Zahlreiche künftige Ausstellungen behandeln gesellschaftspolitische Themen – damit kommt der Forumsgedanke wieder zum Tragen: in intensiven Diskursen.

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